Sonntag, 9. Juli 2017

Depressionen erklären?

Gestern hatte ich ein längeres Telefonat mit einer lieben Freundin, die ebenfalls seit vielen Jahren unter Depressionen leidet. Eine Frage, die sie zur Zeit immer wieder umtreibt lautet, wie man außenstehenden Menschen vermitteln und erklären kann, wie sich eine Depression tatsächlich anfühlt. Anlass dafür war ein Gespräch mit einem Familienmitglied, das sie nach ihren eigenen Depressionen gefragt hatte und wohl sehr ungläubig und verständnislos auf ihre Erklärungsversuche reagiert hat.

Tatsächlich ist das eine sehr schwierige Frage! Während des Telefonats musste ich nämlich feststellen, dass auch mir darauf keine befriedigende Antwort einfallen wollte und, dass ich bislang selber nie in der Sitaution war, diese Aufgabe lösen zu müssen. Weder in meiner Familie, noch im Freundeskreis lassen sich Menschen finden, denen ich meine Begrenzungen, meine zwischenzeitliche seelische Erstarrung, in der ich bisweilen gefangen bin, näher erläutern müsste. Denn sie alle kennen das entweder aus eigenem Erleben, oder sind zumindest so einfühlsam, dass sie keine Erklärung benötigen.

Für mich ist das eine große Erleichterung. Denn etwas erklären zu müssen, das sich nur schwer erklären lässt und das bei anderen Menschen Unverständnis und Ratlosigkeit auslöst, ist eine zusätzliche große seelische Belastung, die die eigene, ohnehin schon schwierige Situation zusätzlich verschärft. Denn man fühlt sich unter Rechtfertigungsdruck und hat gleichzeitig das Gefühl, mit der eigenen Erkrankung unglaubwürdig zu sein. Das kann dazu führen, die Wirklichkeit des eigenen Leidens selber infrage zu stellen und Schuldgefühle zu entwickeln - etwas, das unser Leben ohnehin schon ausreichend belastet.

Ich habe eine Bitte an Euch: Wie wäre es, wenn Ihr Euch zu diesem Thema Gedanken machtet und sie mir in Schriftform als Kommentar zu diesem Text zukommen ließet? Es könnte ein sehr spannender und bunter Gedankenteppich entstehen, der vielleicht auch meiner Freundin helfen könnte, Erklärungsansätze zu finden. Wer ist dabei?





Kommentare:

  1. Meine Depression beschreibe ich meist als Dampfsauna. Alles ist vernebelt, man watet irgendwie durch durch die drückende Luft. Atmen fällt einem schwer, jede Bewegung ist anstrengend und wird anstrengender, je länger man sich darin befindet. Meine Gedanken kreisen ständig um alles mögliche, sie werden einfach nicht still. Und immer wieder blitzt da ein Wort auf: Hoffnungslos.
    Ich bin on einer hoffnungslosen Lage, keiner versteht was mit mir los ist und ich fühle mich einsam in mir gefangen. Als hätte man einen venezianischen Spiegel vor den Augen, du siehst hinaus aber du stehst dahinter in dieser dicken, wabernden, heißen Dampfschicht, ganz für dich allein. Sie können dich ansehen, aber sie sehen dich nicht wirklich.
    Nur leider kommt man aus dieser Dampfsauna nicht mehr heraus. Sie folgt einem wie die Regenwolke in den Comics, jegliche Anstrengung ist umsonst denn sie wird bleiben.

    Die Depression ist der cm der zwischen deiner Hand und der deiner Mutter, die du erreichen möchtest aber du kommst einfach nicht ran.
    Sie ist das Blei das in deinen Venen fließt und dich hinunterdrückt, sie ist der Bär der dich in seiner kräftigen Pranke hält und die Sonne, die so unerbittlich brennt wenn die Ernte längst verdorrt ist und du gegen den Hungertod kämpfst.

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  2. Von Heike Pfennig:
    https://www.michael-heike-pfennig-2010.de/2017/02/18/erinnere-dich-und-ich-beschreibe-dir-wie-meine-depression-geht-mein-versuch-mein-leben-mit-der-depression-m%C3%B6glichst-einfach-zu-erkl%C3%A4ren/

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  3. Manchmal fühlt es sich an wie Liebeskummer, nur das der nicht aufhört. Alles ist schlecht, ohne Hoffnung, gefühllos....
    Ist wirklich schwierig das zu beschreiben.

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  4. Depression ist wenn ein Mensch von einem Tag auf den anderen keinen Sinn mehr im Sein auf dieser Erde sieht.

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  5. Depressionen äußert sich bei mir auf unterschiedlicher Weise.... Mich derart gelähmt fühle so dass ich mich zu nichts ausraffen kann, verbunden mit einem Gefühl der Lustlosigkeit und denke, diese Aktivität macht sowieso überhaupt keinen Spass.

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  6. Für mich ist es grenzenlose Hoffnungslosigkeit. Eine endlos lange Strecke vor mir in einer grauen Wüste. Mittendrin. Kein Anfang und kein Ende. Immer weiter. Und sooo müde. Unendlich müde.

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  7. Depressionen zu haben bedeutet für mich gefangen zu sein in meiner eigenen Hölle. Es fühlt sich an, als würde jegliches Leben aus mir weichen. Alles was bleibt ist eine leere Hülle. Ich bin unfähig irgendetwas zu tun. Meine Gedanken kreisen und lassen mich nicht zur Ruhe kommen. Ich kann mich an nichts mehr erfreuen, empfinde stattdessen eine unbeschreibliche Traurigkeit, die sich in Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung umwandelt. Das Leben enpfinde ich als Last. Es erscheint zunehmend sinnloser. Ich befinde mich in einem Zustand den ich folgendermaßen beschreiben würde: Zu tot, um lebendig zu sein, aber zu lebendig um tot zu sein. Es ist wie ein Albtraum aus dem ich nicht erwache...

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  8. Von Susanne Meyer:
    Ich habe jetzt einige der Beschreibungen gelesen und ich erkenne mich teilweise wieder.
    Ich habe schon viele Beschreibungen von Depressions-Erfahrungen gelesen. Was aber sehr selten kommt, ist die meine Erfahrung eines Horrortrips:
    Wie wenn man LSD genommen hat und einen Horrortrip erwischt oder vom Kiffen einen schlechten Trip erwischt hat nur halt, dass ich kein LSD genommen und nicht gekifft hatte und es hat tagelang angehalten und ist über Wochen immer wieder gekommen. Ich bin immer wieder vor Erschöpfung eingeschlafen und nach dem Aufwachen ging der Horror weiter.
    Das was die Kommentatorin Kerstin oben schreibt unter dem Link, kommt noch am nächsten.

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  9. Ich habe schon sehr lange depressive Episoden .Am Anfang war es für mich sehr schwer mich damit abzufinden.ich hatte das Gefühl als sei mein Kopf vollkommen leer. Meinem Körper viel jegliche Bewegung sehr schwer.An vielen Tagen konnte ich mich fast garnichts bewegen weil ich meinen Körper nicht gefühlt habe.Nur diese verammte bleierne Müdigkeit die mich immer so einnahm. Meine Gedanken in der heißen Phase meiner Depressionen waren mit sehr viel Angst und Sorge über nein oder das Leben meiner Kinder erfüllt.Ich wollte nur allein sein und meine Gedanken versuchen zu ordnen. Nichts machte mich glücklich. ...
    Heute empfinde ich meine Depressionen als große Hilfe. Denn immer dann wenn ich mich zu sehr aufopfere sei es auf der Arbeit Freunde oder Familie. Sie bremst mich genau dann aus wenn es zuviel für mich wird. Wenn ich merke das wieder eine Episode anfängt sehe ich zu das mein Körper und mein Geist zur Ruhe kommen.Die Depression ist nicht nein Feind sondern ein Aufpasser,
    Mein Alarmknopf ......

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  10. Meine Depression fühlt sich an wie eine schwere Grippe. Ich bin dann schrecklich müde, der Kopf ist schwer und ich mag nur im Bett liegen und mich ausruhen. Jeder Bewegung ist zuviel, jeder Ton zu laut und jedes Bild zu grell. Jedes Körperteil schmerzt viel zu sehr, fast unerträglich. Ich fühle mich zu erschöpft die kleinsten Dinge zu erledigen, weil sie mir vorkommen wie riesige Berge. Um mich herum ist eine riesige Glaswand und Nebel, beides trennt mich von der übrigen Welt ab. So sehr ich auch versuche dadurch oder darüber zu kommen, ich pralle immer wieder ab und bleibe alleine. Dabei fühle ich mich schrecklich einsam und gleichzeitig ist mir die Welt, die ich durch die Glasscheibe sehe, viel zu viel und überfordern. Nichts macht mehr Spaß und oft ist es einfach nur schwarze Leere in mir...Das Nichts. Oder aber die Stimmen, meine eigenen Gedanken, laufen in meinem Kopf Amok und wiederholen wie eine Schallplatte mit Sprung immer wieder, was alles schief läuft und was ich nicht kann. In depressiven Phasen lähmt mich oft zusätzlich eine riesige Zukunftsangst, denn wenn ich was fühle, dann Hoffnungslosigkeit und Mutlosigkeit.

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  11. Für mich fühlt sich meine Depression an wie eine bleierne Müdigkeit im Kopf und Körper. Ich habe viele Dinge die mir für gewöhnlich Spaß machen, aber an schlimmen Tagen würde ich am liebsten einfach nur im Bett bleiben und keinen Finger rühren. Ich möchte über Dinge lachen, aber ich kann nicht genügend Kraft dafür aufbringen, obwohl ich weiß dass mich manches fröhlich stimmt. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, aber es fühlt sich für mich einfach an, als würde eine unsichtbare Kraft jegliche positive Emotionen und jede noch so kleine Regung unterdrücken, sodass ich durch sie zur Teilnahmslosigkeit gezwungen werde. Dafür bleibt nur diese schwere, erdrückende Kraft die mich mit vielen kleinen negativen Ängsten und Emotionen am Boden fest schnürt.

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