9. April 2019

"Ich bin" - in Liebe und Freiheit

In meinem letzten Text habe ich mich mit den verborgenen Intentionen meines Tuns beschäftigt; mit den verborgenen Sehnsüchten, die neben anderen "guten" Motiven, bislang die Triebfeder meines Handelns gewesen sind. Mir insbesondere auch "egoistische", aus tiefer, innerer Unsicherheit stammende Intentionen überhaupt einzugestehen, war nicht einfach und hat mich sehr viel Überwindung gekostet. Gerade deswegen war es aber auch ein  äußerst wichtiger Schritt und ein Akt der Befreiung.

Mir wird immer bewusster, das "zu sein" auch bedeutet,  ausnahmslos alles zuzulassen, mir zuzugestehen und es wertungsfrei hinzunehmen, was an Widersprüchlichkeiten und an nur vermeintlich "niederen" Motiven in mir vorhanden ist. Denn restlos alle Gründe, die "Ur-Sachen", aus denen heraus ich etwas tue, haben ihre Berechtigung.

Egoismus, Unsicherheit, Schwäche, Unreife: Diese Qualitäten mögen bei manchem  vermeintlich"spirituellen" und "entwickelten" Menschen Ablehnung hervorrufen, als quasi "unerlöste" oder "dunkle" Anteile der Individualität. Für mich hingegen wird es immer mehr zu einer wesentlichen Qualität von wahrer Freiheit und wahrer Selbstliebe, auch diese Anteile meines Selbst wahrzunehmen, hinzunehmen und anzuerkennen. 

Kürzlich schrieb ich davon, dass Liebe und Freiheit für mich untrennbar miteinander verbunden sind, ja sogar eine Einheit bilden. Wenn ich also "in der Liebe bin", dann habe ich gleichzeitig auch die Freiheit, so zu sein, wie ich bin und, mein Gegenüber ebenfalls so zu betrachten und anzunehmen, wie er oder sie ist. Diese Freiheit, die ich mir in Liebe zugestehe, gilt ohne jede Einschränkung auch für jeden anderen Menschen.

Eine solche "ent-spannte" innere Haltung wiederum befreit mich zusehends davon, mir Druck zu machen und von dem Bedürfnis, bei meinem Gegenüber zu intervenieren, mich einzumischen. 

Hierdurch gelange ich wieder zu dem zentralen Satz der Gewahrseins-Expertin Andrea Löffler: "Gehen mit dem, was ist." Nicht "dagegen" gehen, sondern "mit-gehen" und "begleiten". Mich selbst und meine Mitmenschen. Ich bin.


Kommentare:

Andrea Löffler hat gesagt…

Lieber Eckhard, dein immer wieder hinspüren und mit dem gehen, was ist, berührt mich. "In der Liebe sein" ist ja immer so ein großer Begriff. Für mich ist es ähnlich wie für dich: "Freiheit". Die Freiheit alles zu sein und zu fühlen. Das ist (für mich) nicht leicht. Mensch sein. Sein. Ich bin.

Mir erwärmt es gerade mein Herz, dass der Satz solch eine Wirkung hat. (lächel)

Alles Liebe zu dir
Andrea

Eckhard Neuhoff hat gesagt…

Liebe Andrea,

ganz lieben Dank für deinen berührenden Kommentar! Auch für mich ist das nicht leicht: Menschsein. Sein. Ich bin. Aber immer mehr verstehe und "be-greife" ich, wie wichtig gerade das "nur Sein" für mich und meine (seelische) Gesundheit ist.

Auch zu dir alles Liebe!
Herzlichst, Eckhard