Sonntag, 2. Juli 2017

Wie es ist

Ich bin kein pflegeleichter Mensch. Ganz im Gegenteil: Ich bin schwierig und ich bin ein äußerst komplexer Mensch, der über vieles (vielleicht zu vieles) nachdenkt, und dessen Gefühle häufig ihre ganz eigenen Wege gehen.

Manchmal wünsche ich mir, ich könnte das Leben mit mehr Leichtigkeit und Unbeschwertheit angehen - mehr genießen und den Dingen einfach ihren Lauf lassen. Einfach auf Menschen zugehen, neue Freundschaften schließen und ohne Komplikationen Vertrauen schenken. Aber das alles ist nicht leicht für mich, denn ich bin und ich bleibe ein Gezeichneter. 

Manchmal wird mir alles zu viel und selbst Kleinigkeiten überfordern mich. Dann bin ich aggressiv und ungeduldig. Andere Menschen sollten mir dann besser aus dem Weg gehen; ansonsten bekommen sie die volle Ladung ab und wissen nicht einmal, wie ihnen geschieht. Das ist ungerecht und ich schäme mich dafür - entspricht dieses Verhalten doch in keiner Weise meinem Anspruch an mich selber, an meine Umgehensweise mit anderen Menschen. Eigentlich möchte ich Allen mit Respekt, mit Langmut und Verständnis begegnen. Aber wenn es mir scheiße geht, funktioniert das nicht und die Menschen, die mir zu nahe kommen, werden zu meinem ganz persönlichen Blitzableiter - ohne, dass ich es eigentlich will.

Manchmal triff mich mit voller Wucht die Erkenntnis, wie isoliert ich lebe und wie entfremdet ich dem "normalen", alltäglichen Miteinander inzwischen bin. Dann spüre ich sie wieder, die unsichtbare, gläserne Wand zwischen mir und den Menschen, durch die ich alles nur wie aus der Ferne wahrnehme - verschwommen und uneindeutig - was von meiner Seite oft zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen führt. Das bekomme ich dann unmittelbar zu spüren - durch Unverständnis und berechtigten Ärger. Und mir geht es noch beschissener.

Die meisten Menschen haben ein erfülltes Leben - mit Freunden, Familie, Arbeit und alltäglichen Verpflichtungen. Ich habe das nicht, zumindest nicht in dem Maße, als dass ich mich ohne Schwierigkeiten in ihre Denk- und Handlungsweisen hineinversetzen könnte. Und auch das führt wiederum zu Missverständnissen und belastenden Missklängen im Miteinander.

Ich bin ein sehr verbindlicher und verlässlicher Mensch. Eigentlich sind das überaus positive Eigenschaften. Aber ich erwarte Gleiches auch von meinen Mitmenschen. Und das sollte ich nicht, denn jeder Mensch ist anders und hat seine eigenen Prägungen und Umgangsformen. Auch bin ich sehr ehrlich und direkt; sage was ich denke und empfinde. Aber manchmal ist es besser, tolerant und beherrscht zu sein, um andere nicht zu verletzen. Mir fällt das schwer, der ich es mir angewöhnt habe, mein Herz auf der Zunge zu tragen. Das hat seine Gründe, ist aber nicht in jedem Fall entschuldbar oder verständlich für die Anderen.

Im Moment bin ich müde, traurig und restlos erschöpft und von allem überfordert. Ich brauche Ruhe, um mein inneres Gleichgewicht wiederzufinden und um zwischen der Welt und mir mal wieder Frieden zu schließen. Bitte gebt mir die Zeit!




Kommentare:

  1. Hallo. Ich habe von einer andren Seite auf deine gefunden. Und dieser Eintrag hier hat mich sehr berührt, da ich momentan sehr ähnlich fühle wie du. Nur dass ich diese Gedanken nicht so gut in Worte fassen kann wie du. Danke dafür. Nimm dir Zeit, tue dir was Gutes, komm zur Ruhe und vor allem sei nicht hart zu dir selbst. Der Kampf gegen die Depression und andere (psychische) Krankheiten frisst soviel unserer Energie auf , dass es ok ist auch müde, wütend, traurig,enttäuscht, ängstlich (jedes Gefühl, Empfinden ist hier berechtigt) usw zu sein. Ich schicke dir viel Kraft und Sonne für diese dunklen Tagen und hoffe du findest bald wieder etwas mehr Ruhe für dich selbst. Viele lG Nadja,

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  2. Ganz lieben Dank für deine lieben und aufmunternden Worte, Nadja! Das tut gut...

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