Dienstag, 18. Juli 2017

Vertrauen lernen

Vertrauen ist ein wirklich großes Wort. Und es begleitet mich schon seit meiner Kindheit, allerdings eher durch sein Fehlen. Ich konnte nie vertrauen - weder meinen Eltern, noch meinen Lehrern oder Schulkameraden. Aber am wenigsten mir selber.

Von meiner Mutter lernte ich, dass man mir nicht vertrauen kann. Von anderen Menschen lernte ich, dass ich nicht vertrauen kann und, dass wenn ich vertraue, dieses dann aufs Heftigste enttäuscht wird.

Mir selber Vertrauen zu schenken, kam mir nie in den Sinn. Und warum hätte ich es auch sollen? Denn schließlich bewies ich mir immer wieder, dass ich für diese Welt nicht tauge, nicht hineinpasse und an ihr und mir immer wieder scheitere.

Das Nicht Vertrauen Können wurde zum ständigen Begleiter und unausgesprochenen Vorwurf, der mir immer wieder begegnete, wenn Vertrauen erwartet wurde, als Selbstverständlichkeit. Ebenso wie der Vertrauensmissbrauch, dessen ich immer wieder Schuldig wurde - weil ich es nicht anders konnte und nie gelernt hatte.

Für mich ist Vertrauen zu einem langen und steinigen Weg geworden, den zu gehen äußerst mühsam ist und der mich immer wieder an Orte brachte, an denen ich nicht sein oder bleiben wollte. Denn Vertrauen bedingt Vertrauen und es bedingt Mut, sich dem Ungewissen zu stellen. Wenn ich aber weiß, dass Ungewissheit Schmerz und Niederlage bedeutet - was dann?

Erst in den letzten Jahren waren die wirklich guten Erfahrungen so nachhaltig und wirksam, dass sie ein immer festeres Fundament bildeten, auf dem mein Vertrauen stehen und wachsen konnte. Aber Wachstum braucht Zeit, damit es ebenfalls nachhaltig und konsistent sein kann. 

Was für andere selbstverständlich ist und manchmal sogar als eine Art Vorschuss gewährt wird, ist für mich noch immer neues Gelände. Aber inzwischen erkunde ich es gerne und voller Neugier. Ich lerne, zu vertrauen!

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