Mittwoch, 9. August 2017

Krankheit und Dankbarkeit

Um Missverständnissen vorzubeugen: Dass ich der festen Überzeugung - ja, Gewissheit bin, meine psychische Erkrankung hinter mir gelassen zu haben - bedeutet keinesfalls, dass ich beschlossen habe, sie zu ignorieren, oder gar zu verdrängen. Ganz im Gegenteil: Sie wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Leben haben! Denn schließlich hat auch sie dazu beigetragen, dass ich heute genau der Mensch sein kann und sein möchte, der ich bin.

Auch wenn es ein äußerst mühsamer, langer und oft schmerzhafter Weg mit ihr war, bin ich unendlich dankbar für die Erfahrungen und Erlebnisse, die ich mit und durch sie machen durfte! Sie hat mich gelehrt, vorurteilsfrei und voller Mitgefühl auf andere Menschen zu blicken, Ungerechtigkeiten zu erkennen und, immer mehr und fokussierter auf mich und meine Bedürfnisse zu achten. 

Das alles sind unglaublich wertvolle Erfahrungen, die ich ohne diese Krankheit nicht hätte machen können und für die ich daher nur dankbar sein kann.

Ich habe lernen dürfen, dass Erkrankungen auch immer Chancen auf Entwicklung in sich tragen, wenn man bereit ist, diese zu erkennen und auch zu nutzen. Mich hat das anfangs sehr viel Mut und Überwindung - inklusive einiger Rückschläge - gekostet. 

Bis vor Kurzem war Dankbarkeit etwas, das ich zwar zu fühlen vermochte; aber erst jetzt beginne ich, die Tiefe und Fülle dieses Gefühls zu begreifen. Ich bin dankbar, dankbar sein zu können!

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