Samstag, 14. Mai 2016

Lebensqualität

In "Grenzgänger" habe ich zum Thema Freundschaften folgenden Satz geschrieben: "Ich habe nicht viele Freunde." Eigentlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt nur einen wirklichen Freund, über den ich ja auch bereits geschrieben habe. Inzwischen sieht das anders aus: Ich habe neue Freunde gefunden, und zu einer Handvoll alten wieder eine allererste Verbindung aufgenommen. Vor Kurzem wäre das noch undenkbar gewesen - ich hätte mich schlichtweg nicht getraut, oder hätte wahlweise angenommen, von ihrer Seite bestünde ohnehin keinerlei Interesse mehr daran.

Ich habe falsch gelegen, und das ist schön! Ich habe es geschafft, die unsichtbare Wand zwischen mir und der Welt zu durchbrechen; und das ohne zu zögern, oder gar Angst zu empfinden. Es ist einfach passiert - so wie Dinge im Leben eben passieren - ohne vorab allzu komplexe und absurd schwierige Gedankengänge zu absolvieren - inklusive düsterer Vorahnungen, dass mein Unterfangen ohnehin zum Scheitern verurteilt sein würde.

Ich habe ebenfalls geschrieben, dass das Schließen von Freundschaften bei mir eine Frage des Vertrauens ist, welches bei mir aufgrund meiner Vorgeschichte nachhaltig und grundsätzlich schwer beschädigt ist. Das hat nach wie vor Gültigkeit, aber anscheinend verfügt die menschliche Seele auch über starke Selbstheilungskräfte, von deren Existenz ich nichts geahnt habe, und möglicherweise aus Selbstschutz auch nichts hören wollte. Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und über die Jahrzehnte verfestigen sich gerade negative Erfahrungen besonders gerne.

Ich hatte von mir immer das Selbstbild des zunehmend verschrobenen und etwas menschenscheuen Einzelgängers. Das werde ich nun wohl revidieren müssen - nicht, dass Gefahr bestünde, zum Partylöwen zu mutieren, aber in jedem Fall bin ich aufgeschlossener und furchtloser bei neuen (und bei alten) Bekanntschaften. Das macht das Leben wieder deutlich lebenswerter und schöner - und unvorhersehbarer! 

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