30. November 2018

Authentizität und Miteinander - Ein Widerspruch?

Meine Authentizität habe ich mir hart erarbeitet. Denn um überhaupt authentisch sein zu können, musste ich zunächst einmal lernen, wer ich eigentlich bin, was mich ausmacht und was meine innersten Überzeugungen sind. Dieses so allmählich entstandene Bild von mir selbst dann in einem nächsten Schritt auch mit Mut  nach Außen zu tragen, war und ist gelegentlich noch immer eine Herausforderung für mich.

Nach meiner Erfahrung stechen authentische Menschen durch ihre Unangepasstheit hervor. Denn sie vertreten ihre Wertmaßstäbe, ihre Überzeugungen und ihre individuelle Lebensart auch gegen den "Mainstream" gesellschaftlicher Normen und weitverbreiteter Meinungen. Sie nehmen dabei in Kauf, zu polarisieren, gelegentlich anzuecken und sie legen keinen Wert darauf, von jedem Menschen um jeden Preis gemocht und verstanden zu werden. Es bedarf also einer gehörigen Portion von Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, authentisch sein zu können. 

Nur authentisch zu sein, ist kein Selbstzweck. Es geht vielmehr darum, die eigenen, langsam und gründlich gereiften Überzeugungen, um seiner selbst und der eigenen Zufriedenheit Willen zu leben. Denn passe ich mich den Meinungen und Überzeugungen anderer Menschen an, dann lebe ich fremd- und nicht selbstbestimmt. 

Mein Leben war über Jahrzehnte fremdbestimmt: von psychiatrischen Diagnosen, Betreuern, Therapeuten und einer äußerst dominanten Mutter, die in mir eine Projektionsfläche ihrer geheimsten Wünsche und Sehnsüchte sah. 

Ich war ein Spielball, ohne eigene Überzeugungen und Wertmaßstäbe und ohne ein wirkliches und erfülltes Leben. Ich mühte mich ab, es anderen Menschen Recht zu machen, Erwartungen zu erfüllen, indem ich meine Bedürfnisse und Gefühle immer wieder zurückschraubte, bis ich sie gar nicht mehr wahrnehmen konnte.

Spätestens seit meiner Genesung im vergangenen Jahr hat sich das Blatt gewendet: Ich lerne immer besser, was mich zufrieden macht, was ich benötige, damit mein Leben wirklich immer mehr zu meinem Leben wird. Dazu gehört auch, dass ich meine Wünsche und Bedürfnisse immer deutlicher an andere Menschen adressiere; auch wenn das bedeutet, dass sie gekränkt oder irritiert sind. Dass sie es sind, liegt nicht in meiner Verantwortung. Denn schließlich sind es ihre Persönlichkeiten und Überzeugungen, die ihre Art zu reagieren bestimmen. Und ich bin kein Hellseher, der in jeder Situation vorausahnen kann, was meine Handlungsweise bei einem anderen Menschen möglicherweise hervorruft. 

Dass mein Handeln jeweils Konsequenzen in jeder möglichen Richtung nach sich zieht, ist mir bewusst. Ebenso, dass ich allein für mein Handeln die Verantwortung trage. Aber ich trage ebenfalls die Verantwortung für mein persönliches Wohlergehen, für meine innere Balance. Und hier gilt es jedes Mal abzuwägen, was wichtiger ist. 

Diese Haltung mag auf den ersten Blick wie Egoismus aussehen. Aber ich glaube, dass eine möglicherweise erstrebenswerte Selbstlosigkeit im Umgang mit anderen Menschen nicht bedeutet, sich selbst aufzugeben und immer zurückzunehmen. Im Gegenteil: Ohne ein gesundes und austariertes Selbstbewusstsein, ist ein ebenbürtiges und respektvolles Miteinander überhaupt nicht möglich. 

Demzufolge liegt es in der Verantwortung beider Seiten, eine Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen und Erwartungen und denen des jeweils anderen, im Miteinander zu erarbeiten. Und hier schließt sich für mich der Kreis: Eine solche Ausgewogenheit ist nur zwischen authentischen und selbstbewussten, reflektierten Menschen möglich. Zwischen Menschen, die sich selbst genügend wertschätzen, um Wertschätzung für einen anderen Menschen überhaupt empfinden und leben zu können. 

Die Balance zwischen sich und einem Gegenüber überhaupt zu finden und auch zu halten, ist nicht immer leicht. Aber es ist nach meinem Dafürhalten überaus lohnenswert, solange dabei nicht in Vergessenheit gerät, dass auch im Miteinander die eigene Freiheit in Gestalt von Authentizität an vorderster Stelle steht.


29. November 2018

Beobachtung

In der Stille der Meditation
entspannt und aufmerksam zugleich
wahrnehmen und bedingungslos akzeptieren
alles was ist und sein möchte

Nichts verdrängen
sondern zulassen
dabei nicht werten
nur beobachten

Und manchmal entsteht
auf diese Weise
ein weiter lichter und friedvoller Raum
im Inneren
verbunden mit der Erkenntnis
dass Sein und Handeln
Eines sind


28. November 2018

Reflektionen

Herzensbeziehungen und wahre Freundschaft
lassen sich nicht
nach ihrer zeitlichen Dauer bemessen
und auch nicht daran
wie lange man
einander kennt

Ihre Konsistenz 
ihre Aufrichtigkeit
ihre Stärke
zeigen sich vor allem
in schwierigen Momenten
in aufrichtig geteilter Freude
und in dem Bemühen
um wirkliches tiefes Verstehen und Verzeihen

Gemeinsame Glücksmomente
sind die Nahrung
von denen sie im Alltag zehren können
Aber erst dort zeigt sich
wie tief ihre Wurzeln tatsächlich reichen

Jeder hat wohl 
seine eigene Definition davon
was ihm Freundschaft 
und Herzensbeziehungen bedeuten
welchen Wert er ihnen beimisst

Mir sind sie Geschenk
unendliche Bereicherung
und Ansporn
zu Wachstum und Entwicklung
Und manches Mal auch Spiegel
meiner eigenen Unzulänglichkeiten
denen ich dankbar begegne







25. November 2018

Gesundheit- ein Geschenk und eine Frage der inneren Balance

Die meisten Menschen halten ihre Gesundheit für etwas Selbstverständliches, solange sie gesund sind. Und erst, wenn diese Selbstverständlichkeit durch eine schwere Erkrankung grundsätzlich in Frage gestellt wird, wird ihnen klar, was sie verloren haben.

Chronisch erkrankte Menschen hingegen wissen in vielen Fällen nicht einmal, was es bedeutet, gesund zu sein. Vielleicht sehnen sie sich nach diesem Zustand, von dem sie aber vermutlich nicht einmal genau wissen, wie genau er sich überhaupt anfühlt. 
Meine psychische Erkrankung begann nicht mit einem Mal, sondern sie schlich sich schon während meiner Jugendzeit unmerklich in mein Leben. Und aus meiner nur vordergründigen, frühkindlichen Unbeschwertheit und Sorglosigkeit wurde im Lauf der Jahre zunächst unmerklich ein von Ängsten, ständigem Scheitern und Depressionen geprägtes Leben. Irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt und betrachtete meinen Seins-Zustand als auf erschreckende Weise "normal". Ich wusste nicht, was es bedeuten kann, wirklich gesund zu sein.

Wenn ich mit meinem heutigen Verständnis auf diese Zeit zurückblicke, dann kommt es mir so vor, als ob ich in den zahlreichen Klinikaufenthalten und Psychotherapien einzelne und gänzlich unsortierte Puzzleteilchen mit auf den Weg bekommen habe, die ich über die Jahrzehnte in mühseliger Kleinarbeit erst einmal für mich zusammensetzen musste. Dieser Prozess war von unzähligen Fehlschlägen und Rückschritten geprägt, die mich immer wieder verzweifeln und resignieren ließen. Aber wie hätte es auch anders sein sollen? Denn was Gesundheit bedeutet, wusste ich damals nicht. Immer dann, wenn ich glaubte, diesen Begriff für mich fassen zu können, musste ich feststellen, dass noch immer einige Puzzleteilchen fehlten.

Seit etwas über einem Jahr darf ich mich nun als nahezu vollkommen gesund betrachten. "Nur" nahezu deswegen, weil vollkommene Gesundheit für mich inzwischen kein statischer und fest definierbarer Zustand mehr ist. Außerdem war meine allmähliche Genesung ein zunächst ebenso unmerklicher Prozess, wie mein Erkranken. Denn von der allerersten, plötzlichen und erstaunlichen Erkenntnis von "ich bin gesund!" im Sommer des letzten Jahres, bis hin zum unverbrüchlichen Entschluss, gesund sein und bleiben zu wollen und dafür auch aktiv etwas zu tun, dauerte es noch eine ganze Weile. 

Stück für Stück erkannte ich nämlich, dass wirkliche Gesundheit eine Frage der inneren Balance zwischen Körper und Seele ist, die immer wieder aufs Neue hinterfragt und austariert werden will. Damit wird es (zumindest für mich) letztendlich zu einer Frage des eigenen Bewusstseins, das es zu ergründen und zu schulen gilt. Es geht darum, ganz individuell für sich herauszufinden, was der eigenen Gesundheit, der inneren Balance dienlich ist. 

Ein für mich ganz wesentlicher Bestandteil dieser inneren Balance ist es, mit mir und meiner selbstgewählten Umwelt in Frieden zu leben und, mir sowohl meine innere, als auch meine äußere Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren. Dass ich damit womöglich andere Menschen befremde oder gar vor den Kopf stoße, ist ein Preis, den dafür zu zahlen ich allzu gerne bereit bin. 

Nicht umsonst heißt es in der Bibel: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Nur dann, wenn es mir gelingt, mich, so wie ich bin und sein möchte, vollständig anzunehmen und in einem nächsten Schritt auch zu lieben, kann ich diese Liebe auch an andere Menschen weitergeben und bin gleichermaßen offen für das, was sie mir entgegenbringen.

Und noch etwas gewinnt immer mehr an Bedeutung für mich: nämlich mich und meine Fähigkeiten, Möglichkeiten, Wünsche und Träume nicht nur immer besser kennenzulernen, sondern sie allesamt auch mit Leben zu füllen und nach Außen zu tragen. Mich mit-teilen bedeutet, das, was mich ausmacht, anderen Menschen ausgewogen und wohl überlegt anzubieten, verbunden mit dem Wunsch und auch der Hoffnung, dass sie, so wie ich selbst, davon profitieren können. 

Meine Gesundheit und mein jetziges Leben betrachte ich als großes und einmaliges Geschenk, das ich voller Freude mit anderen Menschen teilen möchte. Denn nicht umsonst heißt es: "Geteilte Freude ist doppelte Freude!"




19. November 2018

Eine Frage der Perspektive

Mir ist das Verbindende das Gemeinsame
wichtiger
als das Trennende
und abweichende Überzeugungen

Denn sie sind lediglich 
EIN Aspekt der Persönlichkeit
unter vielen
und charakterisieren einen Menschen
nur unzureichend

Wenn aber dem Trennenden 
große Bedeutung beigemessen wird
und ausschließlich den Blick
auf das Gegenüber bestimmt
kann ich diesem Menschen niemals gerecht werden

Es ist mein Bestreben
die mir nahestehenden Menschen
möglichst vollständig zu erfassen und zu verstehen
und sie in ihrer Unterschiedlichkeit
zu respektieren und anzunehmen

Nicht das Trennende ist von Bedeutung
sondern das was uns eint
Denn vielleicht haben wir 
gemeinsame Ideale
denen wir nur auf verschiedenen Wegen
entgegenstreben

Und können auf diese Weise sogar
voneinander lernen






16. November 2018

Bewusst leben

Immer mehr bei mir anzukommen
mich in all meinen Facetten
den Stärken den Herausforderungen
meinem So-Sein zu erkennen
und anzunehmen

Zu erkennen dass Alles einen Sinn ergibt
sich allmählich zusammenfügt
zu einem Ganzen
dass die Vergangenheit
die Gegenwart
und meine Zukunft
in mir zusammenfließen
in nur einem Moment

Dankbar dafür sein zu können
dass alles im Wandel begriffen ist
dass Entwicklung Wachstum bedeutet
und immer frei-willig ist

Zu erleben dass alles 
immer zur rechten Zeit
in Verbindung mit den richtigen Menschen geschieht
und die Quintessenz Liebe ist

Das alles schenkt mir Frieden
der immer stärker in mir wurzelt
und mir die Kraft verleiht
bewusst zu leben


14. November 2018

Inneres Wachstum und tiefe Einsichten

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, mir beim Veröffentlichen von Texten etwas mehr Zurückhaltung aufzuerlegen. Denn schließlich möchte ich meine werte Leserschaft nicht mit meinen Gedanken und Ideen überfluten. Aber zur Zeit geschieht in meinem Leben so viel an Entwicklung und ich gewinne für mich so viele tiefere Einsichten, dass ich wiederum ein Ventil benötige, um damit fertig zu werden und es für mich zu ordnen. Außerdem liegt es ja in der Freiheit eines Jeden, meine Texte wahrzunehmen und sich damit zu beschäftigen, oder für sich zu entscheiden, dies im Moment nicht zu tun, weil es ihm/ihr "zu viel" ist. So viel zur Einleitung.

Kennt ihr den Begriff "tiefe Einsichten"? Bis vor kurzem war mir dieser Begriff gänzlich unbekannt. Erst im Rahmen der Meditationschallenge des Psychologen und Meditationslehrers Andrej Uhrich bin ich das erste Mal damit in Berührung gekommen und war ausgesprochen neugierig darauf zu erfahren, was sich dahinter verbirgt.

Andrej beschreibt diesen Begriff als eine neue Qualität der Selbsterkenntnis, der durch regelmäßige Meditation, Selbstreflexion und achtsamen Umgang mit sich selbst, erlangt werden kann. Trotz dieser sprachlich so präzisen Definition blieb diese Erklärung bis gestern ein Abstraktum für mich. 

Schon seit Beginn der Challenge habe ich mich mit mir und mit anderen Menschen zunehmend unwohl und bisweilen sogar überfordert gefühlt, ohne erkennen zu können, warum das so ist. Ich war launisch, ungeduldig, fühlte mich ängstlich und verletzlich. In meinem Inneren fühlte ich mich eng und bedrückt. Situationen, denen ich ansonsten mit Gelassenheit und Verständnis begegnen konnte, überforderten mich komplett. Es fühlte sich fast an wie in früheren Zeiten, als ich keinerlei Kontrolle über meine Gefühle hatte. Und das, obwohl ich in den letzten Monaten sehr viel über meine Gefühle und mein Denken gelernt und mich dadurch deutlich wahrnehmbar weiterentwickelt habe. Mit einem Satz: Ich bin an mir verzweifelt!

Gestern dann geschah etwas Wunderbares: In den Tagen zuvor hatte ich mich sehr intensiv in der Meditation mit dem Begriff der Akzeptanz, dem nicht wertenden Beobachten dessen, was gerade geschieht, übend beschäftigt. Passend dazu hatte Andrej in einem Coaching-Video von "der einen Sekunde" gesprochen, in der wir kurz innehalten können, um bewusst zu entscheiden, wie wir auf einen Reiz von Außen (beispielsweise in einem Gespräch) reagieren wollen: Möchte ich mich darüber ärgern, oder darüber hinweggehen, oder vielleicht mit Humor darauf reagieren?

Bei diesen Impulsen von Andrej hatte ich sofort ein ganz besonders starkes Empfinden dazu, das heißt, ich begriff diese Ideen nicht nur mit meinem Verstand, sondern fühlte ihre hilfreiche Qualität und konnte sie unmittelbar umsetzen und für mich nutzen.

Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, was genau passiert ist. Aber es fühlte und fühlt sich noch immer so an, als hätten diese Impulse unmittelbar Wurzeln in mir geschlagen und seien nun ein Teil von mir, mit dem ich jederzeit und mühelos arbeiten kann.

Seitdem fühle ich mich wie befreit. Ich bin nun wieder innerlich weit, glücklich, leicht und voller Lebensfreude. Und ich bin sowohl mit mir, als auch mit meinen Lieben wieder im Gleichgewicht. 

Es war wohl eine "tiefe Einsicht", die mir zuteil wurde und die mir auf meinem weiteren Weg des inneren Wachstums unglaublich viel weiterhilft.






12. November 2018

Meditation - Sein und Handeln

Vor kurzem schrieb ich darüber, wie wichtig es mir inzwischen ist, das Meditieren von unnötigem Ballast zu befreien und es auf die für mich wesentlichen Inhalte zu reduzieren oder auch zu komprimieren: 

  • Völlige Akzeptanz und die wertungsfreie, genaue Beobachtung dessen, was während der Meditation geschieht.
  • Die Aufmerksamkeit immer wieder sanft auf den gewählten Fokus (Körperwahrnehmung, Atmung, Gefühle, Gedanken, usw) zurückführen, wenn ich abgelenkt werde.
  • Das Gleichgewicht zwischen Entspannung und Aufmerksamkeit immer wieder neu suchen. Denn bereits das ist der meditative Zustand, den es zu üben gilt.
Ich glaube immer mehr, dass es in der Meditation darum geht, das eigene Bewusstsein kennenzulernen und zu erforschen. Und dabei der Frage, was Bewusstsein eigentlich ist, immer ein Stück näher zu kommen, ohne sie endgültig klären zu können.

Sehr spannend finde ich dabei die Erkenntnis, dass in der Meditation zwei Qualitäten zusammenkommen: Sein und Handeln. Denn ich befinde mich ja während des Meditierens in einem Zustand: dem meditativen Zustand. Doch gleichzeitig bin ich auch aktiv, indem ich meditiere und damit eine Tätigkeit ausübe.

Es gibt immer wieder Momente während der Meditation, wo für einen ganz kurzen Moment keine Gedanken existieren. Für mich ist das ein Zustand von reinem Bewusstsein. Ich spüre dann weder Glück, noch Unruhe oder irgendeine andere Regung. Ich bin einfach in diesem Moment. 

Es gibt Menschen, für die die permanente Erlangung dieses Zustands ihr Lebensziel darstellt. Für mich ist das nicht so. Denn ungeachtet der nachträglich empfundenen Freude über dieses besondere Erlebnis, lebe ich dennoch im Hier und Jetzt und sehe mich einer Fülle von Herausforderungen im Leben gegenüber, die ich weder ignorieren will, noch kann.

Ich möchte weiter lernen, mich weiterentwickeln, neue Erfahrungen sammeln. Und das wird nur funktionieren, indem ich aktiv bin, mich konfrontiere und dabei auch gelegentlich scheitere. Und wenn es mir dann noch gelingt, die in der Meditation ständig weiter eingeübten Qualitäten Akzeptanz und wertungsfreie Beobachtung immer besser in meinen Alltag zu integrieren, die Balance zwischen Entspannung und Aufmerksamkeit aus der Meditation mitzunehmen, dann ist alles gut. 

11. November 2018

Von Annahmen und Schuldgefühlen

Ich verfüge über ein sehr stark ausgeprägtes Gefühlsleben und erlebe meine Emotionen ungefiltert und sehr intensiv und unmittelbar. Das macht es mir sehr schwer, in emotional sehr bewegenden Momenten einen klaren Kopf zu bewahren und mich von Annahmen darüber, was diese Situation wirklich bedeutet, frei zu machen. 

Es sind diese Annahmen, die uns Menschen dazu bringen, auf eine bestimmte Weise zu reagieren. Sie speisen sich aus unseren Erfahrungen und früheren Erlebnissen. Und gerade bei traurigen und belastenden Erfahrungen neigen wir dazu, diese in uns "abzuspeichern". Geraten wir dann später in eine ähnliche Situation, erwarten wir unwillkürlich, dass sie sich unabänderlich auf genau die gleiche Weise entwickeln wird, wie wir es schon früher erlebt und erfahren haben. Dementsprechend sind dann auch unsere Gefühle und Gedanken und damit auch unsere jeweilige Handlungsweise. 

Die Leser von "Grenzgänger" wissen, dass meine Mutter mich gerne durch tagelanges, eisiges Schweigen für vermeintliche Missetaten bestrafte. Dieses Schweigen war die Hölle für mich und ich fühlte mich als Gefangener meines schlechten Gewissens. 

Diese traumatischen Erfahrungen hatten zur Folge, dass ich länger andauerndes Schweigen im Miteinander noch heute als unangenehm empfinde. Selbst dann, wenn es nicht aus einer Auseinandersetzung heraus entsteht, sondern lediglich eine harmlose Denkpause darstellt. Ich fühle mich dann verunsichert und empfinde unwillkürlich Schuldgefühle, Angst und Enge, wenn auch bei weitem nicht mehr so intensiv und bedrohlich wie damals. Es ist also eine Annahme von mir, dass  Schweigen grundsätzlich eine Strafe, eine Bedrohung darstellt.

Für mich ist es ein hartes Stück Arbeit, mich von diesen negativen und belastenden Annahmen zu lösen und jede Situation ergebnisoffen und unvoreingenommen zu betrachten und auch aufzunehmen. Ich erlebe es als Mangel von (Selbst)-Vertrauen und (Selbst)-Sicherheit, der diese negativen Annahmen verstärkt und noch immer am Leben erhält. 

Allerdings darf ich durch solche Situationen auch lernen, sowohl mir, als auch meinem Gegenüber zu vertrauen, indem ich immer  öfter die Erfahrung mache, dass es eben nicht um Strafe oder Böswilligkeit geht, beziehungsweise nicht ich automatisch der Auslöser des Schweigens bin. Nicht alles bezieht sich auf mich oder mein Verhalten, sondern hat viel öfter seine Ursachen in meinem Gegenüber, wie zum Beispiel Müdigkeit oder Erschöpfung. 

Es geht also darum zu lernen, bestimmte Reaktionen und Situationen, an denen ich zwar beteiligt bin, als von mir unabhängig zu betrachten. Denn schließlich bin ich nicht das Zentrum des Universums. 





10. November 2018

Auffassungen

Jeder Mensch hat seine ureigene Auffassung davon
was ihm Liebe bedeutet
und auf welche Weise
in welcher Qualität sie
seinen Umgang mit sich und anderen bestimmt

Manche sagen
Gegensätze ziehen sich an
andere wieder 
Gleich und Gleich gesellt sich gern
und wieder andere
Was sich liebt das neckt sich

Für mich ist es eine Mischung aus Allem
in tiefster und nahester Verbundenheit
und im Anerkennen der jeweiligen Unterschiede
die weder gut noch schlecht sind
einfach weil sie sind

Ich erkenne Liebe immer mehr
als einen Weg der Selbsterkenntnis
die sich von Zeit zu Zeit
an den Grenzen 
dem Anderssein des Anderen stößt

Ich erkenne sie in ihrer Widersprüchlichkeit
und dem gemeinsamen Bemühen
diese Widersprüche aufzulösen
und im zuerst 
die eigenen Wunden heilen
um den Anderen nicht zu verletzen

Ich erkenne sie in dem Bestreben
nach innerem Frieden und nach Harmonie
die ich mir und meinem Gegenüber
gleichermaßen aus ganzem Herzen wünsche

Liebe ist kein fester unveränderlicher Zustand
sondern sie ist 
ständig in Bewegung
vereint Schmerz und Freude
Gelassenheit und Unbändiges
Gemeinsames und Einzelnes

Und sie ist das Schönste
das mir je widerfahren ist






7. November 2018

Betrachtungen zur Meditation

Seit über einem halben Jahr meditiere ich regelmäßig. Inzwischen sogar zweimal am Tag. Und auch hier im Blog schreibe ich immer wieder über dieses Thema. Dass ich dies tue, hat einen guten Grund: Denn Meditation ist für mich ein sehr essentieller Baustein für meine seelische Gesundheit und für mein inneres Wachstum, für meine geistige Entwicklung.

Warum ist das so? Ich mache jeden Tag die Erfahrung, dass keine Meditation der anderen gleicht. Jedes Mal fühlt es sich anders an. Mal bin ich sehr entspannt und fokussiert dabei. Beim nächsten Mal fällt es mir schwer, mich wirklich darauf einzulassen und ich bin innerlich angespannt und unruhig. Trotzdem lasse ich es dann nicht bleiben. Sondern ich übe mich darin, jede Stimmung, jede unterschiedliche Qualität während der Meditation einfach zu akzeptieren, ohne sie zu werten und ohne mich dabei positiv oder negativ zu beurteilen. 

Diese Akzeptanz des Hier und Jetzt zu üben, bewirkt, dass ich auch lerne, mich selbst mit all meinen Stärken und Defiziten immer besser zu akzeptieren, also wertungsfrei anzunehmen, ohne das Bestreben zu haben, daran etwas zwanghaft ändern zu müssen. 

Ein nächster Schritt ist dann immer, genauer hinzuschauen, was gerade in diesem Moment in mir und mit mir passiert. Woher kommt die innere Unruhe, oder, warum mache ich mir gerade Sorgen? Wo fühle ich die Unruhe

Auf diese Weise mache ich weitere Lernschritte, indem ich ebenso wertungsfrei zu beobachten lerne, mich also in Aufmerksamkeit und Achtsamkeit übe. 

Dieses mich Üben verhilft mir in meinem Alltag dazu, nach und nach sämtliche Situationen, Erfahrungen und Erlebnisse mit einer immer größer werdenden inneren Ruhe zu betrachten und mit ihnen umzugehen. Die Dinge werfen mich einfach nicht mehr komplett aus der Bahn. Und ich bekomme allmählich einen viel klareren Blick auf mich und meine Umgebung.

Es sind ungemein spannende Erfahrungen, die ich so täglich sammle. Ich lerne mich in meinem eigentlichen Wesen immer besser kennen und verstehen. Es ist also eine ganz neue Stufe von Selbst-Bewusstsein, die ich so täglich erfahren und erleben darf.