Freitag, 19. Mai 2017

Was es ist

Die letzten  Wochen waren eine wirklich beschissene Achterbahnfahrt der Gefühle, die mich bis an meine emotionalen Grenzen und darüber hinaus gebracht haben. Jetzt bin ich müde und völlig erschöpft und - ein wenig erleichtert. Denn meine Liebe ist für eine Woche nicht erreichbar und das verschafft mir ein wenig Luft zu atmen und Zeit, vielleicht etwas Abstand zu gewinnen. Ich brauche dringend mal wieder einen klaren Kopf, um mich zu sortieren und, um mich selber nicht völlig aus den Augen zu verlieren.

Ich glaube, genau das ist in den letzten Wochen unmerklich geschehen: Ich war (und bin es noch immer) dermaßen in meine Gefühle verstrickt, dass kein Platz für irgendetwas Anderes da war. Verliebt-Sein ist ein wunderschönes Gefühl - wären da nicht auch die Antagonisten: Verzweiflung, Unsicherheit, Traurigkeit, usw, die sich in diesen wunderbaren Schwebezustand mischen.

Was wirklich intensive Gefühle angeht, so bin ich definitiv völlig aus der Übung und hatte mich - glaube ich jedenfalls - schon damit abgefunden, dass ich nie mehr so intensiv empfinden könnte, oder würde, so wie jetzt unvermittelt passiert ist. Das macht mir zu schaffen - zumal meine Empfindungen ja nicht in dem Maß erwidert werden, wie ich es mir wünsche. Ja, wir stehen uns sehr nah und ja, wir beide empfinden unsere Verbindung als etwas sehr Seltenes und Außergewöhnliches - unglaublich intensiv und wunderschön. Aber von ihrer Seite ist es keine Liebe (was auch immer es sonst sein mag) und ihre Ehe steht nicht zur Disposition. Trotzdem fühlt sie sich mir sehr nah und sehr verbunden. Und diese Gemengelage macht es so schwer und verwirrend für mich. Mit meinem Verstand kann ich diese Situation nicht durchdringen. Und das lässt mich immer wieder verzweifeln. Aber das Herz will, was das Herz will... "Es ist was es ist, sagt die Liebe." (Erich Fried)

In meinem bisherigen Leben stand ich schon oft vor Situationen, die schier unlösbar schienen und die mich bis an den Abgrund geführt haben. Ich bin darüber krank geworden, habe mein Selbstvertrauen und das Vertrauen in andere Menschen verloren. Ich war ein äußerst unsicherer Mensch - ohne bewussten Zugang zu den eigenen Gefühlen. Diesen Zugang habe ich mir mühsam über die Jahrzehnte zurückerobert und bin mir meiner Selbst, im Guten wie im Schlechten, viel stärker als zuvor bewusst. Ich habe gelernt, mich selber und meine Wünsche, Gefühle und Überzeugungen wahr- und ernstzunehmen. Das ist gut so und gleichzeitig ist es ein Fluch. Denn es macht mich auch angreifbar und verwundbar. Und es macht mich empfänglich für tiefe und einzigartige Begegnungen, die ich nun endlich bewusst wahrzunehmen vermag - mit allen möglichen Konsequenzen. Es ist das wirkliche Leben!










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