Montag, 18. April 2016

Gefühlslage

Die letzten beiden Monate waren außergewöhnlich: Ich habe innerhalb kurzer Zeit ein Buch geschrieben, und ab Mai beginnt für mich nach langer und ungemein frustrierender Suche ein neuer Minijob. Also alles Gut?

Offen gestanden: ich weiß es nicht! Es ist so viel mit mir und in mir passiert, dass ich das Gefühl habe, nicht hinterher zu kommen. Dazu kommt, dass Erfolg mich immer misstrauisch macht (ich weiß, ist ne dumme Angewohnheit!). All das macht mich ruhelos, und ich weiß nicht, wie damit umgehen.

Andere würden sich jetzt vermutlich entspannt zurücklehnen und ihren wohlverdienten Erfolg erstmal ausgiebig genießen. Ich kann das nicht. Klar bin ich stolz auf mein Baby, aber gleichzeitig überlege ich, was ich hätte besser machen können, und ob ich mir vielleicht doch hätte mehr Zeit lassen sollen (also habe ich gepfuscht?). Während des Schreibens war ich definitiv in einer Art Rauschzustand: Was sich über Jahre hinweg angestaut hatte, wollte raus. Und das auf Einmal. Ich hatte Mühe, mit dem Schreiben hinterher zu kommen und dabei das Gefühl: Ich habe nicht viel Zeit! Ich weiß: das ist Blödsinn, denn ich hatte ja keine Deadline für das Buch.

Und dann der Job. Über ein Jahr habe ich mich wie ein Bekloppter beworben - verzweifelt nach einer Aufgabe suchend, und mit finanziellen Ängsten im Nacken. Und ich war erfolglos. Hatte eine Handvoll Bewerbunsggespräche, die alle mit einer enttäuschenden und doch erwarteten Absage endeten.

Dann habe ich einfach losgelassen. Wobei: das Wort "einfach" stimmt nicht! Ich habe lange mit mir gerungen, denn schließlich waren für mich ein regulärer Job und mein Selbstwertgefühl für eine halbe Ewigkeit untrennbar miteinander verknüpft. Und dann kam meine Therapeutin - schwer genervt von meiner Fokussierung auf einen Job - und schlug mir vor, mal wieder zu schreiben. Das Resultat kennt ihr. Ich habe geschrieben, und alles Andere hat an Wichtigkeit und Bedeutung verloren. Ich habe gemerkt: Schreiben ist meine Bestimmung!

Jetzt bin ich nervös! Alles hat so reibungslos geklappt - wie selbstverständlich. Ich habe losgelassen, und einen Job bekommen. Ich habe losgelassen, und konnte ein Buch schreiben. Ob es gut geworden ist, kann ich nicht beurteilen. Das könnt nur Ihr, wenn Ihr es lest (sorry, aber etwas Werbung muss sein!)

Vor ein paar Tagen habe ich etwas flapsig gesagt: "ich habe momentan einen Lauf!" Aber meine Kondition ist begrenzt, und Laufen strengt an. Also habt bitte etwas Verständnis für einen etwas erschöpften und nervösen Läufer nach seinem ersten Marathon... DANKE! 

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