Mittwoch, 1. März 2017

Angst

Das für mich schlimmste Gefühl, welches mich darüber hinaus schon mein Leben lang begleitet, ist Angst. Sie schnürt mir den Atem ab und hindert mich daran, klar zu denken und vernünftig zu handeln - gerade dann, wenn es wichtig wäre, einen klaren Kopf zu behalten.

In jüngster Zeit gab es nur wenige Momente, in denen ich von meiner Angst beeinflusst war - im Gegensatz zu früher, wo mir eigentlich "nur" unangenehme Situationen schon große Angst bereiteten und mich auf meinen bloßen Überlebensinstinkt reduzierten und mich zur schnellen und kopflosen Flucht aus der jeweiligen Situation trieben.

Ich hasse es, wenn ich mich gezwungen fühle, kopflos und rein intuitiv zu handeln, denn ich fühle mich dabei unfrei und der Situation schutzlos ausgeliefert. Mein Herz schlägt bis zum Hals, ich kann nicht klar denken und den Verursachern nicht gegenübertreten. Am liebsten möchte ich mich verstecken, während meine Gedanken zwanghaft und unkontrollierbar um die momentane Situation kreisen - ohne erkennbaren Ausweg, oder eine adäquate und vernünftige, verstandesmäßige Lösung.

Als Kind und als Heranwachsender befand ich mich häufig in solchen Situationen: Wenn ich von anderen Kindern verfolgt oder bedroht wurde, und keine Hilfe in Sicht war; oder wenn ich etwas ausgefressen hatte, und die Konfrontation mit meiner Mutter, oder einem anderen Menschen anstand; und nicht zuletzt, wenn ich auf mich gestellt vor einer schwierigen und scheinbar unauflösbaren Situation stand - ohne Hilfe oder Unterstützung.

Im Lauf der Zeit sind diese Ereignisse weniger geworden, aber ganz verschwunden ist die Angst nie. Sie war und ist ein ständiger Begleiter, den abzuschütteln ich nicht imstande bin. Und das ärgert mich, denn untrennbar mit der Angst verbunden ist das Gefühl von völliger Überforderung, Hilflosigkeit, und Ausgeliefert-sein, die mich verstummen - und sprachlos werden lassen und mich lähmen.

Inzwischen habe ich gelernt, zumindest mir selber das einzugestehen und die Angst auch beim Namen zu nennen, anstatt sie totzuschweigen und einfach nur zu hoffen, dass sie vorübergeht. Das ist für mich ein - wenn auch kleiner - Fortschritt. Aber trotz allem macht es mich ratlos und traurig, immer wieder damit konfrontiert zu sein - ohne genau zu wissen, warum es so ist, wie es ist. Und es erwischt mich jedes Mal wieder eiskalt und unvorbereitet, so als sei es das erste Mal. Ich kann mich darauf nicht vorbereiten, und nicht rational reagieren. Und ich glaube, genau das ist der Kern des Problems: Es ist nicht rational, sondern eines dieser starken, unbändigen Gefühle, die sich nicht beherrschen lassen, sondern selber beherrschen. Und ich werde nur sehr ungern daran erinnert, dass genau diese Gefühle in meinem Leben so viel Unheil angerichtet haben, das - wenn auch in deutlich abgeschwächter Form - noch immer präsent ist und mich beeinflusst. Zusätzlich wird mir bewusst, dass ich selber dazu beitrage, indem ich mich unwillkürlich, aber freiwillig in Situationen begebe, die diese Urgewalten in sich tragen - ganz so, als sehnte ich mich insgeheim danach, die Vergangenheit zu wiederholen. Und hier schliesst sich der Kreis: Das macht mir Angst!











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