Mittwoch, 14. November 2018

Inneres Wachstum und tiefe Einsichten

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, mir beim Veröffentlichen von Texten etwas mehr Zurückhaltung aufzuerlegen. Denn schließlich möchte ich meine werte Leserschaft nicht mit meinen Gedanken und Ideen überfluten. Aber zur Zeit geschieht in meinem Leben so viel an Entwicklung und ich gewinne für mich so viele tiefere Einsichten, dass ich wiederum ein Ventil benötige, um damit fertig zu werden und es für mich zu ordnen. Außerdem liegt es ja in der Freiheit eines Jeden, meine Texte wahrzunehmen und sich damit zu beschäftigen, oder für sich zu entscheiden, dies im Moment nicht zu tun, weil es ihm/ihr "zu viel" ist. So viel zur Einleitung.

Kennt ihr den Begriff "tiefe Einsichten"? Bis vor kurzem war mir dieser Begriff gänzlich unbekannt. Erst im Rahmen der Meditationschallenge des Psychologen und Meditationslehrers Andrej Uhrich bin ich das erste Mal damit in Berührung gekommen und war ausgesprochen neugierig darauf zu erfahren, was sich dahinter verbirgt.

Andrej beschreibt diesen Begriff als eine neue Qualität der Selbsterkenntnis, der durch regelmäßige Meditation, Selbstreflexion und achtsamen Umgang mit sich selbst, erlangt werden kann. Trotz dieser sprachlich so präzisen Definition blieb diese Erklärung bis gestern ein Abstraktum für mich. 

Schon seit Beginn der Challenge habe ich mich mit mir und mit anderen Menschen zunehmend unwohl und bisweilen sogar überfordert gefühlt, ohne erkennen zu können, warum das so ist. Ich war launisch, ungeduldig, fühlte mich ängstlich und verletzlich. In meinem Inneren fühlte ich mich eng und bedrückt. Situationen, denen ich ansonsten mit Gelassenheit und Verständnis begegnen konnte, überforderten mich komplett. Es fühlte sich fast an wie in früheren Zeiten, als ich keinerlei Kontrolle über meine Gefühle hatte. Und das, obwohl ich in den letzten Monaten sehr viel über meine Gefühle und mein Denken gelernt und mich dadurch deutlich wahrnehmbar weiterentwickelt habe. Mit einem Satz: Ich bin an mir verzweifelt!

Gestern dann geschah etwas Wunderbares: In den Tagen zuvor hatte ich mich sehr intensiv in der Meditation mit dem Begriff der Akzeptanz, dem nicht wertenden Beobachten dessen, was gerade geschieht, übend beschäftigt. Passend dazu hatte Andrej in einem Coaching-Video von "der einen Sekunde" gesprochen, in der wir kurz innehalten können, um bewusst zu entscheiden, wie wir auf einen Reiz von Außen (beispielsweise in einem Gespräch) reagieren wollen: Möchte ich mich darüber ärgern, oder darüber hinweggehen, oder vielleicht mit Humor darauf reagieren?

Bei diesen Impulsen von Andrej hatte ich sofort ein ganz besonders starkes Empfinden dazu, das heißt, ich begriff diese Ideen nicht nur mit meinem Verstand, sondern fühlte ihre hilfreiche Qualität und konnte sie unmittelbar umsetzen und für mich nutzen.

Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, was genau passiert ist. Aber es fühlte und fühlt sich noch immer so an, als hätten diese Impulse unmittelbar Wurzeln in mir geschlagen und seien nun ein Teil von mir, mit dem ich jederzeit und mühelos arbeiten kann.

Seitdem fühle ich mich wie befreit. Ich bin nun wieder innerlich weit, glücklich, leicht und voller Lebensfreude. Und ich bin sowohl mit mir, als auch mit meinen Lieben wieder im Gleichgewicht. 

Es war wohl eine "tiefe Einsicht", die mir zuteil wurde und die mir auf meinem weiteren Weg des inneren Wachstums unglaublich viel weiterhilft.






Montag, 12. November 2018

Meditation - Sein und Handeln

Vor kurzem schrieb ich darüber, wie wichtig es mir inzwischen ist, das Meditieren von unnötigem Ballast zu befreien und es auf die für mich wesentlichen Inhalte zu reduzieren oder auch zu komprimieren: 

  • Völlige Akzeptanz und die wertungsfreie, genaue Beobachtung dessen, was während der Meditation geschieht.
  • Die Aufmerksamkeit immer wieder sanft auf den gewählten Fokus (Körperwahrnehmung, Atmung, Gefühle, Gedanken, usw) zurückführen, wenn ich abgelenkt werde.
  • Das Gleichgewicht zwischen Entspannung und Aufmerksamkeit immer wieder neu suchen. Denn bereits das ist der meditative Zustand, den es zu üben gilt.
Ich glaube immer mehr, dass es in der Meditation darum geht, das eigene Bewusstsein kennenzulernen und zu erforschen. Und dabei der Frage, was Bewusstsein eigentlich ist, immer ein Stück näher zu kommen, ohne sie endgültig klären zu können.

Sehr spannend finde ich dabei die Erkenntnis, dass in der Meditation zwei Qualitäten zusammenkommen: Sein und Handeln. Denn ich befinde mich ja während des Meditierens in einem Zustand: dem meditativen Zustand. Doch gleichzeitig bin ich auch aktiv, indem ich meditiere und damit eine Tätigkeit ausübe.

Es gibt immer wieder Momente während der Meditation, wo für einen ganz kurzen Moment keine Gedanken existieren. Für mich ist das ein Zustand von reinem Bewusstsein. Ich spüre dann weder Glück, noch Unruhe oder irgendeine andere Regung. Ich bin einfach in diesem Moment. 

Es gibt Menschen, für die die permanente Erlangung dieses Zustands ihr Lebensziel darstellt. Für mich ist das nicht so. Denn ungeachtet der nachträglich empfundenen Freude über dieses besondere Erlebnis, lebe ich dennoch im Hier und Jetzt und sehe mich einer Fülle von Herausforderungen im Leben gegenüber, die ich weder ignorieren will, noch kann.

Ich möchte weiter lernen, mich weiterentwickeln, neue Erfahrungen sammeln. Und das wird nur funktionieren, indem ich aktiv bin, mich konfrontiere und dabei auch gelegentlich scheitere. Und wenn es mir dann noch gelingt, die in der Meditation ständig weiter eingeübten Qualitäten Akzeptanz und wertungsfreie Beobachtung immer besser in meinen Alltag zu integrieren, die Balance zwischen Entspannung und Aufmerksamkeit aus der Meditation mitzunehmen, dann ist alles gut. 

Sonntag, 11. November 2018

Von Annahmen und Schuldgefühlen

Ich verfüge über ein sehr stark ausgeprägtes Gefühlsleben und erlebe meine Emotionen ungefiltert und sehr intensiv und unmittelbar. Das macht es mir sehr schwer, in emotional sehr bewegenden Momenten einen klaren Kopf zu bewahren und mich von Annahmen darüber, was diese Situation wirklich bedeutet, frei zu machen. 

Es sind diese Annahmen, die uns Menschen dazu bringen, auf eine bestimmte Weise zu reagieren. Sie speisen sich aus unseren Erfahrungen und früheren Erlebnissen. Und gerade bei traurigen und belastenden Erfahrungen neigen wir dazu, diese in uns "abzuspeichern". Geraten wir dann später in eine ähnliche Situation, erwarten wir unwillkürlich, dass sie sich unabänderlich auf genau die gleiche Weise entwickeln wird, wie wir es schon früher erlebt und erfahren haben. Dementsprechend sind dann auch unsere Gefühle und Gedanken und damit auch unsere jeweilige Handlungsweise. 

Die Leser von "Grenzgänger" wissen, dass meine Mutter mich gerne durch tagelanges, eisiges Schweigen für vermeintliche Missetaten bestrafte. Dieses Schweigen war die Hölle für mich und ich fühlte mich als Gefangener meines schlechten Gewissens. 

Diese traumatischen Erfahrungen hatten zur Folge, dass ich länger andauerndes Schweigen im Miteinander noch heute als unangenehm empfinde. Selbst dann, wenn es nicht aus einer Auseinandersetzung heraus entsteht, sondern lediglich eine harmlose Denkpause darstellt. Ich fühle mich dann verunsichert und empfinde unwillkürlich Schuldgefühle, Angst und Enge, wenn auch bei weitem nicht mehr so intensiv und bedrohlich wie damals. Es ist also eine Annahme von mir, dass  Schweigen grundsätzlich eine Strafe, eine Bedrohung darstellt.

Für mich ist es ein hartes Stück Arbeit, mich von diesen negativen und belastenden Annahmen zu lösen und jede Situation ergebnisoffen und unvoreingenommen zu betrachten und auch aufzunehmen. Ich erlebe es als Mangel von (Selbst)-Vertrauen und (Selbst)-Sicherheit, der diese negativen Annahmen verstärkt und noch immer am Leben erhält. 

Allerdings darf ich durch solche Situationen auch lernen, sowohl mir, als auch meinem Gegenüber zu vertrauen, indem ich immer  öfter die Erfahrung mache, dass es eben nicht um Strafe oder Böswilligkeit geht, beziehungsweise nicht ich automatisch der Auslöser des Schweigens bin. Nicht alles bezieht sich auf mich oder mein Verhalten, sondern hat viel öfter seine Ursachen in meinem Gegenüber, wie zum Beispiel Müdigkeit oder Erschöpfung. 

Es geht also darum zu lernen, bestimmte Reaktionen und Situationen, an denen ich zwar beteiligt bin, als von mir unabhängig zu betrachten. Denn schließlich bin ich nicht das Zentrum des Universums. 





Samstag, 10. November 2018

Auffassungen

Jeder Mensch hat seine ureigene Auffassung davon
was ihm Liebe bedeutet
und auf welche Weise
in welcher Qualität sie
seinen Umgang mit sich und anderen bestimmt

Manche sagen
Gegensätze ziehen sich an
andere wieder 
Gleich und Gleich gesellt sich gern
und wieder andere
Was sich liebt das neckt sich

Für mich ist es eine Mischung aus Allem
in tiefster und nahester Verbundenheit
und im Anerkennen der jeweiligen Unterschiede
die weder gut noch schlecht sind
einfach weil sie sind

Ich erkenne Liebe immer mehr
als einen Weg der Selbsterkenntnis
die sich von Zeit zu Zeit
an den Grenzen 
dem Anderssein des Anderen stößt

Ich erkenne sie in ihrer Widersprüchlichkeit
und dem gemeinsamen Bemühen
diese Widersprüche aufzulösen
und im zuerst 
die eigenen Wunden heilen
um den Anderen nicht zu verletzen

Ich erkenne sie in dem Bestreben
nach innerem Frieden und nach Harmonie
die ich mir und meinem Gegenüber
gleichermaßen aus ganzem Herzen wünsche

Liebe ist kein fester unveränderlicher Zustand
sondern sie ist 
ständig in Bewegung
vereint Schmerz und Freude
Gelassenheit und Unbändiges
Gemeinsames und Einzelnes

Und sie ist das Schönste
das mir je widerfahren ist






Mittwoch, 7. November 2018

Betrachtungen zur Meditation

Seit über einem halben Jahr meditiere ich regelmäßig. Inzwischen sogar zweimal am Tag. Und auch hier im Blog schreibe ich immer wieder über dieses Thema. Dass ich dies tue, hat einen guten Grund: Denn Meditation ist für mich ein sehr essentieller Baustein für meine seelische Gesundheit und für mein inneres Wachstum, für meine geistige Entwicklung.

Warum ist das so? Ich mache jeden Tag die Erfahrung, dass keine Meditation der anderen gleicht. Jedes Mal fühlt es sich anders an. Mal bin ich sehr entspannt und fokussiert dabei. Beim nächsten Mal fällt es mir schwer, mich wirklich darauf einzulassen und ich bin innerlich angespannt und unruhig. Trotzdem lasse ich es dann nicht bleiben. Sondern ich übe mich darin, jede Stimmung, jede unterschiedliche Qualität während der Meditation einfach zu akzeptieren, ohne sie zu werten und ohne mich dabei positiv oder negativ zu beurteilen. 

Diese Akzeptanz des Hier und Jetzt zu üben, bewirkt, dass ich auch lerne, mich selbst mit all meinen Stärken und Defiziten immer besser zu akzeptieren, also wertungsfrei anzunehmen, ohne das Bestreben zu haben, daran etwas zwanghaft ändern zu müssen. 

Ein nächster Schritt ist dann immer, genauer hinzuschauen, was gerade in diesem Moment in mir und mit mir passiert. Woher kommt die innere Unruhe, oder, warum mache ich mir gerade Sorgen? Wo fühle ich die Unruhe

Auf diese Weise mache ich weitere Lernschritte, indem ich ebenso wertungsfrei zu beobachten lerne, mich also in Aufmerksamkeit und Achtsamkeit übe. 

Dieses mich Üben verhilft mir in meinem Alltag dazu, nach und nach sämtliche Situationen, Erfahrungen und Erlebnisse mit einer immer größer werdenden inneren Ruhe zu betrachten und mit ihnen umzugehen. Die Dinge werfen mich einfach nicht mehr komplett aus der Bahn. Und ich bekomme allmählich einen viel klareren Blick auf mich und meine Umgebung.

Es sind ungemein spannende Erfahrungen, die ich so täglich sammle. Ich lerne mich in meinem eigentlichen Wesen immer besser kennen und verstehen. Es ist also eine ganz neue Stufe von Selbst-Bewusstsein, die ich so täglich erfahren und erleben darf. 

Samstag, 3. November 2018

Männlich, Weiblich, oder einfach nur Menschlich?

Kürzlich las ich den Text einer lieben und sehr geschätzten Kollegin, in dem diese sich mit verschiedenen Aspekten der Weiblichkeit beschäftigt und wie sich die von ihr beschriebenen Stärken vollends zur Geltung bringen lassen. 

Ich fand diesen Text außerordentlich spannend und anregend. Aber gleichzeitig spürte ich starken Widerspruch in mir und den Impuls, diese Darstellung aus meiner "männlichen" Perspektive heraus zu ergänzen. 

Offen gestanden: Ich habe mir niemals Gedanken darüber gemacht, was "typisch weiblich" oder "typisch männlich" ist. Denn es war und ist niemals von Bedeutung für mich gewesen. Und auch für mein Selbstverständnis, für mein Selbst-Bewusstsein, ist es völlig unwichtig, mir immer wieder vor Augen zu führen, dass ich ein Mann bin. Oder mich zu fragen, was genau mich als Mann auszeichnet. Im Gegenteil: In erster Linie begreife ich mich als Mensch, der bestimmte Eigenschaften und sowohl Stärken als auch Schwächen in sich trägt. Das Gleiche gilt für meine Betrachtungsweise der Frauen. Denn bei genauerer Betrachtung tragen sie genau die gleichen Eigenschaften in sich, in jeweils individueller Ausprägung. 

Auch die uralten Diskussionen und Geschlechter-Streits um Gleichberechtigung, Unterdrückung, usw. konnte ich aus meinem Erleben heraus nie wirklich nachvollziehen. Denn Frauen waren für mich, solange ich denken kann, immer Menschen wie ich einer bin. Und es war immer selbstverständlich für mich, sie auch genauso zu behandeln, mit ihnen umzugehen. 

Ich habe in meinem Leben gleichermaßen taffe, einfühlsame, gefühlsbetonte und intellektuell starke und schwache Frauen und Männer kennengelernt. Und somit beschränken sich die Unterschiede für mich lediglich auf die sichtbaren Geschlechtsmerkmale. 

Die für mich entscheidende und weitaus wichtigere und spannendere Frage lautet also: Was macht uns gemeinsam als Menschen aus? Und: Auf welche Weise können wir uns gegenseitig ergänzen und beflügeln?

Es geht für mich also viel mehr um das Gemeinsame, als um das Trennende. Ich bin der festen Überzeugung, dass Mann und Frau nur gemeinsam das gesamte Potential des Menschseins verkörpern und zur vollen Entfaltung bringen können

Also lasst uns doch die überkommenen Betrachtungsweisen hinter uns lassen und zusammen als Männer und Frauen an unserem Mensch-Sein arbeiten!



Mein neuer Text im Compassioner: Leben als transformativer Weg des Lernens

Leben als transformativer Weg des Lernens und der Selbsterkenntnis