Sonntag, 16. März 2014

Psychokram und so...

Warum wehre ich mich immer wieder gegen meine Krankheit und warum fällt es mir phasenweise so verflucht schwer, meine Einschränkungen und Unzulänglichkeiten zu akzeptieren?

Immer wieder ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass ich mich im Leben nur hätte mehr anstrengen müssen und nicht so oft die Waffen hätte strecken dürfen, um ein zufriedenes und erfülltes Leben zu führen. Also ist es in letzter Konsequenz mein eigenes Verschulden, dass mein Leben so hart und missvergnügt verläuft. Ich darf mich also eigentlich überhaupt nicht beschweren, sondern hätte nur... und so weiter.

Ich weiß nicht, ob Menschen mit einer körperlichen Behinderung anders mit ihren Einschränkungen umgehen und so oft mit ihrem Schicksal hadern, wie ich das tue, denn schließlich spricht man ja nicht darüber. Denn Lamentieren und Jammern ist uncool, unbequem (für die Anderen) und beschämt. Man möchte ja nicht auffallen und Aufsehen erregen, sondern möglichst unauffällig sein Dasein fristen und nirgendwo anecken.

Das Tückische an der Psyche ist ihre Unberechenbarkeit, mit der sie ihre Eigentümer immer wieder überrascht und gelegentlich auch aus der Bahn pustet. Ein amputiertes Bein bleibt amputiert und wächst nicht plötzlich über Nacht wieder nach; man hat also genügend Zeit, sich mit dem Verlust zu arrangieren und rechnet nicht mit einer unerwarteten Verbesserung seines Zustandes. Bei der Psyche ist das anders: Zeitweilige Normalität wird immer wieder unterbrochen von Phasen des völligen Zusammenbruchs und dem Verlust der Kontrolle über den eigenen Zustand. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten verschwindet unauffindbar in einem schwarzen Loch aus Verzweifelung und Resignation, und das gänzlich ohne Vorwarnung. Von jetzt auf gleich ist man ein verzweifeltes und handlungsunfähiges Häufchen Elend, das sich selber nicht begreift, sich selber nicht mehr ausstehen kann, und dessen Fragen nach Logik und Rationalität des Geschehens ungehört verhallen.

Außenstehende können soetwas nicht nachvollziehen oder nachempfinden, denn es fehlt an "begreifbaren" Fakten, die bei einer körperlichen Beeinträchtigung meistens unmittelbar ins Auge springen. Das macht das Leben mit uns Psychos so schwer und uns so einsam, selbst wenn wir unter Menschen sind.






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