Sonntag, 11. September 2016

Abwägen

Dass mein neuer Job mich vor Herausforderungen stellen würde, war mir auf einer eher abstrakten Ebene von vornherein bewusst. Nicht bewusst war mir hingegen die Fülle von Neuem, mit dem ich mich tagtäglich auseinanderzusetzen habe, und die mich bisweilen an meine Grenzen bringt, sodass selbst meine Freizeit momentan durch den Job dominiert wird, und ich nicht abschalten kann.
Fehler zu machen gehört ebenfalls dazu, wenn man sich in neue Themen einarbeitet, aber peinlich wird es, wenn es eigentlich vermeidbare Fehler sind, für die man selber keine Erklärung hat, und die einen an der Eignung für die Tätigkeit grundlegend zweifeln lassen.
In den vergangenen Monaten habe ich mir wieder mehr Normalität gewünscht und die Chance, wieder arbeiten und ein wenig Geld verdienen zu können. Seit knapp einem Monat habe ich nun beides und merke, wie ungewohnt und schwierig beides ist. Täglich meldet sich mein altbekannter Fluchtreflex, und ich ringe mit mir um Aufgabe oder Weitermachen. Einfach aufzugeben und mich wieder in Altbekanntes zu flüchten, wäre der einfache und bequeme Weg. Und es wäre eine willkommene Bestätigung dafür, dem "Leben das draussen" nicht mehr gewachsen zu sein. Das ist momentan ungemein verlockend. Aber andererseits sind der Job und die mich dort erwartenden Aufgaben wirklich interessant und mehr, als ich mit meiner Erwerbsbiografie jemals erwarten konnte. Gleichzeitig bleibt es ein äußerst schmaler Grad zwischen positiver Herausforderung, die mich weiterbringen kann, und Selbstüberschätzung, die mich gegenüber meinen Einschränkungen blind zu machen droht, weil das Bestehen der Herausforderung zum nahezu einzigen Lebensinhalt werden könnte.
Vielleicht ist es tatsächlich "nur" eine Frage der allmählichen Gewöhnung an das Neue, für die ich mehr Zeit benötige als andere. Darauf setze ich in der Hoffnung, dass es sich für mich eben doch auszahlt, und mein Leben um neue Facetten und Erfahrungen bereichern möge, aus denen ich lernen kann und die mir dabei helfen, alte Verhaltensmuster zu überwinden und dauerhaft hinter mir zu lassen. Zumindest weiß ich, warum ich zur Zeit so erschöpft und müde bin: Es gibt einen nachvollziehbaren und konkreten Grund - ich arbeite!

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