Donnerstag, 9. Juni 2016

Präferenzen

Normalerweise äußere ich mich grundsätzlich nicht öffentlich (und selbst privat nur äußerst ungern) zu intimen Präferenzen anderer Menschen. Und jetzt mache ich das auch nur deswegen, weil mich dieses Thema in den letzten Tagen dermaßen beschäftigt, und es mich fast vollständig an meine Grenzen gebracht hat. Die Rede ist von BDSM. Tante Wikipedia sagt dazu: " Der Begriff BDSM, der sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnungen „Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism“ zusammensetzt, beschreibt eine sehr vielgestaltige Gruppe von meist sexuellen Verhaltensweisen, die unter anderem mit Dominanz und Unterwerfung, spielerischer Bestrafung sowie Lustschmerz oder Fesselungsspielen in Zusammenhang stehen können (...)" Und weiter heißt es: "(...) Alle Varianten des BDSM haben gemeinsam, dass sich die Beteiligten freiwillig aus ihrer Gleichberechtigung in ein Machtgefälle begeben. Der devote Partner gibt einen bestimmten Teil seiner Autonomie auf und übergibt sie dem dominanten Partner (Power Exchange). Beide Beteiligten erzielen daraus einen Lustgewinn. Der dominante Partner wird auch Dom oder Top genannt, der devote Partner auch Sub oder Bottom.(...)"

Ich muss gestehen, bis vor Kurzem hatte ich nur eine sehr periphere und vage Vorstellung von diesem Thema - es spielt in meinem Leben überhaupt keine Rolle, und bislang gab es auch keinen Grund für mich, mich diesem Thema überhaupt zu widmen. Aber im Rahmen des Kennenlernens einer Internetbekanntschaft bin ich unvermittelt und wie aus heiterem Himmel mit diesem Thema konfrontiert worden - im Rahmen eines intensiven Mailkontaktes, wo es um Vertrauen und um das tatsächliche Kennenlernen des Gegenübers ging. Und ich gebe zu: Die Konfronation mit diesem Thema hat mich komplett überfordert, und mich völlig ratlos gemacht. Dabei liegt es mir ausdrücklich fern, die Neigungen anderer Menschen zu be- oder gar zu verurteilen. Das würde ich mir niemals anmaßen, und außerdem bin ich mit dieser Thematik, oder Spielart der menschlichen  Erotik viel zu wenig vertraut, um mir darüber ein fundiertes Urteil erlauben zu können. Aber es hat mich geschockt, weil es mir total fremd ist, und das diametral gegenüber liegende Bild dessen ist, was ich unter liebevollem, intimem und gleichberechtigtem Umgang miteinander verstehe. Und ja: es hat mir Angst gemacht!

Es widerspricht in allem meinem Verständnis von respektvollem, vertrauensvollem und achtsamem Umgang miteinander in einer Beziehung, dem Anderen Schmerzen zuzufügen, ihn zu unterwerfen, oder selber unterworfen zu werden, und Schmerzen zu erleiden - selbst auf der Basis völliger Freiwilligkeit. Und ich hasse es, in einer beliebigen Situation - und sei sie noch so begrenzt - hilflos ausgeliefert zu sein.

Seitdem frage ich mich, wie ein Mensch geschaffen sein muss, um an dieser Form des Umgangs miteinander, der sich ausdrücklich nicht nur auf das rein Sexuelle bezieht, sondern auch im alltäglichen Miteinander eine Rolle spielt, Gefallen zu haben, und Lust dabei zu empfinden. Und ich finde keine Antwort! Aber gleichzeitig wird mir auch immer deutlicher, dass dieses Thema trotz meiner Beschäftigung damit, keinen dauerhaften Platz in meinem Leben hat, und auch nicht haben sollte. Denn bei aller Offenheit für Neues und Unbekanntes, die ich mir durchaus zugestehe, gibt es Grenzen, die ich nicht überschreiten kann und werde.




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