Freitag, 6. Juli 2018

Schattenarbeit

Ich glaube, von Goethe stammt der weise Satz: "Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten!" Gerade in den letzten Monaten, seitdem ich mich sehr bewusst mit meinem inneren Wachstum befasse und damit begonnen habe zu meditieren, gewinnt dieser Satz immer mehr an Bedeutung für mich.
Denn es sind nicht nur meine mir angenehmen Eigenschaften, wie innere Ruhe, Selbstbewusstsein, Übereinstimmung mit mir selbst und meinem Leben, die immer deutlicher zutage treten. Es sind genauso auch meine mir weniger angenehmen Charakterzüge, wie Ungeduld, diverse Unsicherheiten und auch Selbstzweifel, die ich immer mehr wahrnehme und mit denen ich in den verschiedensten Situationen konfrontiert werde und die mir (mal mehr und mal weniger stark) Unbehagen bereiten. 
Allein die Tatsache, dass ich noch immer zwischen "angenehm" und "unangenehm" differenziere, anstatt alles, was mich als Individuum ausmacht, als absolut gleichwertig, oder wertfrei zu betrachten, zeigt mir, dass ich noch längst nicht alles in mir integriert habe.
Es ist absolut menschlich und damit verzeihlich, Unangenehmem auszuweichen, anstatt gerade dort genauer hinzuschauen; mit der gleichen Hingabe, wie auf das Schöne und Gute. Aber so lange ich es vermeide, wird es mich immer wieder einholen und zeitweise aus der Balance bringen. 
Innere Balance zu erlangen bedeutet, allem was ist, die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken,  ohne dem vermeintlich Negativem zu viel Energie zu geben. Aber gerade das ist nicht einfach, da wir Menschen dazu neigen, uns insbesondere darauf zu fokussieren, anstatt auf das, was uns gefällt. Wir ärgern uns lieber, anstatt uns zu erfreuen und Dankbarkeit zu praktizieren. 
Wie wäre es, diesen Schattenseiten genau die gleiche, liebevolle Aufmerksamkeit zu widmen, wie den schönen Momenten und ihnen mit der gleichen Dankbarkeit zu begegnen? Denn schließlich geht es nicht um "Gut" oder "Böse", sondern die eigenen Möglichkeiten, das eigene Potential zu entdecken und zu fördern. Und womöglich sind es eben diese Schattenseiten, die uns immer wieder darauf aufmerksam machen. Könnte es also sein, dass unsere vermeintlichen Schwächen in Wahrheit gar keine Schwächen sind, sondern vielmehr gewollte "Stolpersteine" die dazu dienen, uns aufmerksam zu machen? Ich werde dem weiter nachgehen!

1 Kommentar:

  1. Lieber Eckhard,
    vielen Dank für diesen guten Artikel! Dieses "allem gleichwertig, nicht-wertend Aufmerksamkeit schenken" hallt in mir nach. Das ist ein guter Ansatz, denn natürlich verbirgt sich in unserem Schatten eine enorme Kraft - ich finde, es sind nichr nur Stolpersteine, sondern tatsächlich "Kraftreservoire": Ich bin manchmal zu hart in meiner Krtikäußerung (v.a. dann, wenn sich viel angestaut hat...ein doppelter Schatten;-)). Doch ich glaube, ich kann sehr klar denken & äußern, Dinge sehr gut auf den Punkt bringen. Meine manchmal schonungslose Ehrlchkeit hilft dem anderen oft weiter, selbst wenn er das nicht sofort sehen mag. Alles Gute für dich! Carolin

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