27. April 2019

Innere Ruhe und Widersprüche

Es gibt eine ganz besondere starke Intention, die mich schon seit Jahrzehnten beschäftigt und begleitet: der Wunsch nach innerer Ruhe. Mit keiner anderen seelischen Qualität verbinde ich so viel Widersprüchliches und trotz dieser Widersprüchlichkeiten eine ganz große, tiefgreifende, innere Sehnsucht.

Immer wieder werde ich in meinem Leben sehr heftig mit ihrem Gegenpart konfrontiert: Unruhe und Angst. Ganz besonders dann, wenn ich mich bewusst darum bemühe, innerlich still zu werden, zur Ruhe zu bekommen, beschleicht mich eine diffuse Angst in Gestalt eines "Knotens" in der Magengegend. Und mein Verstand wehrt sich jedes Mal mit großer Vehemenz dagegen, einfach "die Klappe zu halten", ganz so, als könne er die Stille nicht ertragen.

Seitdem ich meine Depressionen, und damit meine psychische Erkrankung hinter mir gelassen habe, befinde ich mich inmitten eines Prozesses der ständigen  bewussten Veränderung und Entwicklung. Es ist mir nicht nur wichtig, sondern ein wirkliches, tief erlebtes Herzensanliegen, mein Leben aktiv und sinnstiftend zu gestalten und meinen Stärken, im Gegensatz zu früher, tatsächlich dauerhaft Geltung und Präsenz zu verschaffen.

Seitdem ich mich so intensiv mit dem "Sein" beschäftige und mit der damit verbundenen, so einzigartigen Qualität, den verschiedenen Facetten und Erscheinungsformen der Liebe, wird mir gleichzeitig meine innere Widersprüchlichkeit, meine zeitweilige innere Zerrissenheit, immer bewusster. Sehr deutlich spüre ich, dass der Prozess meiner inneren Heilung, meiner Ganzwerdung, noch lange nicht zuende ist, sondern gerade erst begonnen hat. 

Je besser ich mich kennen- und verstehen lerne, umso dringlicher erscheint es mir, mich weiter zu entwickeln und zu vervollkommnen. Dabei verliere ich aber immer wieder aus den Augen, dass hierzu gleichermaßen Pausen und innere Ruhe gehören. Ich glaube, es sind meine Radikalität und Absolutheit, die nur ein "Ganz oder Gar nicht" und ein "Entweder, Oder" kennen, die mir hierbei im Wege stehen. 

Mir wird deutlich: Es ist die tiefsitzende Angst vor Stillstand und Rückfall in die Erkrankung, die meine innere Unruhe verursacht. Und hier bin ich wiederum bei einer weiteren Qualität, an der es mir zur Zeit noch mangelt, an der ich aber seit Kurzem bewusst für mich arbeite: Selbst-Vertrauen. Das tiefe und unverbrüchliche Vertrauen in mich selbst. Genauso, wie ich in der Meditation daran arbeite, die Stille einfach zuzulassen, in sie hineinzulauschen und dabei die "Nebengeräusche" meines Verstandes ohne Wertung hinzunehmen.  

Eine wirklich große Hilfe bei dieser Lernaufgabe ist mir meine Liebste. Sie schrieb mir gestern: "Du bist Liebe. Du bist Fülle. Du bist." Und genauso ist es.









25. April 2019

Was mich beschäftigt

Manchmal bin ich von der Vielzahl und Verschiedenheit meiner Ideen, Wünsche und Impulse nahezu überwältigt. Und es fällt mir außerordentlich schwer, Ordnung in dieses kreative Chaos zu bringen, mich zu entscheiden, welchen meiner zahlreichen Gedankenblitze ich weiter verfolge und welchen nicht.

Die Fragen, die sich hinter all dem verbergen, lauten: "Was will ich wirklich?" "Wohin möchte ich in meinem Leben?" "Welches konkrete Ziel möchte ich erreichen?" Darauf eine klare und unmissverständliche Antwort zu finden, scheint fast unmöglich zu sein.

Natürlich ist da das Schreiben und Veröffentlichen, dem ich mich nun schon sehr lange widme und das mir ein tiefes und erfüllendes Anliegen ist. Ich liebe es, zu schreiben

Aber warum will sich dann kein messbarer Erfolg einstellen? Warum fristen meine Bücher noch immer ein Nischendasein, anstatt sich gut zu verkaufen? Und warum bekomme ich auf meine veröffentlichten Texte in Magazinen und in meinem Blog nicht die Resonanz, die sie meiner Ansicht nach verdienen? 

Ehrlich gesagt, beneide ich die/den eine(n) oder andere(n) Kolleg*In um ihre Sichtbarkeit und um die Resonanz, die sie für ihre Texte bekommen. Um möglichen Missverständnissen vorzubeugen: Ich gönne ihnen allesamt von ganzem Herzen ihren wohlverdienten Erfolg! Denn es sind großartige, mir sehr liebe Kolleg*Innen, die es reichlich verdient haben, wahrgenommen und gelesen zu werden! 

So ist es womöglich nicht wirklich "Neid", was ich ihnen gegenüber empfinde, sondern viel mehr das Gefühl, dass ich irgendetwas falsch mache. 

Andererseits glaube ich aus ganzem Herzen an die Qualität und Substanz meiner Texte und Bücher. Ich weiß, dass ich schreiben kann. Genauso, wie ich weiß, dass ich mit meinen Werken grundsätzlich  Menschen erreiche und berühre. 

Ich bin Realist genug, um zu wissen und zu verstehen, dass nicht jedes Buch ein Bestseller mit Millionen von verkauften Exemplaren sein kann. Und, dass es nicht jedem Autor vergönnt ist, von seinen Büchern tatsächlich (gut) leben zu können. Das gilt insbesondere für solche Themen, an denen ich arbeite, denen ich  mich im Wortsinn "verschrieben" habe: autobiografisch geprägte, mich selbst reflektierende und hinterfragende Bücher, Texte und Gedichte über inneres Wachstum und Selbst-Findung. Sie sind ohne jede Frage und im besten Sinn "Nischenprodukte". 

Erfolg ist eine Frage der inneren Einstellung und des Glaubens an sich selbst. Und genau daran mangelt es mir. Denn tief in mir habe ich große Zweifel daran, dass mir finanzieller Wohlstand und Erfolg tatsächlich zustehen. Ich habe Zweifel daran, dass ich verantwortungsvoll damit umzugehen imstande bin. Und ich bezweifele immer wieder, ob es für mich tatsächlich "dran" ist, erfolg-reich und finanziell unabhängig zu sein. 

Immer wieder habe ich das Gefühl, mich mit der finanziellen Situation, wie sie jetzt und seit so langer Zeit schon ist, abfinden zu müssen. Mich in Bescheidenheit und Verzicht üben zu müssen. Ich stehe mir also selbst mal wieder im Weg. Das kann ich gut und ich habe jahrzehntelange Übung darin. 

Finanzieller Erfolg und Wohlstand würden eine große, grundlegende Veränderung für mein Leben bedeuten. Und das bereitet mir eine ebenso große Angst. Denn im Grunde meines Herzens bin ich ein Gewohnheitsmensch. Gewohnheit bedeutet Sicherheit für mich. Und Sicherheit ist mir sehr wichtig. 

Dem auf die Spur zu kommen und es mir einzugestehen, war nicht leicht, hat mich aber dennoch er-leichtert und es hat Klarheit geschaffen. Ich bin mir selbst wieder ein Stück näher gekommen. Und das ist gut so.



24. April 2019

Vertrauen, Liebe und Dankbarkeit: Einem Rätsel auf der Spur

Meine Texte und Gedichte sind allesamt sehr persönlich. Sie handeln durchweg von meiner seelischen und geistigen Entwicklung und sind damit sehr subjektive Momentaufnahmen meines gegenwärtigen Seins.

Sie zu lesen bedeutet, sich auf mich wirklich einzulassen und an meinen Gedanken und Gefühlen tatsächlich teilhaben zu wollen. Das ist bestimmt nicht immer einfach; genauso wenig, wie ich ein "einfacher" Mensch bin. 

Dass ich mich wiederum in diesem Blog so vorbehaltlos öffne, und mich ganz und gar ehrlich mitteile, hat unter anderem etwas mit Vertrauen zu tun. Vertrauen erleichtert. Und obwohl ich diese durchweg schöne und befreiende Erfahrung nun schon seit 2012, dem Beginn dieses Blogs, immer wieder mache, ist mir das erst jetzt so richtig bewusst geworden. 

Als ich mit dem Schreiben anfing, befand ich mich inmitten einer äußerst anstrengenden und kräftezehrenden Psychotherapie. Die mir heute so wichtigen Themen "Selbstliebe" und "Vertrauen" spielten zum damaligen Zeitpunkt überhaupt keine Rolle in meinem Leben. Stattdessen beherrschten Angst und Unsicherheit in Bezug auf mich und mein Leben, und eine große Wut auf etliche meiner Mitmenschen und "die Gesellschaft", fast mein gesamtes Denken, Fühlen und Handeln. 

Dennoch war ich, ohne es selbst zu bemerken, dazu imstande, mich im Rahmen dieses Blogs, Euch, meinen Leserinnen und Lesern, einfach so anzuvertrauen und mir all meine Gedanken und Empfindungen im wahrsten Wortsinn "von der Seele zu schreiben"; ohne dass es mich große Überwindung gekostet hätte und ohne jede Angst davor, missverstanden oder gar dafür angegriffen zu werden. 

Daher möchte ich mich an dieser Stelle aus ganzem Herzen bei Euch allen bedanken: Danke für's Lesen, Danke für Eure Treue und Danke dafür, dass Ihr meine bisweilen so düsteren und schwierigen Texte und Gedichte "ertragt" und sogar wertschätzt! 

Das Thema "Vertrauen", insbesondere in Bezug zu mir selbst, ist ein ganz zentrales und immens wichtiges Thema für mich, das mich im Moment immer wieder beschäftigt. Ich bemerke das daran, wie unterschiedlich stark und verlässlich ich den mir nahestehenden Menschen Vertrauen entgegenzubringen bereit und imstande bin. 

Die Qualität meines Vertrauens hängt immer davon ab, wie sehr ich mir im Moment selbst vertraue, mit mir selbst zufrieden und im Reinen bin. Hege ich Zweifel an mir, an meinem Weg, dann ist auch mein Vertrauen gegenüber meinen Lieben beeinträchtigt. Bin ich mir meiner Selbst sicher, dann spiegelt sich dies auch in meiner "Vertraulichkeit", meiner Offenheit in sämtlichen Begegnungen wider.   

Das Paradoxe daran ist: in meinen Texten und Gedichten, die ich an dieser Stelle teile, findet sich  mein "mich verschließen" nicht wieder. Egal, wie unsicher und voller Selbstzweifel ich auch sein mag: darüber zu schreiben, "frei von der Leber weg",  bereitet mir keinerlei Probleme und kostet mich auch keine Überwindung. Ganz im Gegenteil! Es befreit und erleichtert mich und ist mir in solchen Momenten sogar ein großes, inneres Bedürfnis.

Während ich diese Zeilen schreibe wird mir bewusst, wie unmittelbar Vertrauen, Offenheit, Dankbarkeit und Liebe miteinander verbunden sind und sich gegenseitig bedingen: kein Vertrauen ohne Offenheit. Keine Liebe ohne Dankbarkeit. Keine Dankbarkeit ohne Vertrauen. Kein Vertrauen ohne Liebe. Und ohne Liebe nichts von alledem.

So schlüssig dies auch alles sein mag, bleiben die Zusammenhänge, das Zusammenwirken aller Qualitäten, dennoch ein großes Rätsel für mich. Dem ich weiter nachgehen werde.






22. April 2019

Vom Umgang mit Ärger und negativer Energie

Auch wenn es mir inzwischen immer besser gelingt, von meinen Überzeugungen und meiner inneren Haltung abweichende Sicht- und Verhaltensweisen weitgehend gelassen hinzunehmen: Dem Einen oder Anderen gelingt es dennoch, mich mit seinem Verhalten zu "ärgern" oder auch zu "triggern". Dies gilt insbesondere für Menschen, die mir durch ihre Rechthaberei und Kleingeistigkeit auffallen. 

Es sind Menschen, bei denen ich ganz unwillkürlich den Eindruck bekomme, dass es ihnen nicht um einen offenen, gleichberechtigten und wertschätzenden Umgang geht, sondern darum, ihre Überzeugungen und Behauptungen als allgemeingültigen Maßstab für alle anderen Menschen zu proklamieren

Ich habe das Empfinden, sie suchen förmlich bei ihrem Gegenüber etwas, das sie kritisieren und reklamieren können, anstatt sich beispielsweise daran zu erfreuen, dass ihr Gegenüber etwas verstanden und umgesetzt hat, was sie angeregt haben. Werden sie dann darauf angesprochen, reagieren sie, wie getroffen, mit aus der Luft gegriffenen und am eigentlichen Sachverhalt vorbeigehenden Einlassungen. 

Dass mich solche Situationen noch immer auf so unangenehme Weise berühren, hat natürlich in erster Linie mit mir zu tun. Denn wenn mich etwas stört oder gar verletzt, dann trifft es bei mir auf etwas auf, das ich noch nicht vollständig in mir integriert habe. 

Ich verfüge über ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und das starke Bedürfnis, anderen Menschen zur Seite zu stehen, wenn sie ungerecht behandelt werden. Die Ursachen hierfür liegen in meiner Vergangenheit begründet und darin, dass ich mir früher für mich selbst sehnlichst Menschen gewünscht habe, die mir auf genau diese Weise zur Seite stehen und mich vor Ungerechtigkeiten in Schutz nehmen. Insbesondere meine Mutter war eine wahre Meisterin darin, ihre zumeist unausgegorenen Überzeugungen zum Maß aller Dinge zu machen und sie ohne Rücksicht ihrer Umgebung "aufs Auge zu drücken".  

Es ist ein ganz und gar menschlicher Aspekt, im Recht sein zu wollen und zu überzeugen, die vermeintlich "besseren" Argumente zu haben. Ich habe aber inzwischen lernen dürfen, dass die Sichtweisen, die Perspektiven anderer Menschen meine Erfahrungen, meinen Horizont im Austausch auf wundervolle Weise bereichern und ergänzen können. Und ich bin jedes Mal ausgesprochen dankbar dafür. Sobald ich jedoch den Eindruck habe, dass mein Gegenüber mir etwas "überstülpen" möchte, reagiere ich noch immer sehr empfindsam und mit Ablehnung. Auch das ist überaus menschlich. 

Das wirklich Schöne an solchen Erlebnissen ist, dass ich auch daraus etwas lernen kann. Habe ich früher kaum an mich halten können, mit ganzer Kraft in solche Situationen "einzusteigen", mich maßlos aufzuregen, entscheide ich mich heute immer häufiger dafür, an dieser Stelle "auszusteigen" und meine Energie nicht auf etwas derart Ungesundes und Negatives zu verschwenden. Stattdessen lenke ich meine Aufmerksamkeit bewusst auf etwas Schönes, wie ein gutes Buch, liebevolle Gedanken oder schöne, entspannende Musik. 

Mir sind meine inneren Strukturen mittlerweile sehr bewusst und ich habe sie verstanden. Ich kann sie annehmen und mit Milde betrachten. Und loslassen





19. April 2019

Liebe und Vertrauen

Wer liebt, vertraut. Schließlich ist gerade das Vertrauen in sich selbst ein Grundpfeiler der Selbstliebe. 

Was aber bedeutet Vertrauen in sich selbst? Kleine Kinder besitzen von Beginn an etwas, das sich Urvertrauen nennt. Sie spüren, dass ihre Umgebung ihnen rundum wohlgesonnen ist, dass sie nichts zu befürchten haben und in Sicherheit sind. Wird diese tiefverwurzelte und bis dahin selbstverständliche Sicherheit aber durch bestimmte Ereignisse zerstört, wie durch Misshandlung oder Vernachlässigung, dann ist damit auch das Vertrauen zerstört. Denn das Kind erfährt und erlebt, dass es nichts wert ist, als Störfaktor gesehen und behandelt wird. 

Ich bekam als Kind und Heranwachsender immer wieder die Rückmeldung, dass man mir nicht vertrauen kann. Und in der Folge war auch ich immer weniger imstande dazu, anderen Menschen Vertrauen entgegenzubringen. So fühlte ich mich alleingelassen, fehlerhaft und nicht liebenswert.

Wenn ich das Wort "Vertrauen" heutzutage in mir nachklingen lasse, seiner Bedeutung, seiner Wirkung nachspüre, dann empfinde ich Wärme und Entspannung. Es ist ein Empfinden von "alles ist gut. Ich bin gut. So, wie alle mir nahestehenden Menschen mir durchweg wohlgesonnen sind und nur das Allerbeste für mich wollen. Ich werde geliebt.

Meinem Empfinden und Erleben nach, ist dies eine tiefe, befreiende und allumfassende Wahrheit, der lediglich das mir in meiner Vergangenheit eingepflanzte, tiefgreifende Misstrauen mir und anderen Menschen gegenüber, im Weg steht. Es ist also allein an mir, mich mit dem Gefühl des Vertrauens immer mehr zu verbinden, es anzunehmen und seine Wirkung entfalten zu lassen. Mich ihm hinzugeben.

Tief empfundenes, gelebtes Vertrauen bewirkt Entspannung und hilft dabei, einfach zu sein; in der festen Gewissheit, dass alles bereits gut ist, so wie es ist. Ich bin gut so, wie ich bin. Ich bin in der Liebe.

18. April 2019

Liebe, Kontinuität und Herzenswünsche

Ein Thema, das mich schon seit geraumer Zeit begleitet, und über das ich gestern mit meiner Liebsten gesprochen habe, sind Herzenswünsche. Immer wieder wird mir bewusst, wie wichtig es für mich ist, solche Themen nicht nur oberflächlich und flüchtig zu betrachten, sondern ganz tief in sie einzutauchen, mich vollständig auf sie einzulassen, damit ich sie gründlich sowohl vom Verstand, als auch vom Fühlen her erfassen und be-greifen kann.

Auch wenn sich an dieser Stelle wieder einmal meine Ambivalenz offenbart, die es einerseits ständig nach Neuem und nach intellektueller Ablenkung verlangt, und die andererseits sehnsüchtig nach Tiefe, Gründlichkeit und Kontinuität strebt, so senkt die Waagschale sich doch eindeutig zugunsten des Letzteren. 

Deutlich spürbar wird dies, wenn es mir während meiner Meditation gelingt, ruhig und still in mich hineinzulauschen und nicht von meinen alltäglichen, oft chaotischen Gedanken abgelenkt und beeinflusst werde. 

Meine Liebste sagte mir in unserem Gespräch, dass an manchen meiner Texte meine gelegentliche innere Zerrissenheit sehr deutlich zutage tritt. Diese Aussage hat mich zutiefst berührt und betroffen gemacht. Denn sie berührt einen ganz wesentlichen, lebenslangen inneren Konflikt, der mir bis gestern in dieser Eindeutigkeit nicht bewusst war. Dieser Konflikt mündet in den Fragen: Was will ich wirklich? Und: Wohin möchte ich in meinem Innersten in diesem Leben?

Es ist diese innere Zerrissenheit, oder auch Ruhelosigkeit, die mich immer wieder dazu bringt, mich den unterschiedlichsten Themenbereichen zuzuwenden, in der vagen Hoffnung, endlich DAS Thema, DEN Bereich finden zu können, der mich auf ganzer Linie zufrieden stimmt, mich ganz und gar zur Ruhe kommen lässt.

Was sind Herzenswünsche? Ist es das Streben nach materiellen Dingen, wie nach einem Auto, einer schönen Wohnung, finanziellem Wohlstand und nach Gegenständen? Oder sind dies nur oberflächliche, flüchtige Bilder von etwas, das im Grunde viel tiefer geht?

Ich glaube, dass sich an dieser Stelle ein weiterer Aspekt der Liebe auftut: Wahrhaftige Liebe offenbart sich in einer innigen Verbundenheit, in wirklichem Eins-Sein mit dem was wir sind und dem, was uns umgibt. Dazu gehört selbstverständlich auch das Materielle. Aber ich glaube, dass wahre Verbundenheit erst durch Kontinuität entstehen kann. Denn sich verbinden ist ein Prozess, der Geduld und Hingabe erfordert. 

Es sind genau diese beiden Qualitäten, an denen es mir mangelt und die ich noch längst nicht wirklich verstanden, begriffen habe. Auf einer eher oberflächlichen Ebene sind sie mir beide nicht gänzlich fremd; beispielsweise beim Verfassen eines Textes. Sie aber im Wortsinn zu verinnerlichen, sie wirklich zu meinen Qualitäten zu machen, ist mir bislang noch nicht gelungen.

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr werden Geduld und Hingabe zu meinen (momentanen), wirklichen Herzenswünschen. Denn  das Verinnerlichen dieser beiden Eigenschaften, oder auch Qualitäten, führen mich zu wahrem, dauerhaftem Seelenfrieden, zu innerer Ruhe und damit zu einer weiteren Erkenntnis- und Erfahrungsstufe der Liebe. Ich bin Liebe.



17. April 2019

Nachdenken über die Liebe: Weil es so ist

Ich bin ein Mensch voller Widersprüche. Ich bin ambivalent, ungeduldig (vor allem mit mir selbst), sehr sprunghaft in meinen Interessen und gleichzeitig überaus streng mit mir. Ich bin ein lebendiger Widerspruch

Die Ideale, die ich für mich und mein Leben habe, sind so hochgesteckt, so absolut, unflexibel und unbeweglich, dass ich ihnen niemals gerecht werden kann. Denn diese Vorstellungen, Sehnsüchte und Wünsche in Bezug auf innere Ruhe, Seelenfrieden, usw., stehen in krassem Gegensatz zu dem, was neben ihnen in mir vorhanden ist. Keine Sorge: Ich schreibe dies nicht aus einer düsteren und resignierten Stimmung heraus. Sondern ich schreibe davon, weil es ist. 

Jedes Mal, wenn meine Sehnsucht nach Seelenfrieden, Harmonie und tief verwurzelter Gelassenheit so übermächtig wird, gelingt es mir für kurze Zeit, in großer Euphorie diesen Zustand tatsächlich zu halten; nur, um spätestens nach ein paar Tagen festzustellen, wie flüchtig und trügerisch er ist. Und ich bemerke, dass es mich sehr viel Kraft und Anstrengung gekostet hat, ihn aufrecht zu erhalten. Dann weicht meine Euphorie einem anderen Gefühl: der Ent-Täuschung, weil ich mich zuvor in mir selbst ge-täuscht habe.

Als mir dieser Automatismus heute während meiner Meditation bewusst wurde, hat mich das zunächst ziemlich verunsichert und geärgert. Doch gleichzeitig war ich auch sehr dankbar für diese Erkenntnis. Denn sie hat mir einen neuen und wichtigen, tieferliegenden Aspekt der Liebe offenbart: Klarheit und Ehrlichkeit mir selbst gegenüber

Beides ist zunächst weder schön noch angenehm. Aber es sind für mich sehr wichtige und wesentliche Aspekte meiner Persönlichkeit: Ich bin ein Mensch, dem Klarheit und Ehrlichkeit sehr viel bedeuten. Und das erneute und tiefe Erkennen und Be-Greifen dieser beiden Qualitäten, bringen mich mir selbst wieder ein ganzes Stück näher.

Bislang habe ich geglaubt, dass ich etwas nur richtig wollen muss, um es zu erreichen. Nun aber erkenne ich, dass ich nur etwas erreichen kann, das auch in mir vorhanden ist, mir und meiner Persönlichkeit gemäß und zugehörig ist.

Die Sehnsucht nach einem weit entfernten und abstrakten Ideal entspringt dem Gefühl, dem Erleben von Mangel; ist demnach eine Frage der eigenen Perspektive auf mich, mein Sein und mein Leben. Wenn ich aber lerne, immer wieder aufs Neue anzuerkennen und mir zuzugestehen, dass Widersprüchlichkeiten, Ungeduld, Ambivalenz, usw. zu mir gehören, ein untrennbarer Teil meiner Persönlichkeit sind, dann wird aus der abstrakten und trügerischen Sehnsucht nach Harmonie, wirklicher Zufriedenheit, nach Seelenfrieden, ein sehr realer, konkreter und im Hier und Jetzt gründender, auf Liebe basierender Seins-Zustand

Annehmen, hinnehmen und loslassen: Dies zu verinnerlichen, schafft eine demütige innere Haltung. Dabei ist Demut keine Schwäche und kein Resignieren. Sondern es bedeutet: Gehen mit dem was ist und die eigenen Kräfte nicht auf etwas zu vergeuden, das nicht zu mir gehört. Das ist ein Lernprozess, der seine Zeit benötigt. Die ich mir geben möchte.









16. April 2019

Ordnung, Ambivalenz und Selbstliebe

Manchmal fällt es mir schwer, einfach zu genießen. Ich werde dann wie aus heiterem Himmel innerlich unruhig und fange wieder an, zu grübeln und meine Zufriedenheit selbstkritisch zu hinterfragen. 

"Ruh dich nicht auf deinen Lorbeeren aus!" Oder wahlweise auch "Wer rastet der rostet!" sind Sätze, mit denen meine Mutter mich immer wieder zur "Raison" brachte, wenn ich mich als Heranwachsender vermeintlich zu sehr der Entspannung und meinem Wohlbefinden gewidmet habe. Und ich stelle überrascht fest, dass diese Sätze noch immer so präsent und wirksam sind. In gewisser Weise verstellen sie mir von Zeit zu Zeit den Blick auf das, was ich im Innersten möchte: in Ruhe und Gelassenheit mein Leben leben.

"In Ruhe und Gelassenheit" bedeutet aber mitnichten, völlig untätig und "faul" zu sein. Im Gegenteil: Ruhig und entspannt zu leben heißt (jedenfalls für mich), zu lernen, auf meine innere Stimme zu hören, sie überhaupt wahr- und ernst zu nehmen. Es bedeutet, unterscheiden zu können, was im Moment wichtig und "dran" ist. 

Habe ich den Impuls, meine Wohnung aufzuräumen, zu putzen, Ordnung zu schaffen? Oder möchte ich viel lieber in Ruhe ein gutes Buch lesen, schreiben, oder das schöne Wetter genießen und dabei aus ganzem Herzen akzeptieren, dass ich im Moment nach "gesellschaftlichen Maßstäben" ein "fauler Hund" bin? Das sind für mich noch immer schwierige und herausfordernde Fragestellungen, bei denen die mir innewohnende Ambivalenz sehr deutlich zutage tritt und mich verunsichert.

Das Thema "Selbstliebe" ist ein weites Feld: Womit geht es mir wirklich gut? Womit bin ich tatsächlich zufrieden? Welches Umfeld benötige ich, damit ich dauerhaft im Frieden mit mir bin? Es sind genau diese Fragen, die mich immer wieder beschäftigen, wenn ich über Selbstliebe nachdenke. 

Aber genau hier heißt es achtsam zu sein. Denn ich neige nun einmal dazu, zu viel nachzudenken, zu grübeln. Ich stehe mir  damit- offensichtlich gerne - selbst im Weg. Das ist manchmal frustrierend. 

(Selbst)-Liebe sollte sich nach meinem  grundsätzlichen Verständnis nicht an Äußerlichkeiten orientieren. Nicht daran, was ich aufgrund alter Glaubenssätze und der festgefügten, wenig liebevollen Meinung ehemaliger Autoritäten einst verinnerlicht habe. Aber woran sollte sie sich orientieren? 

Meine Liebste schrieb mir heute Morgen: "Gestatte Dir das Genießen!" Ist es wirklich so einfach? Tief in mir spüre ich: Sie hat (mal wieder) Recht! Ich "muss" weder meine Wohnung aufräumen, oder etwas anders tun, solange ich mich mit dem gegenwärtigen Zustand tatsächlich wohlfühle und es mir keinen inneren Druck bereitet. Und ich bin kein "perfekter Hausmann" oder Reinlichkeitsfanatiker; möchte es auch überhaupt nicht sein! Meine Prioritäten liegen ganz woanders und absolut sicher nicht bei irgendwelchen Äußerlichkeiten.  

In meiner Kindheit und Jugend war es mir verwehrt, mich tatsächlich zu entspannen und mich einfach wohlzufühlen. Ständig war ich auf der Hut vor neuen Vorwürfen und Anschuldigungen und befand mich in permanenter innerer Alarmbereitschaft. Das war unglaublich anstrengend!

Manchmal habe ich den Eindruck, dass Überreste meines damaligen Erlebens und der inneren Anspannung bis heute nachwirken. Ich sollte (möchte) ihnen mit Milde begegnen. Mit Liebe. Mit Verzeihen und Mitgefühl. Aus ganzem Herzen so sein, wie ich bin. In der Liebe.


14. April 2019

Einfach leben. In Liebe und Dankbarkeit

Die beiden Sätze" Ich bin Liebe!" und: "Ich liebe!" begleiten mich seit einiger Zeit durch den Tag. Sie bilden das Zentrum, den Ankerpunkt meiner morgendlichen Meditation. Je intensiver und ausschließlicher ich mich dieser Qualität zuwende und öffne, sie zu meinem Seins-Zustand mache, umso verbundener, friedvoller und entspannter fühle ich mich. 

Immer greifbarer wird für mich, dass Liebe wirklich alles beinhaltet, was ich benötige, um ein erfülltes, auf das für mich Wesentliche ausgerichtete und heilsam reduzierte Leben zu führen, nach dem ich mich schon so lange gesehnt habe. Und das ich nicht führen konnte, weil ich mich, anstatt an mir, immer an anderen Menschen orientiert habe.

Durch mein "in der Liebe Sein" verändern sich auch die Begegnungen mit anderen Menschen. Das Miteinander wird leichter, unkomplizierter, entspannter und inniger. Die mir innewohnenden, von früher herstammenden Unsicherheiten im Umgang, werden weniger. Denn ich bin entspannt und mit mir im mehr im reinen.

Ich habe nicht länger das Bedürfnis, mich permanent nach außen zu orientieren und ständig neue Impulse und Anregungen zu bekommen. Weniger ist (für mich) tatsächlich mehr. Ich genieße die innere und äußere Ruhe im meinem Leben. Ich genieße es, einfach mal still zu sein und den Geräuschen der Natur zu lauschen, meine Katze zu streicheln und mich ihr mit ganzer Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ich genieße den intensiven Geschmack meines Kaffees. Ich genieße es, ganz entspannt und ohne schlechtes Gewissen ein Buch zu lesen. Oder, in buchstäblicher Seelenruhe, ein neues Projekt in Angriff zu nehmen, ohne mir damit Druck zu machen. Was entstehen will, entsteht aus dem Moment heraus und ist genau richtig.

Gestern war ich mit meiner Liebsten einkaufen. Einen Motorradhelm. Ist eigentlich so überhaupt gar nicht meine Welt. Eigentlich uninteressant. Aber: Es war richtig schön! Ich habe unsere gemeinsame Zeit aus ganzem Herzen genossen: tief entspannt, aufmerksam und voller Leichtigkeit. Und war weder ungeduldig noch gelangweilt, obwohl wir recht lange unterwegs waren und in den beiden Läden sehr viel Zeit verbracht haben. Es war ein wundervoller Tag. Vollkommen unspektakulär und dennoch perfekt. Weniger ist eben manchmal mehr.

Ich bin ganz und gar bei mir und fühle mich gleichzeitig tief und innerlich frei verbunden mit allem, was zu meinem Leben dazugehört. Das ist unfassbar schön. Und ganz einfach. Denn ich bin. Voller Dankbarkeit.







9. April 2019

"Ich bin" - in Liebe und Freiheit

In meinem letzten Text habe ich mich mit den verborgenen Intentionen meines Tuns beschäftigt; mit den verborgenen Sehnsüchten, die neben anderen "guten" Motiven, bislang die Triebfeder meines Handelns gewesen sind. Mir insbesondere auch "egoistische", aus tiefer, innerer Unsicherheit stammende Intentionen überhaupt einzugestehen, war nicht einfach und hat mich sehr viel Überwindung gekostet. Gerade deswegen war es aber auch ein  äußerst wichtiger Schritt und ein Akt der Befreiung.

Mir wird immer bewusster, das "zu sein" auch bedeutet,  ausnahmslos alles zuzulassen, mir zuzugestehen und es wertungsfrei hinzunehmen, was an Widersprüchlichkeiten und an nur vermeintlich "niederen" Motiven in mir vorhanden ist. Denn restlos alle Gründe, die "Ur-Sachen", aus denen heraus ich etwas tue, haben ihre Berechtigung.

Egoismus, Unsicherheit, Schwäche, Unreife: Diese Qualitäten mögen bei manchem  vermeintlich"spirituellen" und "entwickelten" Menschen Ablehnung hervorrufen, als quasi "unerlöste" oder "dunkle" Anteile der Individualität. Für mich hingegen wird es immer mehr zu einer wesentlichen Qualität von wahrer Freiheit und wahrer Selbstliebe, auch diese Anteile meines Selbst wahrzunehmen, hinzunehmen und anzuerkennen. 

Kürzlich schrieb ich davon, dass Liebe und Freiheit für mich untrennbar miteinander verbunden sind, ja sogar eine Einheit bilden. Wenn ich also "in der Liebe bin", dann habe ich gleichzeitig auch die Freiheit, so zu sein, wie ich bin und, mein Gegenüber ebenfalls so zu betrachten und anzunehmen, wie er oder sie ist. Diese Freiheit, die ich mir in Liebe zugestehe, gilt ohne jede Einschränkung auch für jeden anderen Menschen.

Eine solche "ent-spannte" innere Haltung wiederum befreit mich zusehends davon, mir Druck zu machen und von dem Bedürfnis, bei meinem Gegenüber zu intervenieren, mich einzumischen. 

Hierdurch gelange ich wieder zu dem zentralen Satz der Gewahrseins-Expertin Andrea Löffler: "Gehen mit dem, was ist." Nicht "dagegen" gehen, sondern "mit-gehen" und "begleiten". Mich selbst und meine Mitmenschen. Ich bin.


7. April 2019

Leben und Liebe sind Arbeit. Oder?

Warum glauben wir, dass mit Selbstliebe, oder mit Liebe überhaupt, Arbeit und Anstrengung verbunden sind, bzw. verbunden sein müssen? Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Weil wir zutiefst davon überzeugt sind und es so gelernt und verinnerlicht haben, dass wir weder uns selbst, noch anderen Menschen wirklich genug sind, überhaupt nicht sein und genügen können. Im Grunde unseres Herzens halten wir uns für unvollkommen, fehlerbehaftet, schwierig. Und das Tragische (oder Wunderbare?) daran ist: Wir sind, was wir denken!

Über Jahrzehnte habe ich mich wegen meiner Biografie, meiner Erkrankung, meiner "Missetaten" vor mir selbst und auch vor meinen Mitmenschen geschämt, mich für nicht liebenswert, für kompliziert und keinesfalls beziehungsunfähig gehalten. Und insgeheim habe ich mich bei jedem Menschen, der mir mit Zuwendung und Sympathie begegnete, gefragt: Wo ist der Haken? 

Gleichzeitig und ohne es selbst wirklich zu bemerken, hatte ich an mich und an diese Menschen so hohe Erwartungen, dass diese niemals erfüllt werden konnten. Und sämtliche Beziehungen, sowie manche Freundschaft, ist daran zerbrochen. Was mich wiederum in meinen Annahmen bestätigt hat, dass ich mit anderen Menschen schlichtweg nicht kompatibel bin.

Seit meiner Genesung, die ich mit großer Dankbarkeit als innere Befreiung erlebt habe, hat sich unglaublich viel verändert: Ich bin innerlich gereift und habe viele meiner alten Annahmen und Glaubenssätze mit Erleichterung und Freude über Bord geworfen. Bis auf einen: "Ich genüge nicht!"

Diese Annahme, oder Zuschreibung, hatte ich so sehr verinnerlicht, dass sie mich unwillkürlich und gut versteckt, bis heute begleitet hat. Verborgen hatte sie sich hinter meinen bisweilen sehnsüchtigen, fast zwanghaften Bemühungen, immerzu lernen und mich spirituell fortbilden zu wollen, bzw. hinter dem ebenso starken wie bestens versteckten Gefühl, mich stetig fortbilden zu müssen, um ein "guter Mensch" zu werden, anstatt es einfach zu sein. 

So habe ich in den letzten zwei, drei Jahren sehr viel Energie darauf verwendet, spirituell und bewusst zu leben und mir meine "guten Eigenschaften" immer wieder vor Augen zu halten und mich so meiner vermeintlich "schlechten" zu entledigen. 

Ich habe viele Artikel, Texte und Gedichte veröffentlicht, mit denen ich - neben all meinen aufrichtigen und durchweg liebevollen Intentionen - auch insgeheim sehnsüchtig nach der Bestätigung von außen gelechzt habe, dass ich ein guter, besonderer und tiefgründiger, spiritueller Autor bin. Voller Stolz und mit nur vordergründigem Selbstbewusstsein habe ich meine Erkenntnisse geteilt, mich mit-geteilt; auch, um von außen bestätigt zu bekommen, wessen ich mir in meinem Innersten überhaupt nicht sicher war: Meiner selbst.

Inzwischen hat sich etwas in mir sehr deutlich und hoffentlich ebenso nachhaltig verändert: Ich habe buchstäblich verinnerlicht, dass ich mich nicht anstrengen muss, nicht hart an mir arbeiten muss, um der Mensch zu sein, der ich sein möchte. Es reicht völlig aus, dieser Mensch einfach zu sein. Alles, was und wie ich sein möchte, ist bereits in mir vorhanden

Das Leben, die Liebe, Frei sein ist ein Seins-Zustand und weder Tätigkeit, noch schwere, mühselige Arbeit. Daran gewöhne ich mich allmählich, aber stetig. Ich bin!









6. April 2019

"Ich bin" und die Liebe

Viele Menschen stoßen sich an dem Begriff "Liebe", weil er bisweilen inflationär ge- und missbraucht wird. Ohne groß nachzudenken, sprechen wir in den unterschiedlichsten Situationen davon, dass wir etwas oder jemanden lieben. Ohne uns bewusst zu machen, was es eigentlich bedeutet.

Für mich hatte dieser Begriff schon immer etwas Geheimnisvolles und unergründlich Tiefes, Ehrfurcht-gebietendes an sich. Trotzdem habe auch ich mich schon mehrfach geirrt, wenn es um Liebe ging. Oft glaubte ich und wünschte mir, dass ich einen anderen Menschen tatsächlich liebe; nur um dann sehr bald festzustellen, dass es bestenfalls ein eher oberflächliches Begehren und mich hingezogen-Fühlen war, das mich mit diesem Menschen verband.

Kürzlich schrieb ich davon, dass ich in meinem Elternhaus keine wirkliche Liebe erfahren habe, also auch nicht wissen konnte, was es wirklich bedeutet, zu lieben oder geliebt zu werden. So waren meine Erfahrungen, die ich als Erwachsener auf diesem Gebiet gemacht habe, ein allmähliches mich Herantasten, Heranfühlen und Erfahrungen machen. Das Gleiche gilt für sämtliche bisherige Texte und Gedichte, die sich im Wesentlichen entweder an einem Gegenüber, oder in jüngster Zeit auch an meinem Verhältnis zu mir selbst, orientieren und ausrichten.

Seitdem ich mich so intensiv und ausschließlich mit diesem Thema befasse und es auf mich wirken lasse, erkenne ich ganz allmählich, dass Liebe lediglich eine Art "Oberbegriff" für die unterschiedlichsten und auch vordergründig sehr widersprüchliche Qualitäten ist. Denn neben den "gängigen" Assoziationen, wie Verbundenheit, Leidenschaft, Begehren, usw., hat die Liebe noch viel tiefere und verborgene Qualitäten in sich, die sich erst bei genauerem und sorgsamerem Hinspüren erschließen: nämlich eine vollständige innere Freiheit und Unabhängigkeit. 

Für mich bedeutet der Begriff "in der Liebe sein", der gerade in spirituellen Kreisen so gerne und häufig gebraucht und postuliert wird, im Grund genommen nichts anderes, als ohne Anstrengung, ohne jede Erwartung und Anforderung von außen oder innen, einfach "nur" zu sein.

Gerade in den letzten Wochen, als ich mich immer wieder dabei ertappt habe, dass ich so viel auf einmal sein möchte und so viele Eigenschaften, Wünsche und Erwartungen an mich und andere Menschen in mir trage, fühlte ich mich immer wieder unglaublich erschöpft und maßlos überfordert. Es war mir unmöglich, mich zu entspannen und abzuschalten. Ständig war ich im Widerstreit mit mir, habe gedanklich "Probleme" und "Sorgen" gewälzt, war angespannt und unzufrieden mit mir. Ich habe innerlich darum gerungen, frei zu sein, einfach nur ich zu sein. Ich habe mich innerlich dafür verteidigt und gerechtfertigt, Pause zu machen und "faul" zu sein. Das war unglaublich anstrengend!

Ich habe gespürt und spüre es noch immer, wie schwer es mir fällt, einfach nur zu sein, ich zu sein, und diesen Seins-Zustand nicht nur zähneknirschend zu akzeptieren, sondern ihn vollkommen entspannt und ohne jede Wertung hinzunehmen. Das Gleiche gilt, wenn es darum geht, mich mitzuteilen, ohne Resonanz oder "Lob" von außen zu erwarten, oder gar einzufordern.

Die Formulierung "Ich bin!", ohne jede weitere willkürliche oder unwillkürliche Zuschreibung von Eigenschaften und Qualitäten, entwickelt sich für mich immer mehr zur Quintessenz von Liebe. Ich muss nichts dafür tun, oder mich dafür anstrengen, mich krampfhaft bemühen, um "in der Liebe zu sein" und zu lieben. Denn Liebe ist absichts- und bedingungslos. Sie ist.



3. April 2019

Mit Liebe geschrieben

Wo sollt ich -außer bei mir selbst- beginnen
die Liebe in mir zu gewinnen
sie zu erleben zu erfahren
die Fülle in mir zu bewahren

Ich selbst bin meiner Liebe Grund
Und sie erklingt aus meinem Mund
nur dann wenn sie wirklich lebe
mich ihrer Tiefe ganz ergebe

Sie nicht erzwingen und nicht suchen
beim Nichterleben nicht zu fluchen
Stattdessen sicher sein: Sie ist
sie war wird sein- ganz ohne Frist

Ich bin erfüllt von ihr. Ich lebe
in ihrer Fülle und ich strebe
danach sie ganz und gar zu kennen
in tiefster Wahrheit zu benennen

Denn Wahrheit ist ein Teil von mir
vielleicht der Liebe höchste Zier
nach der ich mich im Herzen sehne
und meine Worte ihr entlehne

Desgleichen ist sie auch mein Sein
so strahlend hell in warmem Schein
der mich erblühen, wachsen lässt
in meiner Seele schönem Nest

So möcht ich lernen auch zu ruhen
Aus dieser Haltung das zu tuen
was nur mit Freude mich erfüllt
mein Sein mein Leben stets erhellt

Die Liebe ist es die verbindet
und alle Trennung überwindet
Sie hält mich stets in meiner Kraft
mir meinen Seelenfrieden schafft

Sie zeigt mir wer ich wirklich bin
Sie weist mir meinen Lebenssinn
Eröffnet mir verborg’ne Pforten
und stiftet Frieden allerorten

Drum widme ich mein ganzes Streben
der Liebe. Komme ihr entgegen
Entdecke sie in allem Sein
Von Nöten wird sie mich befrei‘n


1. April 2019

Mit Gefühlen arbeiten

Wenn wir über Gefühle sprechen, sie benennen, dann geschieht dies zumeist auf einer rein abstrakten, beschreibenden Ebene. Wir sagen: "Ich bin glücklich" oder: "Ich liebe dich". Während wir unsere jeweilige Gefühlslage beschreiben, ist uns das gerade präsente Gefühl zwar bewusst, aber danach auch schon wieder verschwunden und wird durch ein anderes ersetzt.

Ich beschäftige mich zur Zeit sehr intensiv mit zwei mir ganz besonders wichtigen, wenn nicht sogar DEN wichtigsten Gefühlen für mich: Liebe und Freiheit. Und je mehr ich ihnen nachspüre, umso bewusster wird mir, dass sie viel mehr sind, als bloße Gefühle: Denn sie sind zugleich auch ein Seins-Zustand, eine innere Haltung.

Über unsere innere Haltung machen wir uns in der Regel nur wenige bis gar keine Gedanken. Vielleicht nehmen wir sie gelegentlich am Rande war, wenn wir uns beispielsweise freuen oder uns ärgern. Aber was für eine Realität wir damit jeweils kreieren, ist uns meistens nicht bewusst. 

Seit ein paar Tagen beschäftige ich mich nun ganz gezielt mit dem Thema Liebe. Ich versuche herauszufinden, welche seelischen Qualitäten ich ganz persönlich damit verbinde. Dabei kristallisiert sich immer mehr heraus, dass es vor allem das Gefühl von tiefer Verbundenheit und gleichzeitig innerer Ausgeglichenheit und Frieden ist, das sich hier in mir einstellt, wenn ich der Liebe nachspüre. 

Möglicherweise werden andere Menschen es ganz anders erleben und empfinden als ich. Aber die soeben beschriebenen Qualitäten sind für mich ganz essentiell mit dem Gefühl der Freiheit, und damit dem Empfinden von innerer Weite, verbunden. Damit sind Liebe und Freiheit in meinem Erleben untrennbar miteinander verknüpft und bilden eine Einheit. Das Eine ist ohne das Andere für mich nicht denkbar. Und dass beides gleichzeitig auch ein Seins-Zustand ist, macht es für mich so besonders. 

Wenn ich sage: "Ich bin frei!" dann fühlt sich das ganz selbstverständlich an. Wenn ich die gleiche Formulierung jedoch für die Liebe verwende und sage: "Ich bin Liebe!", dann ist dies sehr ungewohnt. Warum ist das so? 

Meinem Empfinden nach sind sowohl Freiheit, als auch Liebe, jeweils bewusste Entscheidungen. Ich kann mich dazu entschließen, frei zu sein und zu lieben. Dass die Entscheidung "Ich bin Liebe" mir so schwer von der Zunge geht, mag daran liegen, dass ich mit "Liebe" noch immer unwillkürlich als erstes die Verbindung mit einem anderen Lebewesen assoziiere. Dabei ist Liebe bei genauerem Hinschauen nicht an Lebewesen gebunden. Denn ich kann genauso gut auch meine Arbeit, mein Leben, oder auch meine Wohnung lieben. Wenn ich dies tue, dann fühle ich mich (bin ich) mit diesen Aspekten emotional eng verbunden, bin vollumfänglich zufrieden und eins mit ihnen.

Seit ein paar Tagen mache ich im Rahmen meiner Meditationen regelmäßig eine Übung, um mich bewusst in den Seins-Zustand der Liebe einzufühlen, ihn zu erkunden und einfach auf mich wirken zu lassen. Meine Mantren dazu lauten: "Ich öffne mich der Liebe!" und "Ich bin Liebe!" 

Noch ist es zu früh und zu neu, als dass ich zu den Auswirkungen etwas sagen könnte. Aber ich bleibe dabei und werde berichten.