Montag, 10. Juli 2017

Onlinedating - Fluch und Segen?

Ich bin ein sehr verbindlicher und auch verlässlicher Mensch und setze (vielleicht naiver Weise) diese Eigenschaften auch bei anderen Menschen voraus. Ich brauche diese Eigenschaften, um mich mit anderen Menschen wirklich wohl und sicher fühlen zu können. Denn nur mit dem Gefühl von Sicherheit, von Verlässlichkeit, kann ich Vertrauen entwickeln und mich meinem Gegenüber allmählich öffnen.

Im Onlinedating bin ich mit diesen Eigenschaften ein "weißer Rabe": Ich falle mit ihnen auf und offensichtlich aus dem Rahmen. Das ist auf die Dauer schon frustrierend und jede erste Begegnung, die am Mangel dieser Eigenschaften beim Gegenüber schon vorab scheitert, lässt mich an meiner Entscheidung diesen Weg des Kennenlernens gewählt zu haben, mehr und mehr zweifeln. 

Allerdings hat es auch einen gewissen Reiz, sich auf genau dieses unverbindliche Spiel einzulassen und einfach eine gewisse Beliebigkeit bei der Auswahl auf den ersten Blick interessanter und vielleicht auch attraktiver Frauen walten zu lassen. Es hat etwas von Schaufensterbummel, sich zahlreiche Fotos und Profile anzuschauen und auf interessante Übereinstimmungen und optische Reize hin zu überprüfen. Ein paar ebenso nette, wie unverbindliche Zeilen sind schnell geschrieben und manchmal reicht das schon aus, um die Neugier des Anderen zu wecken. 

Aber es kann eben auch sehr schnell kippen, wenn dann mein Interesse tatsächlich geweckt ist und meine Automatismen (Verbindlichkeit und Verlässlichkeit) anfangen zu greifen. Es ist dann jedes Mal eine kleine Enttäuschung für mich, wenn der Kontakt entweder vom Gegenüber abrupt beendet wird, oder wenn ich feststellen muss, dass die Erwartungen an ein wirkliches Kennenlernen einfach zu unterschiedlich sind.

Ich stelle bei mir eine gewisse Ambivalenz fest, was dieses Thema betrifft: Einerseits übt diese Welt eine wirklich starke Faszination auf mich aus und andererseits fühle ich mich dort fremd und unbehaglich. Es ist definitiv nicht meine Welt! Viel lieber würde ich eine Frau auf andere Weise kennenlernen und eben nicht virtuell, wo Vieles mehr Schein als Sein ist, und meinen Wertvorstellungen und Überzeugungen diametral gegenübersteht.

Aber wer weiß? Vielleicht findet sich am Ende doch noch ein zweiter weißer Rabe und alles wendet sich zum Guten...

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