Donnerstag, 20. Oktober 2016

Gruß aus der Depression

Inmitten einer depressiven Phase zu schreiben, mich überhaupt mitzuteilen, kosten mich immens viel Kraft und Überwindung. Auch wenn ich durchaus das Bedürfnis habe, zu reden, oder zu schreiben: Jeder Gedanke, jeder Satz erscheint mir so, als sei er schon tausende Male gesagt oder geschrieben worden und bis zum Erbrechen abgenutzt. Das, und meine große Verletzlichkeit machen es mir sehr schwer, in der Depression mit meiner Umgebung überhaupt in Kontakt zu treten - auch aus Angst, nicht verstanden und nicht ernst genommen zu werden.
Und was soll ich schreiben? Dass es mir beschissen geht? Oder, dass ich mich komplett nutz - und wertlos fühle? Zu nichts zu gebrauchen und ängstlich und extrem verletzlich?
Tatsache ist, dass mir zur Zeit mein Lebenssinn vollständig abhanden gekommen ist und, dass mein Alltag auf die zum reinen Überleben notwendigen Rituale wie schlafen, essen und kacken reduziert ist. Und Fernsehen, um nicht zu sehr ins Grübeln zu kommen. Das alles denkt, und vor allem schreibt sich nicht gerade gerne. Denn trotz Depression kämpfe ich um Inhalte, um eine sinnvolle Lebensstruktur und um meinen Anspruch an mich selber. Und mir eingestehen zu müssen, dass für mehr als die bloße Existenz zur Zeit meine Kraft nicht reicht - dafür schäme ich mich jedes Mal. Und ich rechtfertige mich vor mir selber in einem ständig wiederkehrenden, ermüdenden und altbekannten Ritual - wenig kreativ und kräftezehrend dazu.
Das alles macht keinen Spaß und erscheint mir eigentlich auch nicht besonders mitteilenswert. Und trotzdem teile ich mich gerade mit - um nicht vollens zu verstummen und den dünnen Faden zwischen mir und der Welt nicht endgültig reißen zu lassen. Und vielleicht gibt es ja da draußen jemanden, der mit diesem depressiven Geschreibsel etwas anzufangen vermag...


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