Freitag, 15. Juli 2016

Plötzliches Schweigen und schwarze Löcher

Plötzliches Schweigen bereitet mir Unbehagen. Und ich weiß nicht warum, denn eigentlich sind Gesprächspausen ja nichts dramatisches. Aber in mir breitet sich jedes Mal das Gefühl aus, mich am Rande eines schwarzen Loches zu befinden, das im Begriff ist, mich einzusaugen.
Warum ist Schweigen für mich so unheimlich? Es mag vielleicht daran liegen, dass ich mit ihm aus meiner Kindheit noch immer Bedrohlichkeit (die Ruhe vor dem sprichwörtlichen Sturm) verbinde, gepaart mit absoluter Hilflosigkeit und dem Gefühl des Ausgeliefertseins. Beides hat bis heute nichts von seiner beängstigenden Präsenz eingebüßt, obwohl die ursprünglichen und prägenden Erfahrungen schon mehrere Jahrzehnte zurückliegen, und ihr Verursacher nicht mehr lebt.
Eigentlich kann auch gemeinsames Schweigen etwas Verbindendes haben - als Ausdruck von Entspanntheit und Vertrauen. Für einen Moment innehalten, das Gesprochene nachklingen, nachwirken lassen, die Gedanken neu sortieren, um das Gespräch wieder aufzunehmen. Und eben nicht panisch und hektisch nach einem neuen Thema suchen und dabei vielleicht peinlich Unbedachtes zu äußern, nur um die Stille und das sich aubreitende Chaos im Inneren zu übertönen.
Ich merke jedes Mal in einer solchen Situation, dass vermeintliche Souveränität oder Selbstsicherheit nichts absolutes ist, sondern urplötzlich zu Makulatur werden kann. Aber ich arbeite daran.

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