3. März 2019

Mit mir im Reinen sein können

Seit einigen Tagen verspüre ich eine starke innere Unzufriedenheit und Unruhe in mir. Ich hadere damit, dass ich in meinen vielfältigen Ideen und Wünschen in Bezug auf mein weiteres Leben keine Ordnung, keine klare Struktur und Stringenz erkennen und erlangen kann und fühle mich dem Strom meiner Gedanken und Gefühle ausgeliefert. Immer wieder werde ich darauf gestoßen, dass ich keine Geduld mit mir selbst aufbringen kann.

Diese innere Unruhe strahlt auch nach außen. Deshalb meide ich den intensiven Kontakt zu meinen Lieben, weil ich sie nicht unversehens da hineinziehen möchte und sie meinen Unfrieden spüren lassen möchte, indem ich ihn auf sie und ihr So-Sein projiziere. 

Mich nicht im direkten Kontakt mitzuteilen, ist sehr zwiespältig für mich: Denn einerseits verspüre ich den innigen Wunsch, mich zu öffnen, mich zu offenbaren; auf der Suche nach Trost und Zuspruch. Aber andererseits ist da diese große Scheu und Unsicherheit, die Angst vor Verletzung.

Immer wieder entdecke ich gleichzeitig sehr bewegende Texte, die sich mit Authentizität und sich selbst Treu sein beschäftigen. Die Quintessenz daraus ist immer die gleiche: Nämlich zu allererst zu mir selbst, zu meinem Weg stehen zu können und mich innerlich vollkommen unabhängig von anderen Menschen zu machen, von ihren Erwartungen, Meinungen und Zuschreibungen

Ist es eigentlich falsch, sich bedürftig zu fühlen? Bedürftig nach Nähe, Zuspruch und Trost von außen? Auch hier fühle ich mich hin- und hergerissen. Offenbart sich in diesem Bedürfnis vielleicht ein Mangel, eine Schwäche? Und darf ich schwach sein und Mangel empfinden? 

Innere Ruhe und Seelenfrieden empfinde ich jedes Mal, wenn ich meditiere. All die mich ansonsten so aufwühlenden Gefühle und Gedanken sind dort nicht vorhanden. Ich fühle mich  in der Meditation eins mit mir, angekommen, zuhause. Genauso ist es, wenn ich meine Tai-Chi Übungen praktiziere. 

Mein Verstand weiß genau, dass all diese widerstreitenden Empfindungen und Gedanken "normal" und menschlich sind. Und er weiß, dass all diese Qualitäten ihren Platz in mir, ihre Berechtigung haben und nichts sind, wofür ich mich schämen muss. Trotzdem schäme ich mich und tue mich sehr schwer damit, mir dies alles auch wirklich zuzugestehen und es ohne inneren Widerstand hinzunehmen. Weil es einfach zu mir, zu meinem "Ich bin" dazugehört.

Bin ich also, während ich meditiere und Tai-Chi praktiziere, auf eine andere, tiefere und "echtere" Weise mit mir in Kontakt? Und liefern sich außerhalb dieses Kontaktes mein Ego und mein Höheres Selbst ein Gefecht? Sträubt mein Ego sich zur Zeit vehement gegen die Veränderungen, die seit geraumer Zeit stattfinden? Oder bin ich einfach "nur" extrem ambivalent?

Schon mein ganzes, bewusstes Leben haben innere Ruhe, Gelassenheit und wahrer Seelenfrieden einen sehr hohen Stellenwert für mich. Und während ich diesen Qualitäten früher verzweifelt und vergeblich hinterhergejagt bin, habe ich mittlerweile doch sehr konkrete und wunderschöne Erfahrungen mit ihnen machen dürfen. 

Innerlich frei zu sein bedeutet nicht, frei von Wünschen und Bedürfnissen zu sein. Es bedeutet lediglich, frei entscheiden zu können, ob ich ihnen nachgebe oder nicht. Es bedeutet weiterhin, zu entscheiden, ob ich sie auch klar adressiere, oder ob ich sie nur in mir bewege, weil ich mich nicht getraue, sie zu äußern. Auch endet meine Freiheit dort, wo sie die Freiheit eines anderen Menschen einzuschränken, zu beschneiden droht

Innere Unabhängigkeit zu erlangen, ist ein erster Schritt hin zu dieser Freiheit. Dazu gehört auch, mir all meine Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse nicht zu versagen und damit in Widerstand zu ihnen zu gehen. Oder auch, es einfach mal "gut sein" zu lassen und zu entspannen, ohne meinen Gedanken und Gefühlen besondere Aufmerksamkeit und Wichtigkeit zu verleihen. Sie einfach sein lassen, mich einfach sein lassen. So wie jetzt.





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