Sonntag, 22. Mai 2016

Beschränkte Sicht

Ich bekenne mich dazu, politisch links zu stehen, und zwar deutlich links von der ehemals sozialdemokratischen SPD. Aber im Gegensatz zu parteiideologisch, oder durch hasserfüllte Weltanschauungen in ihrer Sichtweise eingeschränkte Polemiker vom Schlage eines Thilo Sarrazin, einer Frauke Petry, oder einer Alice Schwarzer, bemühe ich mich dennoch um eine möglichst weite und unideologische Betrachtung des aktuellen Geschehens. Dabei ist das gerade in den Momenten, wo gegen Muslime und Flüchtlinge gehetzt wird, und die Menschen, die sich deutlich gegen Fremdenhass positionieren, massiv angefeindet werden, garnicht so leicht. Denn anscheinend gibt es zur Zeit nur zwei zulässige, diametral entgegengesetzte Positionen: Auf der einen Seite die völlig kritiklose Willkommenskultur, und auf der anderen Seite die völlige Abschottung und die rigorose Ausweisung aller Flüchtenden. Dabei sind sich die Flüchtlingsgegner nicht einmal zu schade, mit oft erfundenen, oder gefälschten Skandal-Nachrichten (angebliche Übergriffe, weggeworfene Nahrung, etc.) in bester Stürmer-Manier Stimmung zu machen. Oder sie greifen sofort zum ultimativen Mittel, und setzen Flüchtlingsunterkünfte in Brand, und nehmen dabei völlig amoralisch und unbewegt zum Teil auch Tote und Verletzte billigend in Kauf.

Ich gestehe: es wird zunehmend unübersichtlich für mich, was genau wo aus welchen Gründen passiert, und wenn unsere Bundeskanzlerin gegen mein moralisches Empfinden dreckige Deals mit dem neuen, selbsternannten türkischen Sultan eingeht, dann wird mir schlecht. Das gilt aber gleichermaßen auch für den aus meiner Sicht zu milden, und inkonsequenten Umgang mit straffällig gewordenen Flüchtlingen, die dem deutschen Rechtsstaat grinsend den Mittelfinger zeigen. Und in ganz besonderem Maße gilt das für die Intelligenzallergiker von der AfD (Ach fick Dich), die sich bemühen, ihren ungefilterten Hass in ein perfides, bürgerliches Gewand zu kleiden.

Für mich galt, und gilt noch immer: Es gibt kein Schwarz- Weiß im Leben, und jede Sichtweise ist eingeschränkt, und durch persönliche Erfahrungen geprägt. Man sollte nur so ehrlich sein, sich dazu zu bekennen, und nicht versuchen, sie als allgemein gültige Wahrheit zu verkaufen. Das ist unethisch! 








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