Samstag, 8. Oktober 2016

Wunsch und Wirklichkeit

Für mich gibt es kaum etwas schwierigeres, als mich von Träumen und Wünschen verabschieden zu müssen, und mich damit abzufinden, tatsächlich meinen Einschränkungen unterworfen zu sein. Für einen kurzen Zeitraum habe ich geglaubt, fast alles schaffen zu können, was ich mir vornehme, und dass meine Erkrankung in ihren unmittelbaren Auswirkungen tatsächlich mit sich handeln lassen würde.
Betont optimistisch habe ich in den letzten Monaten immer wieder versucht, Schwierigkeiten im Job, oder im Zwischenmenschlichen kleinzureden - sie als möglichst "normal" zu beschreiben - um ihnen ihre innewohnende Bedrohlichkeit zu nehmen. So etwas nennt man "Pfeifen im Wald". Und mich dabei ertappt zu haben, und jetzt mit den Konsequenzen konfrontiert zu sein, tut nicht nur unendlich weh, sondern ist auch in den Auswirkungen auf mein weiteres Leben überhaupt nicht abzusehen.
Ich habe starke Zukunftsangst! Denn einfach so weiter zu machen wie bisher, als sei nichts geschehen, wird nicht funktionieren. Dafür sitzen Angst und Enttäuschung, und die bittere Gewissheit, "normalen" Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein, viel zu tief.
In meinem Kopf formieren sich flüchtige Pläne, und zerplatzen wieder an der Realität, in der ich momentan nicht einmal meinen Alltag auf die Reihe bekomme. Statt dessen befinde ich mich in einer veritablen Depression, bin verunsichert, aggressiv, kritikunfähig und unendlich müde. Und ich bin es einfach leid, immer wieder die gleichen abgedroschenen Vorschläge zu hören, die mir schon vor Jahren Magenschmerzen bereitet haben, und die auch - im Gegensatz zu altem Wein - mit zunehmendem Alter eben nicht besser werden, und auch durch Wiederholung nicht an Qualität und Passgenauigkeit gewinnen.
Ich muss feststellen, dass ich auf mich zurückgeworfen bin und, dass Mitgefühl und Anteilnahme zwar durchaus wohltuend sind, aber an meiner Situation nichts ändern und meine Begrenztheit, meine gefühlten Unfähigkeiten eher noch untermauern -  und wenn überhaupt - nur sehr geringfügig abmildern.
So viel für heute.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen