5. März 2019

Geduldig sein - Eine große Herausforderung

Die Unruhe und die inneren Kämpfe der letzten Tage haben mir Eines ganz deutlich werden lassen: Es mangelt mir an Geduld. Sowohl mit anderen Menschen als auch mit mir selbst.

Ich werde ungeduldig, wenn mir etwas nicht auf Anhieb gelingen will, oder, wenn ein Projekt nicht so läuft, wie ich es mir erhofft habe. Auch mein starkes Bedürfnis nach unmittelbarer, direkter und klarer Kommunikation ist in seiner Substanz von großer innerer Unruhe geprägt.

Geduldig zu sein, bedeutet übrigens nicht, sämtliche Situationen, Begegnungen und Ereignisse kommentarlos und untätig hinzunehmen. Ich darf selbstverständlich Ärger verspüren und meinen Bedürfnissen deutlich Ausdruck verleihen. Aber Ungeduld verursacht innere Anspannung, die ich selbstverständlich auch meinem Gegenüber vermittle und die bei ihm zu entsprechenden Reaktionen führen kann. 

Hier kommt eine weitere, mit der Geduld eng verwandte und verbundene Qualität ins Spiel: Gelassenheit. Mit ihrer Hilfe lasse ich die Situation sich entfalten, lasse ich ihr Raum, sich so zu entwickeln, wie es richtig ist. Ich vertraue somit darauf, dass alles sich in der jeweils angemessenen Weise und im für mich richtigen Zeitrahmen zum Guten wendet. Ich entspanne mich in die Situation hinein. Oder, wie die Gestalttherapeutin und Gewahrseins-Expertin Andrea Löffler es immer wieder beschreibt: Ich gehe mit dem, was gerade ist.

Geduld, Gelassenheit und Vertrauen: Diese drei Qualitäten als innere Haltung aus tiefster, ureigener Überzeugung zu entdecken und zu verinnerlichen, sind unerlässlich sowohl für jede Form von innerer Entwicklung, als auch für jedes erwünschte Geschehen oder Ereignis im Leben.

Dass es mir so schwer fällt, gerade hiermit umzugehen, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass meine innere Entwicklung für mein Empfinden über so viele Jahre stagniert hat und ich zeitweilig das Gefühl hatte, ich mache Rück- statt Fortschritte. Seitdem ich genesen bin, habe ich den überaus starken Impuls, im Leben voranzukommen. Ich möchte Resultate erzielen, Fortschritte machen, Erfolg haben.

Mit Ungeduld erziele ich an dieser Stelle jedoch bestenfalls kurzfristige, nicht nachhaltige Ergebnisse, für die ich zudem unter Umständen einen hohen Preis zu zahlen habe: den Verlust meines inneren Gleichgewichts, meines Wohlbefindens. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich mir spitze Ohren wachsen lasse und zum Vulkanier werde, der alles vollkommen emotionslos und innerlich unbeteiligt geschehen lässt.

Womöglich ist Ungeduld in der richtigen Dosis sogar die richtige Triebfeder, um Bewegung ins Leben zu bringen und um Entwicklung überhaupt anzustoßen. Es kommt also auch hier auf die Balance an: Geduld und Ungeduld gegeneinander abzuwägen; jeweils passgenau auf die jeweilige Situation. 

Dies jeweils abspüren zu können erfordert wiederum vor allem Eines: Geduld.

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