17. April 2019

Nachdenken über die Liebe: Weil es so ist

Ich bin ein Mensch voller Widersprüche. Ich bin ambivalent, ungeduldig (vor allem mit mir selbst), sehr sprunghaft in meinen Interessen und gleichzeitig überaus streng mit mir. Ich bin ein lebendiger Widerspruch

Die Ideale, die ich für mich und mein Leben habe, sind so hochgesteckt, so absolut, unflexibel und unbeweglich, dass ich ihnen niemals gerecht werden kann. Denn diese Vorstellungen, Sehnsüchte und Wünsche in Bezug auf innere Ruhe, Seelenfrieden, usw., stehen in krassem Gegensatz zu dem, was neben ihnen in mir vorhanden ist. Keine Sorge: Ich schreibe dies nicht aus einer düsteren und resignierten Stimmung heraus. Sondern ich schreibe davon, weil es ist. 

Jedes Mal, wenn meine Sehnsucht nach Seelenfrieden, Harmonie und tief verwurzelter Gelassenheit so übermächtig wird, gelingt es mir für kurze Zeit, in großer Euphorie diesen Zustand tatsächlich zu halten; nur, um spätestens nach ein paar Tagen festzustellen, wie flüchtig und trügerisch er ist. Und ich bemerke, dass es mich sehr viel Kraft und Anstrengung gekostet hat, ihn aufrecht zu erhalten. Dann weicht meine Euphorie einem anderen Gefühl: der Ent-Täuschung, weil ich mich zuvor in mir selbst ge-täuscht habe.

Als mir dieser Automatismus heute während meiner Meditation bewusst wurde, hat mich das zunächst ziemlich verunsichert und geärgert. Doch gleichzeitig war ich auch sehr dankbar für diese Erkenntnis. Denn sie hat mir einen neuen und wichtigen, tieferliegenden Aspekt der Liebe offenbart: Klarheit und Ehrlichkeit mir selbst gegenüber

Beides ist zunächst weder schön noch angenehm. Aber es sind für mich sehr wichtige und wesentliche Aspekte meiner Persönlichkeit: Ich bin ein Mensch, dem Klarheit und Ehrlichkeit sehr viel bedeuten. Und das erneute und tiefe Erkennen und Be-Greifen dieser beiden Qualitäten, bringen mich mir selbst wieder ein ganzes Stück näher.

Bislang habe ich geglaubt, dass ich etwas nur richtig wollen muss, um es zu erreichen. Nun aber erkenne ich, dass ich nur etwas erreichen kann, das auch in mir vorhanden ist, mir und meiner Persönlichkeit gemäß und zugehörig ist.

Die Sehnsucht nach einem weit entfernten und abstrakten Ideal entspringt dem Gefühl, dem Erleben von Mangel; ist demnach eine Frage der eigenen Perspektive auf mich, mein Sein und mein Leben. Wenn ich aber lerne, immer wieder aufs Neue anzuerkennen und mir zuzugestehen, dass Widersprüchlichkeiten, Ungeduld, Ambivalenz, usw. zu mir gehören, ein untrennbarer Teil meiner Persönlichkeit sind, dann wird aus der abstrakten und trügerischen Sehnsucht nach Harmonie, wirklicher Zufriedenheit, nach Seelenfrieden, ein sehr realer, konkreter und im Hier und Jetzt gründender, auf Liebe basierender Seins-Zustand

Annehmen, hinnehmen und loslassen: Dies zu verinnerlichen, schafft eine demütige innere Haltung. Dabei ist Demut keine Schwäche und kein Resignieren. Sondern es bedeutet: Gehen mit dem was ist und die eigenen Kräfte nicht auf etwas zu vergeuden, das nicht zu mir gehört. Das ist ein Lernprozess, der seine Zeit benötigt. Die ich mir geben möchte.









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