Freitag, 17. März 2017

Kreativität

Kreativ sein zu können bedeutet für mich totale Freiheit. Mein eher trister und von finanziellen Engpässen geprägter Alltag spielt dann keine große Rolle, denn das Schöpferische hat absoluten Vorrang - ich bin total fokusiert und konzentriert auf meine Idee und ihre Umsetzung.
Es ist fast so, als befände ich mich in einer anderen Realität, in der meine Sorgen keinerlei Bedeutung haben, in der ich mich frei, unbeschwert und total zufrieden fühle. Ich bin in euphorischer Stimmung, und das wirkt sich auch auf meinen Alltag aus: Alles geht mir leichter von der Hand, ich bin motiviert - auch bei alltäglichen Handlungen wie Wäsche waschen, Staubsaugen, usw - was mich normaler Weise eher ankotzt und meistens große Überwindung kostet.
Als ich zuletzt an meinem Gedichtband gearbeitet habe ist mir bewusst geworden, dass meine literarischen Projekte in erster Linie meiner Zufriedenheit dienen, also quasi Selbstzweck sind. Der künstlerische, oder kreative Prozess an sich gibt mir die geistige Nahrung die ich benötige, damit es mir wirklich gut geht. Und es ist ein wirklich tolles Gefühl, etwas zum (vorläufigen) Abschluss gebracht zu haben und das Resultat dann irgendwann in Händen zu halten. Natürlich ist es mir im nächsten Schritt auch wichtig, das Ergebnis mit anderen zu teilen und vielleicht sogar den einen oder anderen Euro damit zu verdienen. Aber das ist eben nicht ganz so wichtig. Viel bedeutsamer ist es, ein für mich "rundes" und stimmiges Ergebnis zu haben, an dem ich mich erfreuen kann, und das mir soetwas wie Stolz vermittelt. Stolz auf das Erreichte und darauf, dass ich etwas von Anfang bis Ende durchgehalten und zu einem Abschluss gebracht habe.
Vielleicht ist das für Viele nicht nachvollziehbar. Aber meine Biografie ist voller Brüche und Dinge, die ich eben nicht zu einem guten Ende habe bringen können. Und mit jedem kreativen Projekt kann ich mir beweisen, dass ich trotz aller Widerstände und Unsicherheiten dazu imstande bin, etwas zu einem guten Abschluss zu bringen. Das ist gut fürs Ego und bestärkt mich darin, etwas schaffen zu können, das nicht nur mir nutzt, sondern vielleicht auch andere Menschen erreicht, sie überrascht und ihnen vielleicht sogar Freude bereitet.
Als Heranwachsender hatte ich nur eine äußerst vage Vorstellung davon, was ich wirklich gut kann und wie ich mich in "die Gesellschaft" einbringen könnte. Und mit meinen eher unbeholfenen und planlosen Versuchen bin ich oft - zu oft - gescheitert. Diese Erfahrungen haben mich für viele Jahre daran gehindert, mir selber zu vertrauen und mir einen Selbstwert zuzugestehen. Mit meinen literarischen Versuchen hat sich das Blatt gewendet, weil ich gemerkt habe, dass es etwas gibt, was ich tatsächlich gut kann und mir darüber hinaus eine Befriedigung verschafft, wie ich sie vorher nie gespürt habe. Und das soll so bleiben!

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