Mittwoch, 9. November 2016

Prinzip Hoffnung?

Morgen habe ich mal wieder ein Vorstellungsgespräch. Das stimmt mich einerseits ein wenig optimistisch - vor allem nach meinem Absturz in die Depression und der damit verbundenen abgrundtiefen Hoffnungs -und Perspektivlosigkeit der letzten Wochen. Aber andererseits weiß ich nicht, ob ich einem neuen Job momentan überhaupt gewachsen bin, und ob ich mit einer möglichen neuen Beschäftigung nicht vor meinen Problemen weglaufe - sie mal wieder verdränge.
So befinde ich mich in einem Dilemma: Wieder arbeiten zu können, ist ein möglicher Weg, die Depression und meine Lethargie zu durchbrechen und wieder ein Stück Normalität und vor allem Struktur in mein Leben zu bringen. Das wird mir guttun. Aber was geschieht, wenn ich dem allem nicht gewachsen bin und wieder scheitere?
In den letzten zwei Jahren bin ich mehrfach bei dem Versuch, im Arbeitsleben wieder fußzufassen, kläglich gescheitert. Und die Ursachen dafür liegen in meiner Erkrankung begründet. Es ist meine fehlende Belastbarkeit in Stresssituationen und es ist ebenso meine Verletzbarkeit, wenn ich kritisiert werde. Beides verschwindet nicht einfach so - genauso wenig wie meine Neigung, Schwierigkeiten bewusst kleinzureden und zu verharmlosen - aus dem verzweifelten Wunsch nach Normalität und Bestätigung heraus.
Die letzten Wochen waren die Hölle für mich. Und das nicht nur wegen der Düsternis in meiner Seele, sondern auch, weil mir meine Schwächen und die Schwere meiner Erkrankung überaus deutlich geworden sind. Ich bin eben nicht "normal" und es tut mir in der Seele weh, das anerkennen zu müssen. Natürlich weiß ich, dass ich auch über Stärken und Begabungen verfüge - genauso, dass es Menschen gibt, die mich tatsächlich mögen und wertschätzen - meiner Verwunderung darüber zum Trotz. Und mein Leben lang habe ich verzweifelt nach Anerkennung und Zugehörigkeit gesucht - gerade bei der Arbeit, denn da geht es nicht um persönliche Bindung, sondern es beschränkt sich auf eine rein sachliche Ebene. Und die kann ich wesentlich leichter beherrschen, als das Persönliche.
Emotionale Bindungen fordern und über-fordern mich bisweilen. Ich fühle mich unsicher und gehemmt, wenn ich mich auf menschliche Nähe einlasse. Und gleichzeitig gibt es nichts, was ich mir mehr wünsche - es ist eben ein Dilemma.
Aber vielleicht bekomme ich ja eine neue Chance. Und vielleicht gelingt es mir diese Mal, diese Chance auch zu nutzen - nicht zuletzt, weil ich diese dunkle Zeit endgültig hinter mir lassen möchte und wieder am Leben teilhaben will.

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