Freitag, 3. Juni 2016

Vorurteile (eine Polemik)

Seit Kurzem begegnen sie mir wieder öfter: Vorurteile gegenüber Menschen mit einer psychischen Erkrankung, ergo auch mir gegenüber. Und ich muss mich damit auseinandersetzen, und mir die Frage stellen: Was stimmt mit den "Gesunden" nicht, wenn sie mich und andere fast ausschließlich auf mögliche und befürchtete Krankheitssymptome reduzieren, ohne genau dabei zu wissen, wovor genau sie sich eigentlich fürchten.
Um Missverständnissen vorzubeugen: ich habe durchaus Verständnis dafür, dass Menschen, die noch nie in ihrem Leben mit psychischen Erkrankungen zu tun hatten, Menschen wie mir mit einer gewissen Befangenheit gegenübertreten. Aber die Befangenheit lässt sich überwinden, wenn man mich konkret nach Einzelheiten fragt, und ich die Möglichkeit bekomme, Zusammenhänge zu erläutern, und Vorurteile, sowie angelesene Halbwahrheiten und Halbwissen gerade zu rücken. Nur bekomme ich diese Chance zu selten. Statt dessen scheint es die Meinung zu geben, dass psychisch Erkrankte durch die Bank sabbernde und geifernde Psychopathen sind, die sich hinter Bildung, Freundlichkeit und Empathie nur verstecken, um im nächsten Moment laut schreiend aus der dunklen Ecke zu stürmen, um die nächste Frau zu schänden. Zugegeben: dieses Bild ist ein wenig überspitzt, trifft aber leider im Kern wohl zu. Und es macht mich traurig und wütend!
Ohne es zu hinterfragen, wird stillschwiegend vorausgesetzt, dass der "Kranke" sich fast ausschließlich durch die Erkrankung definiert, und dabei vollends zum eigenen Klischeebild wird - im Gegensatz zu anderen Erkrankungen, bei denen man selbstverständlich davon ausgeht, dass sie lediglich ein Teil des Ganzen sind.
Man stelle sich vor: ich führe tatsächlich ein ausgefülltes und weitgehend befriedigendes Leben, und das ohne allzu große Einschränkungen, und wider bestimmte Prognosen! Ich fühle mich weitestgehend "normal" und unbeschwert im Umgang mit anderen; und nichts liegt mir ferner, als Frauen zu missachten und ihnen Gewalt anzutun. Geschweige denn, andere Menschen wissentlich und willentlich schlecht und respektlos zu behandeln.
Das Rezept gegen Vorurteile ist so simpel wie effektiv: Unbefangenheit, Offenheit, Empathie und die Bereitschaft, sich fair mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dann klappt's auch mit dem freundlichen Psycho von nebenan!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen