Donnerstag, 27. Juli 2017

Meine Komfortzone - Zwischen Veränderung und Wohlempfinden

Wir alle haben unsere persönliche Komfortzone aus liebgewonnenen Gewohnheiten, Ritualen und Denkmustern. Sie schenken uns Sicherheit, Geborgenheit und so etwas wie Struktur. Wenn wir von anderen Menschen verletzt oder enttäuscht werden, gibt es immer Eines, worauf wir uns verlassen und wohin wir uns zurückziehen können: Die Komfortzone.

Ich tue mich sehr schwer mit Veränderungen, denn sie bereiten mir noch immer große Angst und Unsicherheit. Viel zu lange waren für mich die Begriffe Veränderung und unausweichliches Scheitern durch sehr eindrückliche und schmerzhafte Erfahrungen schier untrennbar miteinander verknüpft. Und doch hat es immer wieder unmerkliche Veränderungen gegeben, die nicht in einem totalen Schiffsbruch gemündet sind: Ich habe damit aufgehört, mich durch komplizierte Lügengeflechte vor Verletzungen und Zurückweisungen zu schützen und es hat mir gut getan! Ich habe damit begonnen, über mein Leben, meine Gedanken und Gefühle zu schreiben, mich zu öffnen. Und es hat mir ebenfalls gut getan! Zur Zeit bin ich im Begriff, neue Menschen kennenzulernen, ihnen eine Art "Vorschuss-Vertrauen" zu gewähren. Und... Ratet mal!

Unmerklich habe ich mich damit in den verschiedensten Lebensbereichen von meiner Komfortzone entfernt und so neue Erfahrungen und Erlebnisse sammeln dürfen. Aber das alles braucht auch Zeit und ein gewisses Maß an Vertrautheit, an liebgewonnener Gewohnheit ist geblieben und wird auch bleiben - für mein Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrautheit. Und ich glaube, dass jeder Mensch eine Art "sicheren Ort" benötigt, wo er sich geborgen und aufgehoben fühlt und an dem er ausspannen kann.

Zur Zeit erlebe ich sehr viele Veränderungen und Umbrüche in meinem Leben. Das ist gut und richtig so! Aber es ist eben auch eine große Herausforderung an mich, meine Gewohnheiten und an die "Trägheit der Masse".

Meine Depressionen haben in den letzten zwei Jahren spürbar an Intensität und Bedrohlichkeit verloren, aber sie werden mich nie vollständig verlassen. Und das ist so in Ordnung! Auch meine Angst davor, mich anderen Menschen wirklich zu öffnen, mich auf sie und die Nähe einzulassen, ist deutlich weniger geworden, aber sie ist noch immer spürbar vorhanden. Ob das so bleibt? Ich weiß es nicht! Aber auch damit kann ich leben.

Veränderungen brauchen Zeit und ich kann sie so lange zulassen, wie ich sowohl ihr Tempo, als auch ihren Rhythmus selber bestimmen kann. Werde ich, oder fühle ich mich überfordert, oder unter Druck gesetzt, dann brauche ich eine Pause, in der ich mich erholen und in der ich Atem schöpfen kann.

Für mich geht es darum, zwischen der Notwendigkeit von Veränderung für eine bessere Lebensqualität einerseits und meinem großen Bedürfnis nach Sicherheit und Verlässlichkeit für mein Wohlempfinden andererseits, jedes Mal sorgfältig und mit Bedacht abzuwägen. Voreilige und impulsive Entscheidungen führen meist zu nichts Gutem, sondern zu Enttäuschung und gefühlten Rückschritten. Es geht also - wie bei so vielem - um die richtige Balance.

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