Freitag, 10. März 2017

Ängste und Traumata

Durch die jüngsten Ereignisse bin ich mal wieder äußerst unsanft darauf gestossen worden, welch fatale und nicht vorhersehbare Auswirkungen erlittene Traumata haben können.
Die lähmenden und erschreckenden Angstzustände in der letzten Woche waren ein "Flashback" aus meiner Kindheit und Jugend - einer Zeit, in der ich eigentlich ständig in großer Angst vor der Unberechenbarkeit und Launenhaftigkeit meiner Mutter gelebt habe. Diese Angst war so immens, dass ich sie körperlich gespürt habe: Mein Magen zog sich zusammen, das Atmen fiel mir schwer und ich vermochte kaum zu sprechen. Und ich hatte eine Art Radar entwickelt für schlechte Stimmung zuhause.
Über viele jahre war diese Angst mein ständiger Begleiter- ohne, dass ich wusste warum und ohne, dass ich sie hätte überhaupt benennen können, geschweige denn, dass ich ihre Ursachen gekannt hätte. Mit den Jahren ist es dann weniger geworden und in Vergessenheit geraten - einmal abgesehen von einem nicht näher zu beschreibenden Unwohlsein vor schwierigen Situationen, wie zum Beispiel Gesprächen, oder unangenehmen Konfrontationen.
Dieses latente Unwohlsein in Form von spürbaren Hemmungen im Umgang mit anderen Menschen und das Vermeiden von schwierigen Themen im Gespräch haben mich zeitlebens begleitet, ohne das ich gewusst habe, worin dieses Unwohlsein begründet ist. Erst die jüngsten Ereignisse haben mir so richtig die Augen geöffnet und ich konnte einen kausalen Zusammenhang herstellen, der mich zutiefst erschüttert und und wider Erwarten überrascht hat.
Wenn ich jetzt darüber schreibe, wirkt es ziemlich abgeklärt und ein wenig distanziert - aber ich möchte den mit diesen tiefen Ängsten verbundenen Gefühlen nicht mehr Raum zubilligen, als ihnen gebührt. Und sie überhaupt benennen zu können, werte ich als Fortschritt. Denn was ich benennen kann, lässt sich eingrenzen. Und was sich eingrenzen lässt, kann ich beherrschen. Aber ich werde für den Rest meines Lebens ein ängstlicher Mensch bleiben. Das ist ok und Teil meiner Persönlichkeit.

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