25. November 2018

Gesundheit- ein Geschenk und eine Frage der inneren Balance

Die meisten Menschen halten ihre Gesundheit für etwas Selbstverständliches, solange sie gesund sind. Und erst, wenn diese Selbstverständlichkeit durch eine schwere Erkrankung grundsätzlich in Frage gestellt wird, wird ihnen klar, was sie verloren haben.

Chronisch erkrankte Menschen hingegen wissen in vielen Fällen nicht einmal, was es bedeutet, gesund zu sein. Vielleicht sehnen sie sich nach diesem Zustand, von dem sie aber vermutlich nicht einmal genau wissen, wie genau er sich überhaupt anfühlt. 
Meine psychische Erkrankung begann nicht mit einem Mal, sondern sie schlich sich schon während meiner Jugendzeit unmerklich in mein Leben. Und aus meiner nur vordergründigen, frühkindlichen Unbeschwertheit und Sorglosigkeit wurde im Lauf der Jahre zunächst unmerklich ein von Ängsten, ständigem Scheitern und Depressionen geprägtes Leben. Irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt und betrachtete meinen Seins-Zustand als auf erschreckende Weise "normal". Ich wusste nicht, was es bedeuten kann, wirklich gesund zu sein.

Wenn ich mit meinem heutigen Verständnis auf diese Zeit zurückblicke, dann kommt es mir so vor, als ob ich in den zahlreichen Klinikaufenthalten und Psychotherapien einzelne und gänzlich unsortierte Puzzleteilchen mit auf den Weg bekommen habe, die ich über die Jahrzehnte in mühseliger Kleinarbeit erst einmal für mich zusammensetzen musste. Dieser Prozess war von unzähligen Fehlschlägen und Rückschritten geprägt, die mich immer wieder verzweifeln und resignieren ließen. Aber wie hätte es auch anders sein sollen? Denn was Gesundheit bedeutet, wusste ich damals nicht. Immer dann, wenn ich glaubte, diesen Begriff für mich fassen zu können, musste ich feststellen, dass noch immer einige Puzzleteilchen fehlten.

Seit etwas über einem Jahr darf ich mich nun als nahezu vollkommen gesund betrachten. "Nur" nahezu deswegen, weil vollkommene Gesundheit für mich inzwischen kein statischer und fest definierbarer Zustand mehr ist. Außerdem war meine allmähliche Genesung ein zunächst ebenso unmerklicher Prozess, wie mein Erkranken. Denn von der allerersten, plötzlichen und erstaunlichen Erkenntnis von "ich bin gesund!" im Sommer des letzten Jahres, bis hin zum unverbrüchlichen Entschluss, gesund sein und bleiben zu wollen und dafür auch aktiv etwas zu tun, dauerte es noch eine ganze Weile. 

Stück für Stück erkannte ich nämlich, dass wirkliche Gesundheit eine Frage der inneren Balance zwischen Körper und Seele ist, die immer wieder aufs Neue hinterfragt und austariert werden will. Damit wird es (zumindest für mich) letztendlich zu einer Frage des eigenen Bewusstseins, das es zu ergründen und zu schulen gilt. Es geht darum, ganz individuell für sich herauszufinden, was der eigenen Gesundheit, der inneren Balance dienlich ist. 

Ein für mich ganz wesentlicher Bestandteil dieser inneren Balance ist es, mit mir und meiner selbstgewählten Umwelt in Frieden zu leben und, mir sowohl meine innere, als auch meine äußere Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren. Dass ich damit womöglich andere Menschen befremde oder gar vor den Kopf stoße, ist ein Preis, den dafür zu zahlen ich allzu gerne bereit bin. 

Nicht umsonst heißt es in der Bibel: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Nur dann, wenn es mir gelingt, mich, so wie ich bin und sein möchte, vollständig anzunehmen und in einem nächsten Schritt auch zu lieben, kann ich diese Liebe auch an andere Menschen weitergeben und bin gleichermaßen offen für das, was sie mir entgegenbringen.

Und noch etwas gewinnt immer mehr an Bedeutung für mich: nämlich mich und meine Fähigkeiten, Möglichkeiten, Wünsche und Träume nicht nur immer besser kennenzulernen, sondern sie allesamt auch mit Leben zu füllen und nach Außen zu tragen. Mich mit-teilen bedeutet, das, was mich ausmacht, anderen Menschen ausgewogen und wohl überlegt anzubieten, verbunden mit dem Wunsch und auch der Hoffnung, dass sie, so wie ich selbst, davon profitieren können. 

Meine Gesundheit und mein jetziges Leben betrachte ich als großes und einmaliges Geschenk, das ich voller Freude mit anderen Menschen teilen möchte. Denn nicht umsonst heißt es: "Geteilte Freude ist doppelte Freude!"




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