Donnerstag, 27. Oktober 2016

Therapie - Erlebnisse

Psychotherapie ist eine langwierige und kräftezehrende Angelegenheit. Und immer wieder gibt es - mal kürzere, mal längere - Phasen des scheinbaren Stillstandes, in denen ich eher gefühlte Rückschritte als greifbare, erlebbare Fortschritte erlebe. Das ist frustrierend, und ich beginne immer wieder am Sinn und am grundsätzlichen Erfolg der Therapie zu zweifeln.
Was für mich eine zusätzliche Erschwernis ist: Es ist eine Gruppentherapie. Und mich in einer Gruppe von Menschen wirklich zu öffnen, meine tiefsten Ängste und Unsicherheiten zu offenbaren - das fällt mir unheimlich schwer und kostet mich immer wieder viel Überwindung. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass es mir meistens nur sehr unzureichend gelingt. Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich (zu) große Angst vor den Reaktionen der anderen Gruppenmitglieder verspüre, wenn ich etwas von mir preisgebe und, dass ich meine Anliegen nicht wirklich vermitteln kann. Das hemmt und verleitet mich immer wieder dazu, nur wenig und eher Allgemeines zu äußern - auch aus Furcht davor, verletzt und zurückgewiesen zu werden und statt Verständnis und Anteilnahme zu erfahren, wie früher auf Ignoranz, Unverständnis oder Gleichgültigkeit zu stoßen. Und ich fürchte mich davor, für das, was ich denke und fühle, kritisiert zu werden, weil ich meine Gedanken und Gefühle zeitweise als schräg und unangemessen empfinde, und fest davon überzeugt bin, den anderen müsse es damit genauso ergehen.
All diese Hemnisse machen für mich nachhaltige und vor allem spür- und erlebbare Erfolge sehr selten, dafür aber umso kostbarer. Unmissverständlich zu spüren, dass endlich "ein Knoten platzt", ich mich wirklich öffnen und anvertrauen kann, und Anteilnahme, Mitgefühl erfahre, und der innere Druck einfach zu groß geworden ist, um ihn zu ignorieren - ist ein immens befreiendes und anhaltendes Gefühl. Und genauso kostbar ist es, wieder eine Erkenntnis gewonnen zu haben und Zusammenhänge entdeckt zu haben, die mir vorher nicht bewusst waren. Aber ich weiß auch: Es ist noch ein weiter Weg.

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