Freitag, 24. Juni 2016

...und der Zukunft zugewandt

Ich habe sehr viel Lebenszeit damit verbracht, mich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, und sie damit quasi immer wieder aufs Neue - mich selber damit quälend - heraufzubeschworen. Es hatte einen gewissen perversen Reiz für mich, in der Vergangenheit zu leben, denn die Gegenwart, und mit ihr auch die Zukunft, sahen trostlos und wenig ermutigend für mich aus. Aber die Vergangenheit war ja auch nicht besser - und meine Erwartungen, meine Visionen basierten ausschließlich auf ihr - nebst meinen düsteren und pessimistischen Gedanken.

Nicht immer lässt es sich vermeiden, zurück zu blicken, denn Erinnerungen sind nur begrenzt kontrollierbar. Aber in der Depression bekommt das Ganze eine eindeutig zwanghafte Nuance, die es einem unendlich schwer macht, sich vom Vergangenen zu lösen, und sich beim Blick nach Vorn auf die eigenen Stärken und die (wenn auch nur verdeckt) vorhandenen positiven Erinnerungen zu beschränken. Das macht es zu einem äußerst kräftezehrenden Kampf mit sich selber um die Deutungshoheit der eigenen Biografie. Und man sollte sich dabei nie zu sicher sein, den endgültigen Sieg davongetragen zu haben, denn die eigene negative Prägung ist ein tückisches Miststück, das auch nach längerem Wohlbefinden noch immer in einer dunklen Ecke lauert, und hämisch grinsend auf seine Chance wartet. Ich habe das alles gerade in den letzten Wochen wieder erleben dürfen. Und es passiert bevorzugt in solchen Situationen, die mit einer großen inneren Anspannung verbunden sind, wie beispielsweise Stress auf der Arbeit, oder emotionale Begegnungen mit anderen Menschen, die zwangsläufig die Auseinandersetzung mit dem eigenen Charakter beflügeln.

Der Kampf ist also niemals endgültig vorbei. Aber die "Ruhephasen" werden mit der Zeit länger, und sie gewinnen an Stärke und an Bedeutung für die nächste Herausforderung. Das Vertrauen in das eigene Vermögen, die eigenen Stärken, nimmt dabei ständig zu und erleichtert den Umgang mit den Schatten der Vergangenheit. Und es ist eine gute Übung, diesen Situationen nicht auszuweichen, sondern sich ihnen ganz bewusst zu stellen, sie auszuhalten - soweit und so lange es die eigenen Kräfte zulassen. Auch scheinbare Niederlagen können in Wirklichkeit ein Gewinn sein - zumindest in dem Sinne, gut auf sich Acht gegeben zu haben, und Gefahren für das eigene Wohl rechtzeitig erkannt und beseitigt zu haben. Früher war mein Leben wie eine Achterbahn, aus der es keinen Ausstieg gab. Heute hingegen steige ich rechtzeitig aus - bevor ich kotzen muss.





1 Kommentar:

  1. Schön, dass du das schaffst.....ich muss leider immer noch kotzen....

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