Mittwoch, 3. Mai 2017

Gefühlschaos

Wo endet Freundschaft und wo beginnt wirklich tief empfundene Liebe? Mit dieser Frage beschäftige ich mich  - bislang ohne Ergebnis -  seit einigen Wochen. Oder besser formuliert: Das Thema beschäftigt mich.
Während der Therapie habe ich eine wundervolle und einzigartige Frau kennengelernt, mit der ich mich von Anfang an auf ganz besondere Weise verstanden habe. Da wir gemeinsam in der Therapiegruppe waren, und es gegen die Regeln verstoßen hätte, sich außerhalb der Gruppe zu treffen, fiel es mir zunächst relativ leicht, meine erste, leichte Verliebtheit zu zügeln und als rein theoretisches Problem abzuhandeln. Es war einfach nicht relevant und ein reines Gedankenspiel. Das änderte sich schlagartig, als sie die Gruppe verließ, und ich plötzlich wirklich schmerzhaft tiefe Gefühle für sie empfand, als wir uns zum Abschied lange und intensiv umarmten. Ohne große Hoffnungen zu hegen und nach langem inneren Ringen, gab ich ihr meine Kontaktdaten und siehe da: Ich bekam eine sehr liebe Email von ihr und wir trafen uns zum Frühstück. Kurz darauf besuchte sie mich zuhause, und wieder verging die Zeit wie im Fluge.
Nie zuvor in meinem Leben habe ich mich so verstanden und angenommen gefühlt wie von ihr, denn sie begegnet mir mit so viel offenem Interesse, Mitgefühl, Wärme und soviel tiefem Verständnis, das es manchmal nicht einmal Worte braucht. Mit ihr kann ich völlig angstfrei sprechen und mich austauschen; ganz so, als seien wir über Jahre miteinander vertraut.
Die Sache hat nur einen klitzekleinen Haken: Sie ist glücklich verheiratet und aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig Sicherheit und Kontinuität für Menschen wie sie und mich sind. Es wäre also nicht nur egoistisch, sondern ganz einfach grundverkehrt, eine solch wervolle und wichtige Beziehung wegen der eigenen Gefühlslage offensiv in Frage zu stellen und sie zu bedrängen, oder gar überreden zu wollen, sich auf mich einzulassen.
Aber was ist mit mir und meinen Gefühlen? Ich habe ihr nach langem Zögern und schlaflosen Nächten einen ebenso langen Brief geschrieben, in dem ich ihr meine Gefühle offenbart habe - zusammen mit meinen Ängsten, Unsicherheiten und Zweifeln. Und sie hat wundervoll und entgegen jeder meiner Erwartungen und Befürchtungen darauf reagiert: Sie möchte meine Freundschaft, fühlt sich mir ebenfalls sehr verbunden und schätzt mich und vertraut mir ungemein als Mensch und als Freund! Das hat mich umgehauen!
Den Austausch und die Begegnungen mit ihr empfinde ich als so kostbar und selten, dass ich darauf nicht verzichten mag. Und gleichzeitig fühle ich mich innerlich zerissen, weil das was ich für sie empfinde, tatsächlich Liebe ist. Und Liebe sucht Erfüllung, die es hier nicht geben kann. Das ist eine vollkommen neue und immens schmerzhafte Erfahrung für mich, und ich habe somit keinerlei Vergleichsmöglichkeiten und Handlungsweisen parat, um diesen inneren Konflikt zu lösen. Und das bringt mich zwischenzeitlich an meine Grenzen und bisweilen auch um meinen Verstand.
Was also ist zu tun und gibt es hier Richtig und Falsch? Ich weiß es nicht...

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