7. April 2019

Leben und Liebe sind Arbeit. Oder?

Warum glauben wir, dass mit Selbstliebe, oder mit Liebe überhaupt, Arbeit und Anstrengung verbunden sind, bzw. verbunden sein müssen? Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Weil wir zutiefst davon überzeugt sind und es so gelernt und verinnerlicht haben, dass wir weder uns selbst, noch anderen Menschen wirklich genug sind, überhaupt nicht sein und genügen können. Im Grunde unseres Herzens halten wir uns für unvollkommen, fehlerbehaftet, schwierig. Und das Tragische (oder Wunderbare?) daran ist: Wir sind, was wir denken!

Über Jahrzehnte habe ich mich wegen meiner Biografie, meiner Erkrankung, meiner "Missetaten" vor mir selbst und auch vor meinen Mitmenschen geschämt, mich für nicht liebenswert, für kompliziert und keinesfalls beziehungsunfähig gehalten. Und insgeheim habe ich mich bei jedem Menschen, der mir mit Zuwendung und Sympathie begegnete, gefragt: Wo ist der Haken? 

Gleichzeitig und ohne es selbst wirklich zu bemerken, hatte ich an mich und an diese Menschen so hohe Erwartungen, dass diese niemals erfüllt werden konnten. Und sämtliche Beziehungen, sowie manche Freundschaft, ist daran zerbrochen. Was mich wiederum in meinen Annahmen bestätigt hat, dass ich mit anderen Menschen schlichtweg nicht kompatibel bin.

Seit meiner Genesung, die ich mit großer Dankbarkeit als innere Befreiung erlebt habe, hat sich unglaublich viel verändert: Ich bin innerlich gereift und habe viele meiner alten Annahmen und Glaubenssätze mit Erleichterung und Freude über Bord geworfen. Bis auf einen: "Ich genüge nicht!"

Diese Annahme, oder Zuschreibung, hatte ich so sehr verinnerlicht, dass sie mich unwillkürlich und gut versteckt, bis heute begleitet hat. Verborgen hatte sie sich hinter meinen bisweilen sehnsüchtigen, fast zwanghaften Bemühungen, immerzu lernen und mich spirituell fortbilden zu wollen, bzw. hinter dem ebenso starken wie bestens versteckten Gefühl, mich stetig fortbilden zu müssen, um ein "guter Mensch" zu werden, anstatt es einfach zu sein. 

So habe ich in den letzten zwei, drei Jahren sehr viel Energie darauf verwendet, spirituell und bewusst zu leben und mir meine "guten Eigenschaften" immer wieder vor Augen zu halten und mich so meiner vermeintlich "schlechten" zu entledigen. 

Ich habe viele Artikel, Texte und Gedichte veröffentlicht, mit denen ich - neben all meinen aufrichtigen und durchweg liebevollen Intentionen - auch insgeheim sehnsüchtig nach der Bestätigung von außen gelechzt habe, dass ich ein guter, besonderer und tiefgründiger, spiritueller Autor bin. Voller Stolz und mit nur vordergründigem Selbstbewusstsein habe ich meine Erkenntnisse geteilt, mich mit-geteilt; auch, um von außen bestätigt zu bekommen, wessen ich mir in meinem Innersten überhaupt nicht sicher war: Meiner selbst.

Inzwischen hat sich etwas in mir sehr deutlich und hoffentlich ebenso nachhaltig verändert: Ich habe buchstäblich verinnerlicht, dass ich mich nicht anstrengen muss, nicht hart an mir arbeiten muss, um der Mensch zu sein, der ich sein möchte. Es reicht völlig aus, dieser Mensch einfach zu sein. Alles, was und wie ich sein möchte, ist bereits in mir vorhanden

Das Leben, die Liebe, Frei sein ist ein Seins-Zustand und weder Tätigkeit, noch schwere, mühselige Arbeit. Daran gewöhne ich mich allmählich, aber stetig. Ich bin!









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