Mittwoch, 20. Februar 2013

Fragen zur Perspektive

Schon länger trage ich mich mit dem Gedanken, meine Biografie aufzuschreiben. Nicht so sehr als eine Aneinanderreihung von Ereignissen und Erlebtem, sondern eher als eine Suche nach "dem roten Faden" und vielleicht mit dem Ergebnis einer mehr oder minder endgültigen Aufarbeitung des Geschehenen.
Wenn sogenannte "prominente Persönlichkeiten" ihre Autobiografie schreiben (oder schreiben lassen), dann hat das wenig mit Aufarbeitung zu tun, sondern ist eher der verzweifelte Versuch, die eigene Bedeutsamkeit und Einzigartigkeit herauszustellen und für Nachwelt und Ewigkeit festzuschreiben. Sie befriedigen damit einerseits ihre maßlose persönliche Eitelkeit und andererseits natürlich auch das Bedürfnis der Menschen nach exklusiver Enthüllung von angeblich pikanten und bisher verborgenen Details aus dem Leben des "Prominenten". Dabei spielen der Aspekt der literarischen Qualität und der tatsächliche qualitative Erkenntnisgewinn für den Lesenden bestenfalls eine untergeordnete Rolle.
Und genau bei diesen beiden wesentlichen Merkmalen für ein gutes oder sogar sehr gutes Buch beginnen die eigentlichen Probleme. Eine Biografie ist immer wesentlich mehr als die Abfolge bestimmter Ereignisse oder die subjektive  Einordnung in das aktuelle Zeitgeschehen. Im Idealfall ist sie ein Dokument des persönlichen Reifungsprozesses und sowohl Ideengeber, als auch Deutungshilfe für das eigene Leben.
Daraus ergibt sich einerseits eine große Verantwortung für den Schreibenden und andererseits eine schwierige und lang andauernde Suche nach Erzählperspektive und sowohl szenischer als auch inhaltlicher Auswahl.
Auch das persönliche Verhältnis zum eigenen Leben und Handeln spielt eine wichtige Rolle bei diesem Unterfangen: Habe ich genügend Abstand zu den Ereignissen, von denen ich erzählen möchte, oder neige ich dazu, unnötig und voller Selbstmitleid zu dramatisieren? Gelingt es mir, aus meinen Erlebnissen und bewusst subjektiven Gedanken etwas Wertvolles und vielleicht sogar Allgemeingültiges herauszufiltern? Und zu guterletzt: Erachte ich meine eigene Geschichte mit all ihren Brüchen, ihrem Scheitern tatsächlich als wirklich erzählenswert und interessant für andere Menschen?
Ich brauche Zeit für diese Fragen und brauche Zeit, um sie adäquat und aufrichtig beantworten zu können.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen