Samstag, 12. August 2017

Dankbarkeit, Demut und Großmut

Während besonders intensiver gedanklicher und gefühlsmäßiger Arbeit kann es geschehen, dass sich urplötzlich alte Denk -und Verhaltensmuster zu Wort melden, von denen ich annahm, sie schon längst verabschiedet und losgelassen zu haben. Denkste! 

Als Kind und als Jugendlicher bekam ich immer wieder zu hören, wie egoistisch und selbstbezogen ich sei. Und je länger diese Zuschreibungen in mir wirksam sein konnten, umso größeren Einfluss bekamen sie auf mich, sodass ich dann irgendwann tatsächlich genau das wurde: Egoistisch und selbstbezogen.

Depressionen sind eine sehr egoistische Erkrankung, denn bei ihnen dreht sich alles um einen selber und die Umgebung wird vollkommen unwichtig. Man ist nur bei sich! Sie sind also womöglich (zumindest in meinem Fall) eine Art Manifestation der einem von anderen Menschen zugewiesenen Charaktereigenschaften.

Verlustängste sind ein Ausdruck dafür, wie wenig man sich selber zu schätzen weiß und, wie wenig man selber dazu imstande ist, sich und seinem Leben Gutes zuzusprechen. Ich habe ja schon mehrfach darüber geschrieben.

Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Befreiung von Gefühlen und Gedanken ist, sich auch mit diesen negativen (wenn auch berechtigten) Gefühlen und Denkmustern auseinanderzusetzen und sie als gleichberechtigt zu all dem Positiven zu begreifen und anzunehmen. Sie sind nur ein weiteres Mosaiksteinchen der gesamten Persönlichkeit!

In einer bedingungslos ehrlichen und genauso liebe -und vertrauensvollen Beziehung oder auch Freundschaft zweier Menschen zueinander, gehört es dazu, dass man einander auch kritisieren darf und sollte. Denn die Kritik hilft dabei, eigene Fehler zu erkennen und diese dankbar und demütig zusammen mit der Kritik anzunehmen.

Dankbarkeit und Demut in diesem Zusammenhang tatsächlich tief zu empfinden, ist eine große Aufgabe! Denn kein Mensch lässt sich wirklich gerne auf eine nervige Marotte, oder eine Charakterschwäche hinweisen. Denn das tut weh - völlig unanbhängig davon, wie berechtigt und angemessen dieser durchaus liebevoll gemeinte Hinweis ist.

Umso schöner und beglückener ist die Erfahrung, wenn einem diese Fehler und Schwächen dann mit Großmut vergeben werden, also nicht bei nächster Gelegenheit wieder hervorgeholt und aufgerechnet werden. 

Wirklichen Großmut empfangen zu dürfen ist ein großes Geschenk. Und für dieses Geschenk bin ich wirklich tief dankbar!

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