Samstag, 27. August 2016

Mehr Normalität wagen

Der Titel dieses Postes ist eine Anspielung auf Willy Brand's legendären Ausspruch: "Wir wollen mehr Demokratie wagen..."
Für eine ziemlich lange Zeit war Normalität für mich ein weitgehend abstarkter Begriff - jenseits meiner Lebenswirklichkeit, die sich in den allzu engen und beklemmenden Grenzen meiner Erkrankung abspielte. Normalität- das waren "die Anderen" mit Familie, Berufsleben und einer Fülle von sozialen Kontakten.
Seit einigen Monaten nähere ich mich diesem unbekannten Land namens "Normalität" vorsichtig an: Neue Kontakte knüpfen, Partnersuche und seit zwei Wochen eine neue und bezahlte Aufgabe in einem "richtigen" Beruf. Das alles ist noch ungewohnt und ich muss sehr darauf achtgeben, mich nicht zu überfordern, und mir mehr zuzumuten, als ich bewältigen kann. Aber zugleich ist das alles unerhört spannend und abwechselungsreich - normal eben - innerhalb gewisser Grenzen. Und ich stelle fest, dass ich meinen Mut und meine Zuversicht wiedergefunden habe, mich all dem zu stellen, es auszuprobieren - und ein mögliches Scheitern oder Straucheln nicht länger als Weltuntergang, sondern eher als wertvolle Erfahrung zu betrachten, aus der ich für die Zukunft lernen kann. Es ist meine Normalität - individuell auf mich zugeschnitten - ohne überfordernde und illusorisch hohe Maßstäbe von Außen - an denen ich zwangsläufig scheitern würde.
Das Leben ist wieder bunt, interessant und abwechselungsreich, und - ich habe es mir ausgesucht!

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