Sonntag, 10. Juli 2016

Postpubertäre Anwandlungen

Ich bin nervös, und meine Gedanken fahren (mal wieder) Karussel - je näher der Termin meines ersten Dates rückt. Manchmal bin ich ein "Kopf auf zwei Beinen", der alle möglichen Eventualitäten und Szenarien vorab und schon fast akribisch durchspielt, und das "Was wäre wenn -Spiel" in Perfektion beherrscht. Das ist lästig, denn es lässt mich nicht zur Ruhe kommen, und steigert meine Aufgeregtheit zwar nicht ins Unermessliche, aber doch bis zu einem Punkt, der es mir schwer macht, mich auf andere Dinge einzulassen und zu konzentrieren.
Gut: es ist eine wirklich interessante Frau, die ich treffen werde. Sie ist attraktiv, besitzt Charme und Humor, und sie ist mit mir intelektuell auf einer Ebene. So eine Kombination ist äußerst selten, und weckt große Hoffnungen und längst vergessen geglaubte Sehnsüchte in mir. Dabei bemühe ich mich nach Kräften um Pragmatismus und Realismus - versuche aus meiner gedanklichen Stärke heraus Vorteile zu ziehen, indem ich mir vor Augen halte, dass ein erstes Date und mehrere Telefonate noch längst nicht die Liebe meines Lebens ausmachen können, und dass es tatsächlich Zeit braucht, um einen Menschen kennenzulernen und tiefer gehende Gefühle zu entwickeln. Und außerdem bin ich kein sechzehnjähriger Teenager im Vollrausch seiner hormonell bedingten Gefühle, sondern ein erwachsener, halbwegs reflektierter und lebenserfahrener Mann nahe der Fünfzig, der aber gerade auf dem besten Wege ist, sich genauso aufzuführen, als sei er eben jener Sechzehnjährige. Das nervt und stört mein Gleichgewicht!
Es mangelt mir an Erfahrung und "Routine", was Frauen betrifft. Außerdem bin ein "gebranntes Kind" in Sachen Beziehungen, beziehungsweise bezüglich deren tendenziell immer eher unglücklichen Ausgangs. Und das ist auch der Grund für meine annährend zehnjährige Abstinenz, die eher aus einer Vernunftentscheidung, als aus tiefster Überzeugung heraus angedauert hat. Denn zum Eremiten tauge ich nicht und mag "die Frauen" an sich viel zu sehr, um auf ihre Gesellschaft und die schönen Seiten einer glücklichen und harmonischen Beziehung auf Dauer verzichten zu können und zu wollen. Und inzwischen fühle ich mich tatsächlich reif und lebenserfahren genug, um mich in aller Konsequenz auf einen Menschen einlassen zu können und zu wollen. Aber es hängt ja nicht nur von mir ab, sondern auch von meinem Gegenüber, ob das gelingen kann und ob "Sie" die Richtige sein kann, weiß ich schlichtweg nicht. Auch wenn ich es mir vielleicht wünsche, und in meiner Fantasie mit den ersten bekannten Fakten herumspiele - mich von meinen Wunschvorstellungen, meiner Sehnsucht lenken lasse.
Bei näherer, und ein wenig wohlwollenderer Betrachtung ist das alles menschlich. Und ich bin unbestreitbar ein Mensch - dazu noch einer mit viel Gefühl und Fantasie. Und am kommenden Dienstag wird sich zeigen, was Wunsch, und was Wirklichkeit ist. 



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