Donnerstag, 1. August 2013

Blick in die Vergangenheit

Der Blick auf bestimmte Ereignisse in der eigenen Vergangenheit und ihre Einordnung oder Bewertung, sind sehr subjektiv und abhängig von dem Bild, das man von sich selber hat. Viele Menschen neigen dazu, die eigene Vergangenheit zu verklären und zu glorifizieren; insbesondere, wenn es sich um "Jugendsünden" wie Diebstahl, oder Alkohol- und Drogenexzesse handelt.

Im Rückblick werden solche Ereignisse oft verharmlosend zu Manifestationen der eigenen Rebellion gegen die Gesellschaft und das "Establishment" stilisiert und die Gefährlichkeit von Exzessen, die Amoralität von Diebstählen, werden bewusst heruntergespielt und verdrängt. Nie wieder in seinem Leben hat man sich so frei und unbeschwert gefühlt wie damals, als man sämtliche Wertmaßstäbe und ethischen Grundsätze mit spielerischer Leichtigkeit in Frage gestellt und außer Kraft gesetzt hat.

Meine eigene Biografie ist voll von derartigen Begebenheiten, bei denen andere Menschen durch mich ihrer zumindest seelischen Unversehrtheit beraubt worden sind und deren Leid für mich damals lediglich ein abstraktes Konstrukt war, mit dem ich mich nicht auseinandersetzten konnte und wollte. Viel zu sehr war ich mit dem Austesten meiner eigenen Grenzen und der Toleranz Anderer beschäftigt, als das ich soetwas wie Mitgefühl, oder gar Schuld und Scham hätte empfinden können. Damals ahnte ich noch nicht, dass meine fehlende Empathie und mein Bedürfnis, der Gesellschaft im Allgemeinen den Mittelfinger zu zeigen, irgendwann als seelische Erkrankung diagnostiziert werden würde, die ihren Ursprung in einer ziemlich traumatischen Kindheit und Jugend hat.

Viele Menschen sind nicht einmal ansatzweise in der Lage sich vorzustellen, was frühkindliche und in der Jugendzeit erlittene Traumata anzurichten vermögen und welche Sprengkraft sie im späteren Leben entwickeln können. Sie halten eine "schwere Kindheit" für vorgeschoben, um Gewaltexzesse und andere Straftaten zu verharmlosen oder gar zu entschuldigen. Dabei geht es- von einigen unrühmlichen Ausnahmen einmal abgesehen- weder um Verharmlosung noch um Entschuldigung, sondern darum, welch verheerenden Schaden traumatische Erlebnisse anrichten können, wenn sie nicht frühzeitig erkannt werden.

Im Rückblick erscheint mir vieles von dem was passiert ist, wie eine wütende und unkontrollierbare Naturgewalt, die ich nicht beherrschen konnte und der ich als Täter selber hilflos ausgeliefert war. Vielleicht macht mich diese Erkenntnis auch immun gegenüber dem nostalgisch verklärten Blick in die so oft postulierte "Sturm und Drang Zeit", in der alles erlaubt und ein Zeichen von berechtigter Rebellion war. Meine Vergangenheit sehe ich als mein persönliches Mahnmal dafür an, alles zu tun, um nie wieder in solche Ausnahmesituationen zu gelangen.

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