Sonntag, 17. Juli 2016

Tanz am Abgrund

Seit einigen Monaten befinde ich mich quasi auf der Überholspur - im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren, die eher von Stillstand und Resignation geprägt waren. Und was fast noch wichtiger ist: Prinzipiell habe ich auch meine manchmal überbordenden und mich aus dem Gleichgewicht bringenden Emotionen im Griff, die mich früher oft genug an den Rand der Katastrophe gebracht haben.
Wie gesagt: Prinzipiell. Denn manchmal scheint es, als ob mein eigentlich so gut funktionierender Verstand eine Pause braucht, und dann meiner Unvernunft und tendenziell selbstschädigendem Verhalten das Feld überlässt. Dann sehe ich mir mit eigentlich wachem Verstand und einer gewissen perveren Faszination dabei zu, wie ich für kurze Zeit wieder in alte Verhaltensweisen abrutsche. Das ängstigt mich; denn es zeigt mir, dass ich bei weitem noch nicht die Souveränität und Sicherheit erreicht habe, von der ich glaubte, darüber frei verfügen zu können.
Irgendwie hat es noch immer einen gewissen Reiz, mit dem Feuer zu spielen, auch wenn es bei Weitem nicht mehr die Gefährlichkeit und Brisanz hat, wie früher. Und ich erkenne es rechtzeitig und trete mit aller Vehemenz auf die Bremse, sodass der Schaden sich in Grenzen hält. Aber wozu das alles? Früher brauchte ich diese Ausnahmesituationen, um mich lebendig fühlen zu können, und um meinem Zorn auf mich und die Welt Ausdruck zu verleihen. Mittlerweile bin ich aber mit beidem im Reinen. Dachte ich. Aber vielleicht ist es nur ein dezenter Hinweis darauf, dass ich als Mensch fehlbar bin, und wie jeder andere auch gewisse Schwächen habe, die ich mir einfach zugestehen - und lernen muss, sie als Bestandteil meiner Persönlichkeit hinzunehmen und zu akzeptieren. Ich muss aufmerksam bleiben, und nicht dem naiven Glauben verfallen, dass wie durch ein Wunder plötzlich alles aus der Vergangenheit begraben und hinfällig ist. Das wäre ein Trugschluss und es ist gefährlich. Das sollte ich mir immer vor Augen halten.

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