Sonntag, 31. Juli 2016

Kein Strohfeuer

Seit ungefähr zwei Monaten bin ich jetzt im Datingdschungel unterwegs - habe Anzeigen online gestellt, habe auf Anzeigen geantwortet, war auf Datingportalen unterwegs. Das alles verbunden mit der tiefen Sehnsucht, "die Eine" möge mir dabei begegnen, mit der ich gemeinsam alt werden kann, und mit der gemeinsam sich die Hoffnung auf eine harmonische, reife und wirklich erwachsene Partnerschaft verwirklichen lässt.
Bisher ist sie mir noch nicht begegnet. Statt dessen bin ich trügerischen Hoffnungen begegnet, sowie alten Ängsten, Zweifeln und längst vergessen geglaubten Vorurteilen gegenüber psychisch erkrankten Menschen. Es war ein bemerkenswertes Wechselbad der Gefühle, das mich zusätzlich emotional sehr gefordert hat - mich zeitweise an meine Grenzen gebracht hat, und mich meine eigentlichen Ziele aus den Augen verlieren ließ.
Gefühle lassen sich nicht erzwingen, und eine erste Verliebtheit, eine Faszination für einen soeben erst kennengerlernten Menschen sind noch lange kein Garant für ein glückliches Miteinander - auch wenn es verlockend ist, darauf zu hoffen, und der eigene Fantasie in dieser Richtung freien Lauf zu lassen. Es ist tatsächlich schön, ein wenig ins Träumen zu geraten und das "Was wäre wenn - Spiel" zu spielen. Aber mit der Wirklichkeit hat das wenig gemeinsam.
So verlockend es für mich auch sein könnte, risikobereit zu sein und mich auf ein flüchtiges Abenteuer einzulassen - in der stillen Hoffnung, es könnte sich daraus ja auch etwas Dauerhaftes ergeben - es entspricht mir nicht. Strohfeuer hatte ich in der Vergangenheit genügend - und damit auch Beziehungen, die wegen fehlender Gemeinsamkeiten, und mangelnder echter, tiefer und über längere Zeit gewachsener Gefühle nicht von Dauer sein konnten. Aber genau danach suche ich! Ich suche meine Seelengefährtin. Das geht nicht von heute auf morgen, und auch nicht binnen weniger Wochen. Und auch wenn ich einer Frau begegenen sollte, mit der eine gegenseitige Sympathie und Anziehung entsteht - ich möchte mir wirklich sicher sein. Und das braucht Zeit - gemeinsame Zeit, und viel Geduld. Nur, Geduld gehört nicht gerade zu meinen allergrößten Stärken. Manchmal bin ich zu unüberlegt, zu euphorisch, zu impulsiv, und lasse mich von meinen leicht entflammbaren Gefühlen leiten. Anders formuliert: ich bin sehr gut darin, mir selber ein Bein zu stellen, und Menschen mit meinem Gefühlsüberschwang zu verschrecken. Und dann ist da noch meine wenig schöne Vergangenheit, die regelmäßig anklopft, und mich an mir zweifeln lässt - daran, ob ich es überhaupt wert bin, von einer Frau gemocht, geschweige denn geliebt zu werden - ohne jede Bedingung und ohne Vorbehalt.
Es ist also eine umfassende Aufgabe, die ich mir gestellt habe, und deren Komplexität mir erst jetzt nach und nach gegenwärtig wird: mich in Geduld und Gelassenheit üben, die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen, mich auf meine Stärken und guten Eigenschaften besinnen. Und darauf zu vertrauen, dass sie mir schon begegnen wird - die eine Seelenpartnerin.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen