Sonntag, 8. Mai 2016

Innerer Widerstand

Entschuldigt bitte, wenn ich euch hier mit meinem privaten Kram nerve, aber manchmal tut es einfach gut, wenn ich meine Gedanken schriftlich sortieren kann.

Seit einer Woche habe ich nun einen neuen Job, und eigentlich sollte ich damit zufrieden sein - denn schließlich habe ich mir ihn ausgesucht, und prinzipiell habe ich auch nichts daran auszusetzten: Das, was ich dort tue, ist ziemlich komplex und anspruchsvoll (gut fürs Ego und die grauen Zellen) und, ich trage nach der Einarbeitungsphase richtig Verantwortung ( nicht schlecht für einen abgebrochenen beruflichen Mehrfachversager).

Also was stört mich? Die Tätigkeit ist sehr technisch, und ich verbringe fast die ganze Zeit am Rechner, oder am Scanner, den ich mit einer wahren Papierflut füttern muss. Bei der Weiterverarbeitung gibt es eine Menge zu beachten, und Fehler können verheerende Folgen haben - sofern sie nicht rechtzeitig bemerkt werden. Und nein: ich fühle mich nicht intelektuell überfordert! Nur hat das, was ich tue, so gut wie nichts mit Menschen zu tun, und das ist extrem ungewohnt, beziehungsweise gewöhnungsbedürftig.

Ein weiterer Faktor ist der momentane Stresslevel. Natürlich habe ich geahnt, dass die ersten zwei Wochen, in denen ich an drei, bzw. vier Tagen pro Woche über mehrere Stunden eingearbeitet werde, sehr anstrengend sein würden, und mich an meine Belastungsgrenze brächten. Aber die Frage, die sich mir immer drängender stellt, lautet: Ist es dieser Stress überhaupt wert, von mir ausgehalten zu werden?

Die letzten drei Monate habe ich sehr zufrieden und ausgelastet verbracht; ohne Druck von außen und völlig selbstbestimmt. Auch das Schreiben hat mich Kraft gekostet, aber ich hatte ein selbstdefiniertes Ziel vor Augen, das mich angetrieben hat. Jetzt kommt der Druck von außen (zumindest zum Teil), denn ich habe einen Arbeitsvertrag unterschrieben, und bin damit klare Verpflichtungen eingegangen, die ich erfüllen muss - ohne Rücksicht auf persönliche Empfindungen und Präferenzen. Und ich bin im Hinblick auf den neuen Job auch finanzielle Verpflichtungen eingegangen, die ich nicht einfach unbeachtet lassen kann, wenn es mir gerade in den Kram passt.

Ich glaube, diese ganzen Verflechtungen von Arbeit, Verantwortung und Verpflichtungen sind mir vorher nie so klar gewesen, wie jetzt. Und ich habe Zweifel daran, ob ich ihnen auf Dauer tatsächlich gewachsen bin; denn vorher war alles viel einfacher und eben komplett selbstbestimmt! Das ist jetzt anders und ungewohnt und macht mir ein wenig Angst. Nun sollte ich mich gerade mit Ängsten ja wirklich gut auskennen, denn schließlich waren sie über Jahrzehnte integraler Bestandteil meiner Existenz. Und so stehe ich vor der Frage: Beherrsche ich die Angst, oder beherrscht sie mich, so wie früher?

Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber die Wege, die Angst zu besiegen, sind mir noch nicht wirklich vertraut und ich werde vermutlich gelegentlich stolpern. So wie jetzt gerade. Aber ich weiß ja mittlerweile, wie man wieder aufsteht.

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