Freitag, 24. Mai 2013

Ain't Nothing But The Blues!

Ich bin ein musikalischer Spätentwickler. Zuhause gab es nur Klassik in allen Variationen- sogenannte "Unterhaltungsmusik", wie Jazz, Pop oder Rock- war verpönt und entsprach nicht unserem Standard als Bildungsbürger-Familie und Anthroposophen.
Nachdem ich mir sehr zum Missfallen meiner Mutter mit Vierzehn von meinem Konfirmationsgeld den ersten Radiorecorder gekauft hatte, tastete ich mich staunend vor in die Welt der anderen Musik: Begierig, staunend und zunächst sehr unkritisch saugte ich Sendungen wie "Mal Sondocks Hitparade" in mich hinein, und hörte das erste Mal mit größter Begeisterung Rock'n'Roll und Blues auf BFBS. Besuche in Berlin bei meinem großen Bruder taten ihr Übriges: Ich tauchte immer tiefer ein in die Musik von BB King, Champion Jack Dupree und anderer Bluesgrößen- ein neuer musikalischer Kosmos offenbarte sich mir.
Erst viele Jahre später (ich muss da so etwa Zwanzig gewesen sein) besuchte ich als Zivi mein erstes Livekonzert. Für fünf Mark Eintritt spielte in einer abgewrackten Kneipe irgendeine Bluescombo, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere. Und gerade dieses Konzert war es, das mich musikalisch und in seiner gesamten Atmosphäre wie nie zuvor mitriss. Ich schüchterner Jüngling tanzte und sang mir die Seele aus dem Leib! So war dieses für mich legendäre Konzert die Initialzündung meiner lebenslangen Liebe zum Blues.
Viele Umwege (auch musikalisch) bin ich in meinem Leben gegangen, habe mich verirrt und doch immer wieder zurück zum Blues gefunden. Keine andere Musik berührt mich so im Allerinnersten: Diese einzigartige Mischung aus Verzweifelung, blankem Zynismus, purer Energie und Lebensfreude packt mich immer wieder und reißt mich aus dem tiefsten Loch. In keiner anderen Musik finde ich mich selber so erkannt und bis ins Innerste verstanden, wie im Blues. Es ist "meine" Musik!

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