24. Dezember 2018

Weihnachtsgedanken

Mit Weihnachten kann ich
inhaltlich gesehen
nichts anfangen

Weihnachten
ein von Menschen willkürlich
festgelegter Termin
dessen religiöser Inhalt
mir nichts bedeutet

All das Gerede vom "Fest der Liebe"
als sei Liebe 
auf diese wenigen Tage
im Jahr beschränkt

Die Menschen in dieser Zeit
im Konsumrausch
hektisch
aggressiv
unachtsam
von Liebe nichts zu spüren

Wenn es um Liebe geht
dann ist für mich 
das ganze Jahr Weihnachten
denn ohne sie
wäre mein Leben leer und freudlos

Gelebte Liebe verhilft mir
zu einem erfüllten Leben
zu tiefen Einsichten
und Dankbarkeit

Und es können tatsächlich
besinnliche und schöne Tage sein
in der dunklen Jahreszeit
eine schöne Gelegenheit
sich bewusst 
auf die Liebe zu besinnen

Ganz ohne Weihnachten





22. Dezember 2018

Zwischen den Jahren

Ich habe es früher immer mit großer Vehemenz abgelehnt, das zuende gehende Jahr noch einmal für mich Revue passieren zu lassen. Und ich hatte aus damaliger Sicht auch gute Gründe für meine Abneigung: Schließlich erlebte ich meine Lebenszeit als weitgehend sinnlos, frustrierend und von Stillstand geprägt. Also hatte ich mit schöner Regelmäßigkeit  den starken Impuls, das vergangene Jahr schnellstmöglich abzuhaken, verbunden mit der trügerischen und überaus schwachen, zögerlichen Hoffnung, das nächste Jahr möge auf irgendeine, unbestimmte Weise besser und anders werden. 

Im letzten Jahr jedoch war ich erstmals nicht nur dazu imstande, einen Rückblick zu "riskieren", sondern ich hatte sogar den innigen Wunsch, mir "mein" Jahr noch einmal anzuschauen. Denn es war tatsächlich zu meinem Jahr geworden, in dem sich unglaublich viel zum Guten hin verändert hatte: Nicht nur, dass ich meiner großen Liebe begegnet war, sondern auch, dass meine Depressionen wie durch ein Wunder endgültig der Vergangenheit angehörten. Mein gesamtes Leben hatte sich von Grund auf verändert. Und so schrieb ich mir an Silvester 2017 erstmals zwölf Dinge auf, für die ich in diesem Jahr besonders viel Dankbarkeit empfunden hatte.

Noch etwas hat sich seit letztem Jahr gravierend verändert: In der Vergangenheit war für mich die Zeit um Weihnachten und Neujahr immer besonders problematisch. Während meine Freunde und Verwandten mit ihren Familien feierten, war ich in dieser Zeit ganz auf mich gestellt und fühlte mich einsam und verlassen.

Gleichzeitig verspürte ich jedoch auch den Wunsch, in dieser Zeit in Ruhe gelassen zu werden. Auch das ganze Drumherum mit Weihnachtsschmuck und den christlichen Bräuchen erfüllt mich mit großer Abneigung und ich war bestrebt, all diese Dinge aus meiner Wahrnehmung zu verbannen. 

In diesem Jahr verspüre ich das erste Mal so etwas wie Vorfreude auf diese "Feiertage". Ich freue mich sehr darauf, die Besinnlichkeit dieser letzten Tage im Jahr für mich bewusst und frei von jeder lästigen Verpflichtung und Konvention, ganz bewusst zu gestalten und zu nutzen. Und das, obwohl sich an den äußerlichen Bedingungen rein gar nichts verändert hat. Aber ich habe mich verändert, indem ich mich inzwischen in meinem So-Sein  immer mehr anzunehmen und zu lieben gelernt habe. Ich lasse es mir gut gehen und tue alles dafür, dass die vor mir liegenden Tage einfach schön für mich sind.

Ich werde schreiben, mir etwas Leckeres kochen, Musik hören und dem, was in diesem Jahr alles geschehen ist, ganz bewusst nachlauschen. Es wird eine schöne und besinnliche Zeit, in der ich das vergangene Jahr mit Dank für all das Wunderbare bewusst verabschiede und mich voller Vorfreude und Gespannt-Sein auf das kommende Jahr einstellen werde. Und es wird ein wunderbares und ereignisreichen Jahr 2019!

20. Dezember 2018

Gehen mit dem was ist

Gehen, nicht schlendern oder rennen
mit dem was gerade ist -
eine wundervoll entspannte innere Haltung
die die gelegentliche Last des Alltags
leichter und einfacher macht

Gehen bedeutet für mich
in der Mitte zu sein
in meiner Mitte
in meinem ganz individuellen Tempo

Ich nehme mir die Zeit
nach rechts und links zu schauen
und bin dennoch stetig unterwegs

Und ich entscheide
was von Unterwegs ich mitnehme
oder was ich liegenlassen
weil es meine Schritte hemmt

Gehen mit dem was ist
eine wundervolle Übung
in Gelassenheit und Achtsamkeit
für mich

19. Dezember 2018

Was haben negativer Stress und Selbstliebe miteinander zu tun?

Bekanntlich gibt es ja verschiedene Arten von Stress. Da ist einmal der positive Stress, wenn wir etwas Schönes tun oder erwarten. Wir sind dann innerlich unruhig, voller Vorfreude. Oder wir sind mit etwas Angenehmem beschäftigt und haben das starke Verlangen, es trotz Erschöpfung noch unbedingt zuende bringen zu wollen.

Negativer Stress hingegen entsteht bei zu viel Arbeit, oder wenn wir uns unter Druck gesetzt fühlen. Bei mir entsteht er vorwiegend dann, wenn ich das Gefühl habe, die Lösung für ein Problem schnellstmöglich finden zu müssen, ohne mir dabei genügend Zeit zuzugestehen. Oder wenn ich den Eindruck habe, etwas unbedingt tun zu müssen, obwohl sich in mir alles dagegen sträubt. Beides setzt mich massiv unter Druck. Ich werde dann innerlich unruhig, fahre gedanklich Karussell, komme innerlich nicht zur Ruhe und bin extrem reizbar und dünnhäutig.

Der wesentliche Punkt bei solchen Geschehnissen ist aber der, dass ich allein derjenige bin, der dies alles auslöst. Denn wer außer mir bestimmt denn, innerhalb welchen Zeitrahmens eine Aufgabe zu erledigen ist? Oder wer, wenn nicht ich selbst, verursacht die Reizbarkeit, die Unruhe und Dünnhäutigkeit?

Gerade in einer solchen Situation fallen mir derart selbstkritische Beobachtungen und Eingeständnisse nicht leicht. Denn sie verstärken mein dann ohnehin schon angekratztes und wenig liebevolles Selbstbild zusätzlich. Doch indem ich gerade dann genauer hinschaue und mir die Mechanismen hinter der Anspannung selbst verdeutliche, habe ich die Möglichkeit, bewusst gegenzusteuern. 

In meinem Artikel über Selbstliebe im Compassioner habe ich darüber geschrieben, dass es uns, und damit auch mir, viel leichter fällt, Geduld und Achtsamkeit gegenüber anderen Menschen zu entwickeln und gleichermaßen zu leben, als gegenüber mir selbst. Insbesondere dann, wenn ich diesen anderen Menschen von ganzem Herzen liebe. Aber diese Intensität und Tiefe der Liebe auf mich selbst zu übertragen, ist nicht leicht. Denn Stressverhalten geht nach meiner Überzeugung auf alte Glaubenssätze zurück, wie zum Beispiel: " Sei nicht so zögerlich!" Oder: " Denk nicht so lange darüber nach, sondern tu endlich was!" Noch heute setzten mich derartige Sätze ganz unwillkürlich unter Druck, während sich in mir alles zusammenzieht. Und anscheinend sind sie noch immer in mir "gespeichert" und kommen immer dann zum Vorschein, wenn ich mit Dingen befasst bin, die mir unangenehm sind - wiederum aus Gründen, die in meiner Vergangenheit begründet liegen. 

Liebe ist ein warmes, helles und weites Gefühl für mich. Wenn ich an einen geliebten Menschen denke oder mit ihm zusammen bin, dann fühle ich mich heil, vollständig und vollkommen entspannt. Ich bin dann sowohl ganz bei mir, mit mir im Reinen, als auch bei meinem Gegenüber. Es sind für mich immer ganz besonders kostbare  und Kraft-spendende Momente. Und es bleibt eine große Herausforderung für mich, diese Empfindungen und Eindrücke auf mich zu übertragen, im Zusammensein mit mir selbst.

Erst dann, wenn meine Selbstliebe wirklich Wurzeln geschlagen hat und ich die Dimension ihrer Fülle verinnerlicht habe, dann hat auch der Stress, der mich gelegentlich überkommt durch meinen Umgang mit mir selbst, keine Chance mehr. Aber ich arbeite daran.

15. Dezember 2018

Gewahrsein

Ich erschaffe mir in mir
einen Raum der Stille und des Friedens
in dem alles was gegenwärtig ist
seinen Platz findet

Es ist ein bewusster Akt der Liebe zu mir
allem was ist zu lauschen
und es nicht wertend zu betrachten

Und manchmal sind es gerade die leisen Stimmen
die im Lärm des Alltäglichen kein Gehör finden
die in diesem Raum wichtig werden
und mir neue Inspiration und Visionen schenken

Immer besser lerne ich
meine Wahrnehmung zu vertiefen
ein Gespür für meine Umgebung
und für mich zu entwickeln

Ich lerne
das Wichtige von Unwichtigem
zu unterscheiden
und übe mich in Gewahrsein

9. Dezember 2018

Leseprobe aus "Vom Grenzgänger zum freien Menschen"

Nachhaltigkeit

Ein weiterer, wichtiger Schritt auf meinem Genesungsweg war und ist es nach wie vor, Nachhaltigkeit in dem, was ich denke, fühle und tue, wirklich zu spüren und zu erleben.
Wenn ich beispielsweise früher nach einer Therapiesitzung hoffnungsvoll glaubte, eine wichtige Erkenntnis in Bezug auf mich und meine Erkrankung gewonnen zu haben, dann entpuppte sich diese Erkenntnis in den meisten Fällen als äußerst flüchtig. Und sie verschwand so schnell, wie sie zu mir gekommen war, zusammen mit dem damals so trügerischen Gefühl der Hoffnung.
In fast allen Bereichen meines Lebens verspürte ich während der Zeit meiner Erkrankung einen großen Mangel an Nachhaltigkeit. So erwiesen sich auch meine Liebesbeziehungen als nicht sonderlich haltbar, genauso wie mein Durchhaltevermögen in sämtlichen Lebenslagen. Selbst wenn ich mit großer Begeisterung etwas Neues ausprobieren wollte, war diese Begeisterung ganz schnell verflogen und ich verfiel wieder in meinen alten Trott.
Zunächst betrachtete ich sowohl mein fehlendes Durchhaltevermögen, als auch die Flüchtigkeit von Ideen und Visionen für mein Leben, als einen unabänderlichen Charakterzug von mir - ganz so, wie meine verstorbene Mutter es mir immer eingeredet hatte. Es war ein fest in Stein gehauener Glaubenssatz, mit ironischer Weise überaus großer Nachhaltigkeit.
Erst während der letzten Jahre begann eine zunächst unmerkliche Veränderung: Mit großer Begeisterung und Entschlossenheit fing ich 2011 damit an, Texte und Gedichte für meinen Blog zu verfassen. Und wider Erwarten hielt diese Begeisterung selbst in Zeiten an, in denen ich wegen meiner Depressionen nicht zu viel Aktivität imstande war.
Mit einem Mal fühlte ich eine tiefe Verpflichtung mir gegenüber, dieses Projekt gegen jeden inneren Widerstand fortzuführen. Durch das regelmäßige Schreiben war unversehens ein Samenkorn in mich gelegt worden, das allmählich Wurzeln geschlagen hatte und das erst recht zu wachsen begann, als ich mit meinem Buchprojekt „Grenzgänger“ (2018 neu erschienen bei „literafreakpress“)befasst war. Noch während des gesamten Zeitraums, in dem ich an diesem Buch arbeitete, war ich mir nicht sicher, ob ich es würde zuende bringen können. Umso größer waren dann mein Stolz und meine Zufriedenheit, als ich das erste gedruckte Exemplar in meinen Händen hielt. Es war mir tatsächlich gelungen, etwas zuende zu bringen!
Zur gleichen Zeit bemerkte ich zu meiner großen Überraschung und Freude auch in anderen Bereichen meines Lebens eine Veränderung: Ich erlebte fortwährende Entwicklung und Fortschritte in der Therapie. Dieses Mal aber keinesfalls flüchtig und vorübergehend, sondern nachhaltig.
Ich stellte fest, dass es mir von Sitzung zu Sitzung leichter fiel, mich zu öffnen und mich dabei gleichzeitig auch meinen Mitpatienten voller Empathie zuzuwenden.
Auch die Erkenntnisse, die ich während der Therapie über mich gewinnen konnte, verschwanden nicht mehr, sondern blieben mir erhalten. Als dann meine allerletzte Sitzung vorbei war, wusste ich mit einer gänzlich neuen und tief erfühlten Sicherheit, dass nun ein neues Leben voller faszinierender Möglichkeiten vor mir lag. Und zum ersten Mal überhaupt verspürte ich keine Angst mehr vor eventuellen Rückschlägen. Stattdessen war ich mir gewiss, dass es mir auch weiterhin gut gehen würde. Inzwischen ist über ein Jahr seit dem Ende meiner Therapie vergangen, in dem sich mit großer Deutlichkeit gezeigt hat, dass auch meine Genesung nachhaltig ist.
Henry Ford hat einmal sinngemäß gesagt: „Ob du denkst, dass du etwas kannst oder denkst, dass du etwas nicht kannst: Beide Male hast du Recht!“ Mit diesem einen Satz hat er einen weiteren Aspekt des Gesetzes der Anziehung wunderbar prägnant zusammengefasst: Allein unser Denken entscheidet über Erfolg oder Misserfolg unserer Absichten! Wenn ich schon mit der Gewissheit ohnehin zu scheitern, an eine neue Aufgabe herangehe, dann werde ich scheitern. Und wenn ich mit dem Gedanken, erfolgreich zu sein, an diese Aufgabe herangehe, dann bin ich erfolgreich.
Ob wir uns vorstellen können, eine Aufgabe zu meistern, hängt von unseren Erfahrungen ab. Sind wir in Kindheit und Jugend davon geprägt worden, dass uns Vieles nicht zugetraut wurde, oder, dass wir es charakterbedingt nicht schaffen werden, dann haben wir diesen Glaubenssatz verinnerlicht und bekommen ihn fortwährend durch die niederschmetternden Resultate unseres Handelns bestätigt.
Einer meiner Glaubenssätze lautete: „Ich kann keine Mathematik!“ Entsprechend ernüchternd und frustrierend waren sämtliche Übungen und Klausuren während meiner Schulzeit für mich. Als ich mich dann Jahrzehnte später gänzlich unvoreingenommen und neugierig mit dem Programm „Excel“ beschäftigte, bemerkte ich zu meiner großen Überraschung, dass es mir mühelos gelang, die Gesetzmäßigkeiten dieses Programms nicht nur zu begreifen, sondern sie auch praktisch anzuwenden.
Neugierde, wirkliches Interesse und Unvoreingenommenheit gegenüber Herausforderungen und Aufgaben sind für mich zum Schlüssel geworden, um nachhaltigen Erfolg und Fortschritt zu erleben. Mit Hilfe dieses Schlüssels erlebe ich auch in der Liebe großartige Veränderungen: Ebenfalls zum Ende meiner Therapie lernte ich Petra, eine wundervolle Frau kennen, die inzwischen zur Liebe meines Lebens geworden ist.
Neben erstaunlich vielen Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen gibt es in unserem Miteinander jedoch auch Differenzen und Streitigkeiten, wie in jeder Beziehung. Lebte ich noch immer mit dem Glaubenssatz, dass ich Streitigkeiten und Schwierigkeiten in der Liebe, wie auch in allen anderen zwischenmenschlichen Beziehungen, nicht imstande sei zu bewältigen, dann wäre dieser einzigartige Mensch schon längst nicht mehr Bestandteil meines Lebens.
Weil wir uns aber immer wieder mit wirklichem Interesse, mit Unvoreingenommenheit und Neugierde begegnen, lassen sich sämtliche Hindernisse aus dem Weg räumen und bringen uns sogar noch näher zusammen. Mit diesem wunderbaren Menschen erlebe ich tagtäglich Nachhaltigkeit und Wachstum.
Mein Erleben von Nachhaltigkeit ist aber nicht auf die soeben geschilderten Beispiele aus meinem Alltag begrenzt. Tatsächlich hat Nachhaltigkeit nach und nach Einzug in sämtliche Bereiche meines Lebens gehalten.
So ist auch mein gesamtes Gefühlsleben inzwischen nicht mehr flüchtig, sondern sehr intensiv und bewusst. Das Gleiche gilt für alles, was ich im Laufe eines Tages erlebe: seien es Begegnungen, die noch lange nachwirken, oder auch Gespräche, die auch noch nach Stunden und sogar Tagen sehr detailliert in meinem Gedächtnis verweilen.

Das Wunderbare an dieser Nachhaltigkeit ist, dass sie im Gegensatz zu den Zeiten meiner Erkrankung, nicht länger nur auf die vermeintlich negativen Aspekte meines Lebens beschränkt ist, sondern dass sie gleichermaßen auch das Schöne mit einbezieht. Sie befindet sich inzwischen nahezu in einem Zustand der Balance und ist damit zu einem deutlichen Anzeichen für Gesundheit geworden.

5. Dezember 2018

Neues aus der Schreibwerkstatt

Es gibt Neuigkeiten: Aus meinem schon länger angekündigten Buchprojekt "Mein Genesungsweg" wird: "Vom Grenzgänger zum freien Menschen - Selbst-Erkenntnis als Weg der Genesung". 

Auch wird das Manuskript noch einmal gründlich überarbeitet und erweitert. Erscheinen wird das Buch voraussichtlich im ersten Quartal 2019 im Selbstverlag.

Demnächst werde ich hier im Blog eine erste Leseprobe veröffentlichen, damit Ihr einen ersten Eindruck vom Buch erhaltet und es dann auch zahlreich erwerbt! 😎

4. Dezember 2018

Warum nicht mal einen Gedichtband zu Weihnachten verschenken?

Mein Gedichtband "Zwischen den Zeilen" beschäftigt sich mit dem gesamten Gefühlsspektrum, macht es sichtbar und für Andere nacherlebbar.
Es sind ehrliche und authentische Gedichte, die unter die Haut gehen und berühren.
Aus dem Klappentext:
„Zwischen den Zeilen“ zu lesen bedeutet, sich auf sein Gegenüber wirklich einlassen zu wollen und den Menschen hinter der Fassade zu erkennen.
Ich sehe es als meine Lebensaufgabe an, alles Zwischenmenschliche zu ergründen und mir begreifbar zu machen. Das ist nicht einfach, denn durch meine Biografie bedingt, habe ich große Schwierigkeiten damit, die Nuancen des menschlichen Miteinanders zu verstehen und mit anderen Menschen entspannt und offen zu interagieren.
Mit diesem Buch versuche ich nun, mich diesem Thema auf andere Weise zu nähern: Indem ich meine Gedanken und Gefühle zum sozialen Miteinander und zu meiner zeitweisen Sprachlosigkeit in Form von Gedichten sichtbar mache, setze ich einen Anfang! 
Ich zeige mich unverfälscht, ehrlich und direkt in der Hoffnung, andere Menschen damit anzuregen, dasselbe zu tun. Es geht hierbei aber nicht nur um Gefühle wie Traurigkeit, Einsamkeit oder Depression, sondern genauso um freudige, glückliche und schöne Momente, die in meinem Leben inzwischen einen ebenbürtigen Platz gefunden haben.

Auf diese Weise entsteht vielleicht wirkliche Kommunikation – nicht nur „zwischen den Zeilen“.
Ihr bekommt das Buch direkt bei mir für 7,90€ plus 1,45€ Porto und Verpackung. 
Bestellen könnt Ihr es
per Email
Ich freue mich auf zahlreiche Bestellungen!

3. Dezember 2018

Sich selbst verzeihen können

Manchmal gelangen wir ungewollt in Situationen, die uns auf sehr intensive und schmerzhafte Weise an längst Vergangenes erinnern. Mir kommen diese Situationen so vor, als sei ich in der Zeit zurückversetzt worden und erlebe meine Gefühle, die ebenfalls noch von damals herrühren, auf die gleiche, mich zutiefst verunsichernde und durchschüttelnde Weise, genauso wie damals.

Zumeist sind dies Situationen der Konfrontation mit anderen Menschen. Verschiedene Sichtweisen und disharmonische Interpretationen des Geschehenen und Erlebten prallen dann aufeinander. Der einzige, aber überaus deutliche Unterschied zu damals besteht darin, dass mir der "Mechanismus" dieses Geschehens und der dadurch in mir ausgelösten Gefühle inzwischen klar ist. Dessen ungeachtet fühle ich mich in einem solchen Moment kurzzeitig wieder wie ein Gefangener meiner Gefühle: eingeengt und unfrei.

Zu meinem Erstaunen sind es überwiegend Schuldgefühle, die dann wieder in mir hochsteigen. Ganz unwillkürlich erlebe ich mich für einen kurzen Moment als der alleinige Verantwortliche für die Situation: so wie damals im Elternhaus, als mir für ausnahmslos jede Auseinandersetzung, in die ich verwickelt war, die Verantwortung, die Schuld auferlegt wurde. 

Erst vor kurzem schrieb ich darüber, dass mir heute bewusst ist, dass jeder Mensch für seine jeweiligen Gefühle und Reaktionen die alleinige Verantwortung trägt. Und selbstverständlich gilt dies auch für für Auseinandersetzungen. Was sich für den Einen wie eine relativ unbedeutende Uneinigkeit anfühlt, kann sich für den Anderen als überaus existentiell und unverzeihlich anfühlen. 

Ich glaube, wir Menschen neigen unwillkürlich dazu, unser Erleben als einzig gültigen Maßstab zu betrachten und reagieren mit Unverständnis, wenn unser Gegenüber in seinem Erleben davon abweicht. Immer wieder "erwische" ich mich genau dabei und fühle mich auf fatale Weise an das Verhalten meiner verstorbenen Mutter erinnert, die ihre Art zu denken und zu agieren als die einzig richtige Art ansah. Was mich wiederum zunehmend irritierte, mich sogar mit Abscheu erfüllte und mit dazu beitrug, dass ich mich immer deutlicher und vehementer von dieser inneren Haltung abzugrenzen suchte.

Die Tatsache, dass ich selbst heute noch von Zeit zu Zeit immer wieder in solche Situationen geführt und dabei nach meinem Erleben "auf die Probe gestellt" werde, zeigt mir, dass ich wohl noch immer einige ungelöste Anteile aus der Vergangenheit in mir trage. Aber indem ich mir dies immer wieder bewusst mache, mich diesen meinen "Schatten" nicht nur stelle, sondern auch lerne, sie mir bewusst zu verzeihen, löse ich sie allmählich auf. 

Es gelingt mir mittlerweile sogar, Dankbarkeit für solche Situationen, wie auch für die darin involvierten Menschen zu entwickeln. Denn durch sie werde ich immer wieder ermutigt, weiter kontinuierlich an mir zu arbeiten und noch viel bewusster und achtsamer sowohl mit mir, als auch mit anderen Menschen und Situationen umzugehen.

"Manches wird erst gut, wenn wir es gut sein lassen!" Diesen Spruch fand ich heute Morgen nach einem Jahr wieder. Genau passend zu meinem gegenwärtigen Lernprozess, bei dem es um Authentizität, Selbstwert und Selbstliebe geht. Und wohl auch darum, Dankbarkeit und Verzeihen miteinander zu verbinden.



1. Dezember 2018

Mein neuer Artikel im Compassioner-Magazin ist online!

In ihm gehe ich der Frage nach, warum Dankbarkeit für ein erfülltes Leben so wichtig ist und, warum Glück und Dankbarkeit so eng miteinander verbunden sind.

30. November 2018

Authentizität und Miteinander - Ein Widerspruch?

Meine Authentizität habe ich mir hart erarbeitet. Denn um überhaupt authentisch sein zu können, musste ich zunächst einmal lernen, wer ich eigentlich bin, was mich ausmacht und was meine innersten Überzeugungen sind. Dieses so allmählich entstandene Bild von mir selbst dann in einem nächsten Schritt auch mit Mut  nach Außen zu tragen, war und ist gelegentlich noch immer eine Herausforderung für mich.

Nach meiner Erfahrung stechen authentische Menschen durch ihre Unangepasstheit hervor. Denn sie vertreten ihre Wertmaßstäbe, ihre Überzeugungen und ihre individuelle Lebensart auch gegen den "Mainstream" gesellschaftlicher Normen und weitverbreiteter Meinungen. Sie nehmen dabei in Kauf, zu polarisieren, gelegentlich anzuecken und sie legen keinen Wert darauf, von jedem Menschen um jeden Preis gemocht und verstanden zu werden. Es bedarf also einer gehörigen Portion von Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, authentisch sein zu können. 

Nur authentisch zu sein, ist kein Selbstzweck. Es geht vielmehr darum, die eigenen, langsam und gründlich gereiften Überzeugungen, um seiner selbst und der eigenen Zufriedenheit Willen zu leben. Denn passe ich mich den Meinungen und Überzeugungen anderer Menschen an, dann lebe ich fremd- und nicht selbstbestimmt. 

Mein Leben war über Jahrzehnte fremdbestimmt: von psychiatrischen Diagnosen, Betreuern, Therapeuten und einer äußerst dominanten Mutter, die in mir eine Projektionsfläche ihrer geheimsten Wünsche und Sehnsüchte sah. 

Ich war ein Spielball, ohne eigene Überzeugungen und Wertmaßstäbe und ohne ein wirkliches und erfülltes Leben. Ich mühte mich ab, es anderen Menschen Recht zu machen, Erwartungen zu erfüllen, indem ich meine Bedürfnisse und Gefühle immer wieder zurückschraubte, bis ich sie gar nicht mehr wahrnehmen konnte.

Spätestens seit meiner Genesung im vergangenen Jahr hat sich das Blatt gewendet: Ich lerne immer besser, was mich zufrieden macht, was ich benötige, damit mein Leben wirklich immer mehr zu meinem Leben wird. Dazu gehört auch, dass ich meine Wünsche und Bedürfnisse immer deutlicher an andere Menschen adressiere; auch wenn das bedeutet, dass sie gekränkt oder irritiert sind. Dass sie es sind, liegt nicht in meiner Verantwortung. Denn schließlich sind es ihre Persönlichkeiten und Überzeugungen, die ihre Art zu reagieren bestimmen. Und ich bin kein Hellseher, der in jeder Situation vorausahnen kann, was meine Handlungsweise bei einem anderen Menschen möglicherweise hervorruft. 

Dass mein Handeln jeweils Konsequenzen in jeder möglichen Richtung nach sich zieht, ist mir bewusst. Ebenso, dass ich allein für mein Handeln die Verantwortung trage. Aber ich trage ebenfalls die Verantwortung für mein persönliches Wohlergehen, für meine innere Balance. Und hier gilt es jedes Mal abzuwägen, was wichtiger ist. 

Diese Haltung mag auf den ersten Blick wie Egoismus aussehen. Aber ich glaube, dass eine möglicherweise erstrebenswerte Selbstlosigkeit im Umgang mit anderen Menschen nicht bedeutet, sich selbst aufzugeben und immer zurückzunehmen. Im Gegenteil: Ohne ein gesundes und austariertes Selbstbewusstsein, ist ein ebenbürtiges und respektvolles Miteinander überhaupt nicht möglich. 

Demzufolge liegt es in der Verantwortung beider Seiten, eine Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen und Erwartungen und denen des jeweils anderen, im Miteinander zu erarbeiten. Und hier schließt sich für mich der Kreis: Eine solche Ausgewogenheit ist nur zwischen authentischen und selbstbewussten, reflektierten Menschen möglich. Zwischen Menschen, die sich selbst genügend wertschätzen, um Wertschätzung für einen anderen Menschen überhaupt empfinden und leben zu können. 

Die Balance zwischen sich und einem Gegenüber überhaupt zu finden und auch zu halten, ist nicht immer leicht. Aber es ist nach meinem Dafürhalten überaus lohnenswert, solange dabei nicht in Vergessenheit gerät, dass auch im Miteinander die eigene Freiheit in Gestalt von Authentizität an vorderster Stelle steht.


29. November 2018

Beobachtung

In der Stille der Meditation
entspannt und aufmerksam zugleich
wahrnehmen und bedingungslos akzeptieren
alles was ist und sein möchte

Nichts verdrängen
sondern zulassen
dabei nicht werten
nur beobachten

Und manchmal entsteht
auf diese Weise
ein weiter lichter und friedvoller Raum
im Inneren
verbunden mit der Erkenntnis
dass Sein und Handeln
Eines sind


28. November 2018

Reflektionen

Herzensbeziehungen und wahre Freundschaft
lassen sich nicht
nach ihrer zeitlichen Dauer bemessen
und auch nicht daran
wie lange man
einander kennt

Ihre Konsistenz 
ihre Aufrichtigkeit
ihre Stärke
zeigen sich vor allem
in schwierigen Momenten
in aufrichtig geteilter Freude
und in dem Bemühen
um wirkliches tiefes Verstehen und Verzeihen

Gemeinsame Glücksmomente
sind die Nahrung
von denen sie im Alltag zehren können
Aber erst dort zeigt sich
wie tief ihre Wurzeln tatsächlich reichen

Jeder hat wohl 
seine eigene Definition davon
was ihm Freundschaft 
und Herzensbeziehungen bedeuten
welchen Wert er ihnen beimisst

Mir sind sie Geschenk
unendliche Bereicherung
und Ansporn
zu Wachstum und Entwicklung
Und manches Mal auch Spiegel
meiner eigenen Unzulänglichkeiten
denen ich dankbar begegne







25. November 2018

Gesundheit- ein Geschenk und eine Frage der inneren Balance

Die meisten Menschen halten ihre Gesundheit für etwas Selbstverständliches, solange sie gesund sind. Und erst, wenn diese Selbstverständlichkeit durch eine schwere Erkrankung grundsätzlich in Frage gestellt wird, wird ihnen klar, was sie verloren haben.

Chronisch erkrankte Menschen hingegen wissen in vielen Fällen nicht einmal, was es bedeutet, gesund zu sein. Vielleicht sehnen sie sich nach diesem Zustand, von dem sie aber vermutlich nicht einmal genau wissen, wie genau er sich überhaupt anfühlt. 
Meine psychische Erkrankung begann nicht mit einem Mal, sondern sie schlich sich schon während meiner Jugendzeit unmerklich in mein Leben. Und aus meiner nur vordergründigen, frühkindlichen Unbeschwertheit und Sorglosigkeit wurde im Lauf der Jahre zunächst unmerklich ein von Ängsten, ständigem Scheitern und Depressionen geprägtes Leben. Irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt und betrachtete meinen Seins-Zustand als auf erschreckende Weise "normal". Ich wusste nicht, was es bedeuten kann, wirklich gesund zu sein.

Wenn ich mit meinem heutigen Verständnis auf diese Zeit zurückblicke, dann kommt es mir so vor, als ob ich in den zahlreichen Klinikaufenthalten und Psychotherapien einzelne und gänzlich unsortierte Puzzleteilchen mit auf den Weg bekommen habe, die ich über die Jahrzehnte in mühseliger Kleinarbeit erst einmal für mich zusammensetzen musste. Dieser Prozess war von unzähligen Fehlschlägen und Rückschritten geprägt, die mich immer wieder verzweifeln und resignieren ließen. Aber wie hätte es auch anders sein sollen? Denn was Gesundheit bedeutet, wusste ich damals nicht. Immer dann, wenn ich glaubte, diesen Begriff für mich fassen zu können, musste ich feststellen, dass noch immer einige Puzzleteilchen fehlten.

Seit etwas über einem Jahr darf ich mich nun als nahezu vollkommen gesund betrachten. "Nur" nahezu deswegen, weil vollkommene Gesundheit für mich inzwischen kein statischer und fest definierbarer Zustand mehr ist. Außerdem war meine allmähliche Genesung ein zunächst ebenso unmerklicher Prozess, wie mein Erkranken. Denn von der allerersten, plötzlichen und erstaunlichen Erkenntnis von "ich bin gesund!" im Sommer des letzten Jahres, bis hin zum unverbrüchlichen Entschluss, gesund sein und bleiben zu wollen und dafür auch aktiv etwas zu tun, dauerte es noch eine ganze Weile. 

Stück für Stück erkannte ich nämlich, dass wirkliche Gesundheit eine Frage der inneren Balance zwischen Körper und Seele ist, die immer wieder aufs Neue hinterfragt und austariert werden will. Damit wird es (zumindest für mich) letztendlich zu einer Frage des eigenen Bewusstseins, das es zu ergründen und zu schulen gilt. Es geht darum, ganz individuell für sich herauszufinden, was der eigenen Gesundheit, der inneren Balance dienlich ist. 

Ein für mich ganz wesentlicher Bestandteil dieser inneren Balance ist es, mit mir und meiner selbstgewählten Umwelt in Frieden zu leben und, mir sowohl meine innere, als auch meine äußere Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren. Dass ich damit womöglich andere Menschen befremde oder gar vor den Kopf stoße, ist ein Preis, den dafür zu zahlen ich allzu gerne bereit bin. 

Nicht umsonst heißt es in der Bibel: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Nur dann, wenn es mir gelingt, mich, so wie ich bin und sein möchte, vollständig anzunehmen und in einem nächsten Schritt auch zu lieben, kann ich diese Liebe auch an andere Menschen weitergeben und bin gleichermaßen offen für das, was sie mir entgegenbringen.

Und noch etwas gewinnt immer mehr an Bedeutung für mich: nämlich mich und meine Fähigkeiten, Möglichkeiten, Wünsche und Träume nicht nur immer besser kennenzulernen, sondern sie allesamt auch mit Leben zu füllen und nach Außen zu tragen. Mich mit-teilen bedeutet, das, was mich ausmacht, anderen Menschen ausgewogen und wohl überlegt anzubieten, verbunden mit dem Wunsch und auch der Hoffnung, dass sie, so wie ich selbst, davon profitieren können. 

Meine Gesundheit und mein jetziges Leben betrachte ich als großes und einmaliges Geschenk, das ich voller Freude mit anderen Menschen teilen möchte. Denn nicht umsonst heißt es: "Geteilte Freude ist doppelte Freude!"




19. November 2018

Eine Frage der Perspektive

Mir ist das Verbindende das Gemeinsame
wichtiger
als das Trennende
und abweichende Überzeugungen

Denn sie sind lediglich 
EIN Aspekt der Persönlichkeit
unter vielen
und charakterisieren einen Menschen
nur unzureichend

Wenn aber dem Trennenden 
große Bedeutung beigemessen wird
und ausschließlich den Blick
auf das Gegenüber bestimmt
kann ich diesem Menschen niemals gerecht werden

Es ist mein Bestreben
die mir nahestehenden Menschen
möglichst vollständig zu erfassen und zu verstehen
und sie in ihrer Unterschiedlichkeit
zu respektieren und anzunehmen

Nicht das Trennende ist von Bedeutung
sondern das was uns eint
Denn vielleicht haben wir 
gemeinsame Ideale
denen wir nur auf verschiedenen Wegen
entgegenstreben

Und können auf diese Weise sogar
voneinander lernen






16. November 2018

Bewusst leben

Immer mehr bei mir anzukommen
mich in all meinen Facetten
den Stärken den Herausforderungen
meinem So-Sein zu erkennen
und anzunehmen

Zu erkennen dass Alles einen Sinn ergibt
sich allmählich zusammenfügt
zu einem Ganzen
dass die Vergangenheit
die Gegenwart
und meine Zukunft
in mir zusammenfließen
in nur einem Moment

Dankbar dafür sein zu können
dass alles im Wandel begriffen ist
dass Entwicklung Wachstum bedeutet
und immer frei-willig ist

Zu erleben dass alles 
immer zur rechten Zeit
in Verbindung mit den richtigen Menschen geschieht
und die Quintessenz Liebe ist

Das alles schenkt mir Frieden
der immer stärker in mir wurzelt
und mir die Kraft verleiht
bewusst zu leben


14. November 2018

Inneres Wachstum und tiefe Einsichten

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, mir beim Veröffentlichen von Texten etwas mehr Zurückhaltung aufzuerlegen. Denn schließlich möchte ich meine werte Leserschaft nicht mit meinen Gedanken und Ideen überfluten. Aber zur Zeit geschieht in meinem Leben so viel an Entwicklung und ich gewinne für mich so viele tiefere Einsichten, dass ich wiederum ein Ventil benötige, um damit fertig zu werden und es für mich zu ordnen. Außerdem liegt es ja in der Freiheit eines Jeden, meine Texte wahrzunehmen und sich damit zu beschäftigen, oder für sich zu entscheiden, dies im Moment nicht zu tun, weil es ihm/ihr "zu viel" ist. So viel zur Einleitung.

Kennt ihr den Begriff "tiefe Einsichten"? Bis vor kurzem war mir dieser Begriff gänzlich unbekannt. Erst im Rahmen der Meditationschallenge des Psychologen und Meditationslehrers Andrej Uhrich bin ich das erste Mal damit in Berührung gekommen und war ausgesprochen neugierig darauf zu erfahren, was sich dahinter verbirgt.

Andrej beschreibt diesen Begriff als eine neue Qualität der Selbsterkenntnis, der durch regelmäßige Meditation, Selbstreflexion und achtsamen Umgang mit sich selbst, erlangt werden kann. Trotz dieser sprachlich so präzisen Definition blieb diese Erklärung bis gestern ein Abstraktum für mich. 

Schon seit Beginn der Challenge habe ich mich mit mir und mit anderen Menschen zunehmend unwohl und bisweilen sogar überfordert gefühlt, ohne erkennen zu können, warum das so ist. Ich war launisch, ungeduldig, fühlte mich ängstlich und verletzlich. In meinem Inneren fühlte ich mich eng und bedrückt. Situationen, denen ich ansonsten mit Gelassenheit und Verständnis begegnen konnte, überforderten mich komplett. Es fühlte sich fast an wie in früheren Zeiten, als ich keinerlei Kontrolle über meine Gefühle hatte. Und das, obwohl ich in den letzten Monaten sehr viel über meine Gefühle und mein Denken gelernt und mich dadurch deutlich wahrnehmbar weiterentwickelt habe. Mit einem Satz: Ich bin an mir verzweifelt!

Gestern dann geschah etwas Wunderbares: In den Tagen zuvor hatte ich mich sehr intensiv in der Meditation mit dem Begriff der Akzeptanz, dem nicht wertenden Beobachten dessen, was gerade geschieht, übend beschäftigt. Passend dazu hatte Andrej in einem Coaching-Video von "der einen Sekunde" gesprochen, in der wir kurz innehalten können, um bewusst zu entscheiden, wie wir auf einen Reiz von Außen (beispielsweise in einem Gespräch) reagieren wollen: Möchte ich mich darüber ärgern, oder darüber hinweggehen, oder vielleicht mit Humor darauf reagieren?

Bei diesen Impulsen von Andrej hatte ich sofort ein ganz besonders starkes Empfinden dazu, das heißt, ich begriff diese Ideen nicht nur mit meinem Verstand, sondern fühlte ihre hilfreiche Qualität und konnte sie unmittelbar umsetzen und für mich nutzen.

Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, was genau passiert ist. Aber es fühlte und fühlt sich noch immer so an, als hätten diese Impulse unmittelbar Wurzeln in mir geschlagen und seien nun ein Teil von mir, mit dem ich jederzeit und mühelos arbeiten kann.

Seitdem fühle ich mich wie befreit. Ich bin nun wieder innerlich weit, glücklich, leicht und voller Lebensfreude. Und ich bin sowohl mit mir, als auch mit meinen Lieben wieder im Gleichgewicht. 

Es war wohl eine "tiefe Einsicht", die mir zuteil wurde und die mir auf meinem weiteren Weg des inneren Wachstums unglaublich viel weiterhilft.






12. November 2018

Meditation - Sein und Handeln

Vor kurzem schrieb ich darüber, wie wichtig es mir inzwischen ist, das Meditieren von unnötigem Ballast zu befreien und es auf die für mich wesentlichen Inhalte zu reduzieren oder auch zu komprimieren: 

  • Völlige Akzeptanz und die wertungsfreie, genaue Beobachtung dessen, was während der Meditation geschieht.
  • Die Aufmerksamkeit immer wieder sanft auf den gewählten Fokus (Körperwahrnehmung, Atmung, Gefühle, Gedanken, usw) zurückführen, wenn ich abgelenkt werde.
  • Das Gleichgewicht zwischen Entspannung und Aufmerksamkeit immer wieder neu suchen. Denn bereits das ist der meditative Zustand, den es zu üben gilt.
Ich glaube immer mehr, dass es in der Meditation darum geht, das eigene Bewusstsein kennenzulernen und zu erforschen. Und dabei der Frage, was Bewusstsein eigentlich ist, immer ein Stück näher zu kommen, ohne sie endgültig klären zu können.

Sehr spannend finde ich dabei die Erkenntnis, dass in der Meditation zwei Qualitäten zusammenkommen: Sein und Handeln. Denn ich befinde mich ja während des Meditierens in einem Zustand: dem meditativen Zustand. Doch gleichzeitig bin ich auch aktiv, indem ich meditiere und damit eine Tätigkeit ausübe.

Es gibt immer wieder Momente während der Meditation, wo für einen ganz kurzen Moment keine Gedanken existieren. Für mich ist das ein Zustand von reinem Bewusstsein. Ich spüre dann weder Glück, noch Unruhe oder irgendeine andere Regung. Ich bin einfach in diesem Moment. 

Es gibt Menschen, für die die permanente Erlangung dieses Zustands ihr Lebensziel darstellt. Für mich ist das nicht so. Denn ungeachtet der nachträglich empfundenen Freude über dieses besondere Erlebnis, lebe ich dennoch im Hier und Jetzt und sehe mich einer Fülle von Herausforderungen im Leben gegenüber, die ich weder ignorieren will, noch kann.

Ich möchte weiter lernen, mich weiterentwickeln, neue Erfahrungen sammeln. Und das wird nur funktionieren, indem ich aktiv bin, mich konfrontiere und dabei auch gelegentlich scheitere. Und wenn es mir dann noch gelingt, die in der Meditation ständig weiter eingeübten Qualitäten Akzeptanz und wertungsfreie Beobachtung immer besser in meinen Alltag zu integrieren, die Balance zwischen Entspannung und Aufmerksamkeit aus der Meditation mitzunehmen, dann ist alles gut. 

11. November 2018

Von Annahmen und Schuldgefühlen

Ich verfüge über ein sehr stark ausgeprägtes Gefühlsleben und erlebe meine Emotionen ungefiltert und sehr intensiv und unmittelbar. Das macht es mir sehr schwer, in emotional sehr bewegenden Momenten einen klaren Kopf zu bewahren und mich von Annahmen darüber, was diese Situation wirklich bedeutet, frei zu machen. 

Es sind diese Annahmen, die uns Menschen dazu bringen, auf eine bestimmte Weise zu reagieren. Sie speisen sich aus unseren Erfahrungen und früheren Erlebnissen. Und gerade bei traurigen und belastenden Erfahrungen neigen wir dazu, diese in uns "abzuspeichern". Geraten wir dann später in eine ähnliche Situation, erwarten wir unwillkürlich, dass sie sich unabänderlich auf genau die gleiche Weise entwickeln wird, wie wir es schon früher erlebt und erfahren haben. Dementsprechend sind dann auch unsere Gefühle und Gedanken und damit auch unsere jeweilige Handlungsweise. 

Die Leser von "Grenzgänger" wissen, dass meine Mutter mich gerne durch tagelanges, eisiges Schweigen für vermeintliche Missetaten bestrafte. Dieses Schweigen war die Hölle für mich und ich fühlte mich als Gefangener meines schlechten Gewissens. 

Diese traumatischen Erfahrungen hatten zur Folge, dass ich länger andauerndes Schweigen im Miteinander noch heute als unangenehm empfinde. Selbst dann, wenn es nicht aus einer Auseinandersetzung heraus entsteht, sondern lediglich eine harmlose Denkpause darstellt. Ich fühle mich dann verunsichert und empfinde unwillkürlich Schuldgefühle, Angst und Enge, wenn auch bei weitem nicht mehr so intensiv und bedrohlich wie damals. Es ist also eine Annahme von mir, dass  Schweigen grundsätzlich eine Strafe, eine Bedrohung darstellt.

Für mich ist es ein hartes Stück Arbeit, mich von diesen negativen und belastenden Annahmen zu lösen und jede Situation ergebnisoffen und unvoreingenommen zu betrachten und auch aufzunehmen. Ich erlebe es als Mangel von (Selbst)-Vertrauen und (Selbst)-Sicherheit, der diese negativen Annahmen verstärkt und noch immer am Leben erhält. 

Allerdings darf ich durch solche Situationen auch lernen, sowohl mir, als auch meinem Gegenüber zu vertrauen, indem ich immer  öfter die Erfahrung mache, dass es eben nicht um Strafe oder Böswilligkeit geht, beziehungsweise nicht ich automatisch der Auslöser des Schweigens bin. Nicht alles bezieht sich auf mich oder mein Verhalten, sondern hat viel öfter seine Ursachen in meinem Gegenüber, wie zum Beispiel Müdigkeit oder Erschöpfung. 

Es geht also darum zu lernen, bestimmte Reaktionen und Situationen, an denen ich zwar beteiligt bin, als von mir unabhängig zu betrachten. Denn schließlich bin ich nicht das Zentrum des Universums. 





10. November 2018

Auffassungen

Jeder Mensch hat seine ureigene Auffassung davon
was ihm Liebe bedeutet
und auf welche Weise
in welcher Qualität sie
seinen Umgang mit sich und anderen bestimmt

Manche sagen
Gegensätze ziehen sich an
andere wieder 
Gleich und Gleich gesellt sich gern
und wieder andere
Was sich liebt das neckt sich

Für mich ist es eine Mischung aus Allem
in tiefster und nahester Verbundenheit
und im Anerkennen der jeweiligen Unterschiede
die weder gut noch schlecht sind
einfach weil sie sind

Ich erkenne Liebe immer mehr
als einen Weg der Selbsterkenntnis
die sich von Zeit zu Zeit
an den Grenzen 
dem Anderssein des Anderen stößt

Ich erkenne sie in ihrer Widersprüchlichkeit
und dem gemeinsamen Bemühen
diese Widersprüche aufzulösen
und im zuerst 
die eigenen Wunden heilen
um den Anderen nicht zu verletzen

Ich erkenne sie in dem Bestreben
nach innerem Frieden und nach Harmonie
die ich mir und meinem Gegenüber
gleichermaßen aus ganzem Herzen wünsche

Liebe ist kein fester unveränderlicher Zustand
sondern sie ist 
ständig in Bewegung
vereint Schmerz und Freude
Gelassenheit und Unbändiges
Gemeinsames und Einzelnes

Und sie ist das Schönste
das mir je widerfahren ist






7. November 2018

Betrachtungen zur Meditation

Seit über einem halben Jahr meditiere ich regelmäßig. Inzwischen sogar zweimal am Tag. Und auch hier im Blog schreibe ich immer wieder über dieses Thema. Dass ich dies tue, hat einen guten Grund: Denn Meditation ist für mich ein sehr essentieller Baustein für meine seelische Gesundheit und für mein inneres Wachstum, für meine geistige Entwicklung.

Warum ist das so? Ich mache jeden Tag die Erfahrung, dass keine Meditation der anderen gleicht. Jedes Mal fühlt es sich anders an. Mal bin ich sehr entspannt und fokussiert dabei. Beim nächsten Mal fällt es mir schwer, mich wirklich darauf einzulassen und ich bin innerlich angespannt und unruhig. Trotzdem lasse ich es dann nicht bleiben. Sondern ich übe mich darin, jede Stimmung, jede unterschiedliche Qualität während der Meditation einfach zu akzeptieren, ohne sie zu werten und ohne mich dabei positiv oder negativ zu beurteilen. 

Diese Akzeptanz des Hier und Jetzt zu üben, bewirkt, dass ich auch lerne, mich selbst mit all meinen Stärken und Defiziten immer besser zu akzeptieren, also wertungsfrei anzunehmen, ohne das Bestreben zu haben, daran etwas zwanghaft ändern zu müssen. 

Ein nächster Schritt ist dann immer, genauer hinzuschauen, was gerade in diesem Moment in mir und mit mir passiert. Woher kommt die innere Unruhe, oder, warum mache ich mir gerade Sorgen? Wo fühle ich die Unruhe

Auf diese Weise mache ich weitere Lernschritte, indem ich ebenso wertungsfrei zu beobachten lerne, mich also in Aufmerksamkeit und Achtsamkeit übe. 

Dieses mich Üben verhilft mir in meinem Alltag dazu, nach und nach sämtliche Situationen, Erfahrungen und Erlebnisse mit einer immer größer werdenden inneren Ruhe zu betrachten und mit ihnen umzugehen. Die Dinge werfen mich einfach nicht mehr komplett aus der Bahn. Und ich bekomme allmählich einen viel klareren Blick auf mich und meine Umgebung.

Es sind ungemein spannende Erfahrungen, die ich so täglich sammle. Ich lerne mich in meinem eigentlichen Wesen immer besser kennen und verstehen. Es ist also eine ganz neue Stufe von Selbst-Bewusstsein, die ich so täglich erfahren und erleben darf. 

3. November 2018

Männlich, Weiblich, oder einfach nur Menschlich?

Kürzlich las ich den Text einer lieben und sehr geschätzten Kollegin, in dem diese sich mit verschiedenen Aspekten der Weiblichkeit beschäftigt und wie sich die von ihr beschriebenen Stärken vollends zur Geltung bringen lassen. 

Ich fand diesen Text außerordentlich spannend und anregend. Aber gleichzeitig spürte ich starken Widerspruch in mir und den Impuls, diese Darstellung aus meiner "männlichen" Perspektive heraus zu ergänzen. 

Offen gestanden: Ich habe mir niemals Gedanken darüber gemacht, was "typisch weiblich" oder "typisch männlich" ist. Denn es war und ist niemals von Bedeutung für mich gewesen. Und auch für mein Selbstverständnis, für mein Selbst-Bewusstsein, ist es völlig unwichtig, mir immer wieder vor Augen zu führen, dass ich ein Mann bin. Oder mich zu fragen, was genau mich als Mann auszeichnet. Im Gegenteil: In erster Linie begreife ich mich als Mensch, der bestimmte Eigenschaften und sowohl Stärken als auch Schwächen in sich trägt. Das Gleiche gilt für meine Betrachtungsweise der Frauen. Denn bei genauerer Betrachtung tragen sie genau die gleichen Eigenschaften in sich, in jeweils individueller Ausprägung. 

Auch die uralten Diskussionen und Geschlechter-Streits um Gleichberechtigung, Unterdrückung, usw. konnte ich aus meinem Erleben heraus nie wirklich nachvollziehen. Denn Frauen waren für mich, solange ich denken kann, immer Menschen wie ich einer bin. Und es war immer selbstverständlich für mich, sie auch genauso zu behandeln, mit ihnen umzugehen. 

Ich habe in meinem Leben gleichermaßen taffe, einfühlsame, gefühlsbetonte und intellektuell starke und schwache Frauen und Männer kennengelernt. Und somit beschränken sich die Unterschiede für mich lediglich auf die sichtbaren Geschlechtsmerkmale. 

Die für mich entscheidende und weitaus wichtigere und spannendere Frage lautet also: Was macht uns gemeinsam als Menschen aus? Und: Auf welche Weise können wir uns gegenseitig ergänzen und beflügeln?

Es geht für mich also viel mehr um das Gemeinsame, als um das Trennende. Ich bin der festen Überzeugung, dass Mann und Frau nur gemeinsam das gesamte Potential des Menschseins verkörpern und zur vollen Entfaltung bringen können

Also lasst uns doch die überkommenen Betrachtungsweisen hinter uns lassen und zusammen als Männer und Frauen an unserem Mensch-Sein arbeiten!



Mein neuer Text im Compassioner: Leben als transformativer Weg des Lernens

Leben als transformativer Weg des Lernens und der Selbsterkenntnis

31. Oktober 2018

Friedvolle Stille

Zur Zeit genieße ich
die innere Ruhe meinen Frieden
die völlige Übereinstimmung
den Müßiggang

Es ist gelebte und erfüllte Freiheit
über die ich selbst mit mir nicht diskutiere
sondern ich koste sie aus
und lasse meine Seele atmen

So haben Impulse und Ideen
Zeit zum Reifen
und müssen nicht überhastet
und unausgereift an die Öffentlichkeit

Stattdessen ordnen sie sich
in der friedvollen Stille meines Geistes
währenddessen ich einfach
das Leben spüre und genieße

28. Oktober 2018

Warum Dankbarkeit mir so wichtig ist

Noch vor zwei Jahren war ich ein Gefangener meiner Depressionen. Ich befand mich in Therapie und es fiel mir außerordentlich schwer, positive Gefühle wie Glück, Zufriedenheit oder Freude, in mir überhaupt wahrzunehmen. Stattdessen bestimmten Angst und Unsicherheit meine Gefühlswelt.

Ziemlich genau vor zwei Jahren nahm eine große Veränderung in meiner Selbstwahrnehmung ihren Anfang: Mit einem Mal war ich dazu imstande, liebevolle Anteilnahme und Zuwendung, sowohl durch die Mitglieder meiner Therapiegruppe, als auch durch Freunde und Geschwister wahrzunehmen und zu erleben. Ich empfand Freude und Glück! Und Dankbarkeit für die unglaubliche Wärme, die mir durch diese Menschen zuteil wurde.

Es sollte aber noch längere Zeit dauern, bis ich diesen ungewohnten und bisweilen überwältigenden Gefühlen zu vertrauen lernte. Denn noch immer hatte die Depression mich im Griff. Und die erlebte Freude erwies sich als noch längst nicht nachhaltig.

Nur ganz allmählich erkannte und verstand ich, dass die Gefühle, die mir entgegengebracht wurden, tatsächlich echt und von Dauer waren. Sie beruhten auf Sympathie mir gegenüber und darauf, dass ich mich immer mehr öffnete und mich in meinem So-Sein, wie ich bin, zu zeigen traute. 

Allerdings war es noch ein weiter Weg vom Erleben von Dankbarkeit dahin, diese auch bewusst zu formulieren und auszusprechen. Zwar fühlte ich sie, konnte sie aber noch längst nicht in Worte fassen. 

Erst im Laufe des letzten Jahres, nachdem ich damit begonnen hatte, mich intensiver mit meinem Gefühlsleben und seinen Auswirkungen auf mich und andere Menschen zu beschäftigen, erkannte ich die Bedeutung und Wichtigkeit von Dankbarkeit für mich und meine Genesung. Und je mehr ich mich mit diesem Thema auseinandersetzte und infolgedessen auch Dankbarkeit erfuhr, desto intensiver und nachhaltiger fühlte und erlebte ich ihre heilsame, befreiende Wirkung auf mich. Zusätzlich erlebte ich immer häufiger, dass, je mehr Dankbarkeit ich empfinde und bewusst und zielgerichtet auch an andere Menschen weitergebe, sie daran teilhaben lasse, sie sich spürbar in meinem Leben vermehrt. 

Mittlerweile ist Dankbarkeit ein fester Bestandteil meines Lebens: Meinen Tag beginne ich damit, dass ich unmittelbar nach dem Aufwachen für meinen guten Schlaf, für den neuen Tag, für mein Leben und für meine Gesundheit danke. Auch in meiner Meditationspraxis hat sie inzwischen ihren festen Platz: "Meine Dankbarkeit öffnet mein Herz für alles Gute und Schöne!" ist der Satz, mit dem ich alle meine Meditationen beschließe. Auch vor dem Einschlafen sage ich nochmals Dank für den Tag und für die Begegnungen und Erfahrungen, die ich während des Tages hatte. Auf diese Weise schlafe ich friedlich und mit guten Gedanken ein.

Dankbarkeit bewusst zu praktizieren, ist eine Frage der Übung. Und stumpfe Routine ist der Feind von Aufmerksamkeit und bewusstem Handeln. Deswegen muss ich von Zeit zu Zeit innehalten und mir die Wichtigkeit von Dankbarkeit immer wieder neu vor Augen halten. Denn ansonsten wird sie zum Automatismus und verliert ihre Wirksamkeit. Aus diesem Grund betrachte ich Dankbarkeit für mich als einen Übungsweg, den zu gehen ich mich jeden Tag ganz bewusst entscheide. Und wenn ich etwas erlebe, das Dankbarkeit in mir hervorruft, dann halte ich für einen Moment inne und lasse dieses Erlebnis in mir ganz bewusst nachwirken. 

Dass ich heute diesen Text geschrieben habe, war ein solch bewusster Moment. Es war mir wichtig, diesem Gefühl, das so viel mehr ist als ein bloßes Gefühl, nämlich eine innere Haltung, noch einmal nachzuspüren und ihm Raum zu geben. Für heute und für den Rest meines Lebens.


24. Oktober 2018

Einfachheit

Immer deutlicher erkenne ich
dass nur in der Einfachheit 
in der Schnörkellosigkeit 
die Wahrheit zu finden ist

Anstatt die Dinge unnötig zu verkomplizieren
sie mit schönen Worten und komplexen Ritualen
auszuschmücken
nenne ich sie schlicht beim Namen

ICH BIN
und
ICH LIEBE
sind der Schlüssel
zu meinem Sinn zu meinem Sein

Und je tiefer sich mir
der Sinn die Substanz die Kraft
dieser Worte erschließen
umso mehr bin ich dazu imstande
sie auch zu leben

21. Oktober 2018

Blick nach Innen

Wende den Blick nach Innen
versuche zu ergründen was mich
aufhält und blockiert
mich daran hindert
wirklich frei zu sein

Erkenne dass ich mir selbst
im Weg stehe
zu vieles auf Einmal will
anstatt mich auf das Wesentliche
zu fokussieren

Neige dazu
mich zu verzetteln
von Idee zu Idee zu eilen
und die Blumen hinterm Zaun
sind viel bunter als die meinen

Dabei ist mein Weg der
gründlich zu sein
zum Kern vorzudringen
ohne mich dabei
festzubeißen

Aber die Seele wirklich
zu entspannen
und ein Fundament aus 
festverwurzelter liebevoller Dankbarkeit
zu erschaffen
fällt noch immer schwer

Ertappe mich dabei
mich selbst zu geißeln
wenn ich unsicher bin
anstatt glücklich über das 
schon Erreichte zu sein
und systematisch darauf aufzubauen

Erkenne die Schatten des Vergangenen
die mir den Erfolg nicht gönnen
aus Angst davor zu verschwinden
nicht länger bedeutsam zu sein

Manchmal benötigt das Gute Wahre Schöne
länger um seinen Platz zu behaupten
und so will ich mich
in Geduld und Verzeihen üben
und lernen mir zu vertrauen






19. Oktober 2018

Aus der Stille

Inmitten meiner lauten Gedanken
meiner starken Wünsche und sehnenden Hoffnungen
suche ich die Ruhe
jenseits von allem das mich vorwärts drängt

Denn sie alle zerren an mir
und versperren mir den Blick auf das
was wirklich ist
was sein möchte

Nicht länger mit aller Macht etwas erreichen wollen
und nach guten Eigenschaften suchen
die ein fernes Ideal sehnsüchtig bestätigen
sondern einfach sein
denn Ich bin

Ganz allmählich erkenne ich
dass in der Stille meines Seins
alles längst vorhanden ist was mich ausmacht
und erst durch Loslassen und bedingungsloses Vertrauen
ans Tageslicht gelangen kann

So erkunde ich die Stille und die Ruhe
lausche in Demut meiner Seele
lerne in Gelassenheit dankbar zu vertrauen
und mich wirklich in meinem So-Sein anzunehmen

Was jetzt wirklich zählt
ist das Hier und Jetzt
und nicht länger das Gestern oder Morgen

Ich lerne mich von Selbstzweifeln und Ängsten
zu verabschieden
wie auch von Annahmen und Zuschreibungen der Anderen

Ich lerne mich zu lieben
die darin verborgene Freiheit zu erkennen zu be-greifen
und je mehr ich mich zu lieben lerne
kann ich diese Liebe auch Anderen schenken


15. Oktober 2018

Wie das Schreiben mein Leben veränderte: Ein Gastbeitrag von Carolin Stark


Ich habe schon immer gern geschrieben: früher Tagebuch, heute Briefe, Karten, Mails. Das was mich bewegt, bringe ich gern zu Papier. Und teile es mit Freude. Sprache ist mir wichtig. Ich habe Spaß daran, Worte bedacht und mit voller Absicht zu wählen. Mir tut es gut, mich schriftlich auszudrücken; ich sortiere mich gern während des Schreibens. Auch heute schreibe ich lieber, als dass ich telefoniere, obgleich ich mir der Vorteile des Telefonierens durchaus bewusst bin.

Ich liebe es, mich hinzusetzen. Neben und vor mir ausgewählte Details - Kerzenlicht, Kaffee, ätherische Öle - die mich motivieren. Ich schreibe per Hand oder tippe in die Tasten. Im Winter vor fast drei Jahren, in der Ruhe am Meer, verfasste ich meinen ersten kurzen Text, von dem ich wusste, er würde nach „draußen“, in eine Öffentlichkeit gehen. Der Titel lautete „Ehrlich direkt – direkt ehrlich“. Kurz darauf entstanden die Zeilen zu „Bei sich selbst zu Hause sein“. Als Mutter, Musiktherapeutin, Menschenliebhaberin und Sinnsucherin fiel es mir nicht schwer, passende Worte zu finden.

Meine Intention war mir auch sehr schnell klar: 

Ich will und wollte Menschen dazu anregen, sich selbst zu reflektieren, darüber nachzusinnen, was für sie Wert und Sinn hat – zu wem oder was sie „Ja“ sagen in ihrem Leben. 

Ich möchte Menschen ansprechen, die sich trauen, sich ehrlich zu betrachten, sich selbst auf die Schliche zu kommen. Zeitgenossen, die frei und groß denken. Menschen, die kraftvoll, mutig, leicht und gleichzeitig selbstkritisch ihren Weg gehen. Auch wünsche ich mir, durch Anekdoten zu unterhalten. Meine Themen sind meine Vorstellungen von Lebenskunst: Selbstfürsorge, bewusste, wache Kommunikation, die Tiefen und Abgründe des Lebens. Dazu gleich mehr.

Die Reaktionen auf meine Texte, die ich im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis via Mail verschickte, waren überwiegend positiv: Einige erlebten meine Zeilen als „kleine Geschenke“, anderen sprach ich offenbar direkt aus Herz und Seele. Auch erhielt ich die Rückmeldung, ich sei in der Lage, die „Tiefen und Abgründe des Lebens auszuloten“. Letzteres inspirierte mich besonders, denn ja, mir liegt es, auch über Themen zu schreiben, zu denen nicht allzu viel zu finden ist, so auch Tabuisiertes: Schattenarbeit, unliebsame Eigenschaften, Schwierigkeiten in der Kommunikation, Thema Tod.

Mit Hilfe des Buches „Werde verrückt“ von Veit Lindau und vielen, vielen kleinen Schritten brachte ich dann im Frühjahr 2016 meinen Lebenskunst-Blog „auf die Straße“: www.seisofrei-lebenskunst.de. Und spürte: Ich wollte weiter hinaus, aus mir heraus, ich wünschte und wünsche mir mehr Leser, mehr Reichweite. 

Ich hatte Lust auf mehr Resonanz, auch mehr Abenteuer

Nicht zu wissen, was kommt, wie was ankommt, was meine Worte auslösen. Auch wollte ich etwas erschaffen und andere ermutigen, ihre ganz eigene Wahrheit zu leben. Mein Blog sollte ein Ort des Mitgefühls und der Wertschätzung werden. Die Freude ist immer noch riesig, wenn ich mit Gleichgesinnten in den Austausch komme und wir uns gegenseitig inspirieren.

Das Schöpferisch-Tätigsein ist meins – in der Musik, im Schreiben, Fotografieren, während der Kundalini-Yoga-Praxis, einfach im Sein, kann ich mich ausdrücken, meine Kreativität leben – und andere auf diese Weisen berühren. 

Die Ausbildung zur Kundalini-Yogalehrerin, die ich zeitgleich zu den „Schreib-Schritten“ absolvierte, veränderte mich: Ich lernte mich tiefer kennen, wurde mutiger, präsenter. 

Aus Mut erwächst Mut, oh ja! 

Sichtbarer werden, immer neue Bühnen betreten – sei es als Musiker, der sein Publikum in der Tiefe berühren möchte, sei es als Autor oder Blogger, der etwas Preis gibt, das wiederum ihn in der Tiefe berührt – machte mir immer mehr Freude. Und tut es heute.

Parallel zum Blog suchte ich weitere Orte und Plattformen, in denen ich mich „austoben“ konnte: So kam ich mit dem Online-Magazin "Compassioner" in Kontakt und schreibe dort auch heute noch leidenschaftlich gern. Mittlerweile hat es einer meiner Artikel, „Sich dem Leben hingeben“, sogar in eine Print-Ausgabe des Maas-Magazins geschafft, worauf ich sehr stolz bin.

Und so folge ich weiter der Freude und vor allem meinen inneren Impulsen, meinem Herzen. Meine Leser möchte ich gern dazu ermutigen, das zu leben und “auszuspucken”, was in ihnen steckt

Dranzubleiben an einer Sache, selbst wenn’s holprig wird. 

Erfolg kann heißen: zu wissen was du in der Tiefe willst und dich dann auf den Weg zu machen, dein Potential dafür einzusetzen. Und: Scheitern ist nicht nur ok, sondern wichtig und lehrreich.

Einen herzlichen Dank an Eckhard, mit dem ich mich menschlich und schriftstellerisch verbunden fühle.

In diesem Sinne: Gehaben wir uns wohl!
Carolin Stark

Über Carolin Stark  


Carolin Stark schreibt fein beobachtend über Heiteres, Kurioses und zum Nachdenken Anregendes aus ihrem Leben. Dabei scheut sie sich nicht davor, die Tiefen und Abgründe des Lebens – Tabuisiertes, Tod und Triggerndes  - auszuloten und ehrlich zu reflektieren. Ihre Leser*innen möchte sie dazu anstecken, mit sich selbst in Tuchfühlung zu kommen und sich bewusst, tiefgehend und gleichzeitig wertschätzend zu beobachten.