27. April 2019

Innere Ruhe und Widersprüche

Es gibt eine ganz besondere starke Intention, die mich schon seit Jahrzehnten beschäftigt und begleitet: der Wunsch nach innerer Ruhe. Mit keiner anderen seelischen Qualität verbinde ich so viel Widersprüchliches und trotz dieser Widersprüchlichkeiten eine ganz große, tiefgreifende, innere Sehnsucht.

Immer wieder werde ich in meinem Leben sehr heftig mit ihrem Gegenpart konfrontiert: Unruhe und Angst. Ganz besonders dann, wenn ich mich bewusst darum bemühe, innerlich still zu werden, zur Ruhe zu bekommen, beschleicht mich eine diffuse Angst in Gestalt eines "Knotens" in der Magengegend. Und mein Verstand wehrt sich jedes Mal mit großer Vehemenz dagegen, einfach "die Klappe zu halten", ganz so, als könne er die Stille nicht ertragen.

Seitdem ich meine Depressionen, und damit meine psychische Erkrankung hinter mir gelassen habe, befinde ich mich inmitten eines Prozesses der ständigen  bewussten Veränderung und Entwicklung. Es ist mir nicht nur wichtig, sondern ein wirkliches, tief erlebtes Herzensanliegen, mein Leben aktiv und sinnstiftend zu gestalten und meinen Stärken, im Gegensatz zu früher, tatsächlich dauerhaft Geltung und Präsenz zu verschaffen.

Seitdem ich mich so intensiv mit dem "Sein" beschäftige und mit der damit verbundenen, so einzigartigen Qualität, den verschiedenen Facetten und Erscheinungsformen der Liebe, wird mir gleichzeitig meine innere Widersprüchlichkeit, meine zeitweilige innere Zerrissenheit, immer bewusster. Sehr deutlich spüre ich, dass der Prozess meiner inneren Heilung, meiner Ganzwerdung, noch lange nicht zuende ist, sondern gerade erst begonnen hat. 

Je besser ich mich kennen- und verstehen lerne, umso dringlicher erscheint es mir, mich weiter zu entwickeln und zu vervollkommnen. Dabei verliere ich aber immer wieder aus den Augen, dass hierzu gleichermaßen Pausen und innere Ruhe gehören. Ich glaube, es sind meine Radikalität und Absolutheit, die nur ein "Ganz oder Gar nicht" und ein "Entweder, Oder" kennen, die mir hierbei im Wege stehen. 

Mir wird deutlich: Es ist die tiefsitzende Angst vor Stillstand und Rückfall in die Erkrankung, die meine innere Unruhe verursacht. Und hier bin ich wiederum bei einer weiteren Qualität, an der es mir zur Zeit noch mangelt, an der ich aber seit Kurzem bewusst für mich arbeite: Selbst-Vertrauen. Das tiefe und unverbrüchliche Vertrauen in mich selbst. Genauso, wie ich in der Meditation daran arbeite, die Stille einfach zuzulassen, in sie hineinzulauschen und dabei die "Nebengeräusche" meines Verstandes ohne Wertung hinzunehmen.  

Eine wirklich große Hilfe bei dieser Lernaufgabe ist mir meine Liebste. Sie schrieb mir gestern: "Du bist Liebe. Du bist Fülle. Du bist." Und genauso ist es.









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