Dienstag, 23. April 2013

"Sie brauchen eine Tagesstruktur!"

 Vorsicht: Der nachfolgende Text kann Spuren von Satire und Sarkasmus enthalten!

Ich muss ziemlich sparsam gekuckt haben, als ich obigen Satz das erste Mal hörte. Natürlich brauchen wir Menschen ein Lebensgerüst, an dem wir uns entlanghangeln können- wir brauchen eine Aufgabe, oder sogar Aufgaben, damit wir uns nützlich fühlen und soetwas wie einen Sinn in unserem Leben finden. Das bedarf keiner langwierigen und künstlich aufgeblasenen Diskussion.
Für Therapeuten und Sozialarbeiter ist diese Diskussion um ein künstliches Konstrukt mit Namen "Tagesstruktur" aber quasi Lebensinhalt und Daseinsberechtigung in Einem- also etwas, um das sie ihr eigenes Berufsleben herumbauen können: Finde für deinen Klienten/Patienten eine Tagesstruktur, und du hast einen guten Job gemacht!
Dumm ist nur, wenn der Patient/Klient es wagt, eigene und von den sozialwissenschaftlich-psychotherapeutisch geprägten Vorstellungen abweichende, nicht ins gutmenschlich-abstrakte Lebensbild passende, Ideen entwickelt und dann sogar die Frechheit besitzt, diese auch vehement zu vertreten. Ein Weltbild bröselt in sich zusammen und aus sanft bestimmten, mit geschulter Therapeutenstimme vorgetragenen "Vorschlägen" werden unvermittelt latent drohende von einem gekränkten Ego vorgetragene versteckte Forderungen: Wenn Sie nicht... dann...! Wie kann Mensch es auch wagen, wissenschaftlich-statistische Wahrheiten als durch die persönliche Lebenserfahrung widerlegte Fehlkonstruktionen zu entlarven? Schließlich sind Therapeuten und Betreuer ja mit dem Nimbus der Unfehlbarkeit und unumstößlichen einzigen Wahrheit ausgestattet und lassen sich von Nichtigkeiten wie Lebenserfahrung und individuellen Wünschen nur ungerne ausbremsen. Und ehe man es sich versieht, ist man ein unbequemer, unkooperativer Rebell, steht mit dem Rücken zur Wand und wird inquisitorisch zur Rede gestellt.
Im Übrigen: Leben diese Gutmenschen eigentlich selber nach ihren unumstößlichen und für die seelische Gesundheit angeblich unverzichtbaren Gesetzen? Oder ist es vielmehr der Versuch, zwischen "Krank" und "Gesund" eine imaginäre Grenze zu ziehen und dabei den "Kranken" etwas aufzuzwingen, was sich schon längst für die eigene Lebensgestaltung als unpraktikabel erwiesen hat?
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie einfach Ihren Arzt oder Betreuer!

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