Montag, 7. Januar 2013

Zwischengedanken

Viele meiner letzten Texte und Poeme sind düster, traurig und ohne jede Hoffnung; sie machen vielleicht auch Angst (sogar mir, wenn ich sie mit ein wenig Abstand lese). Aber was hätte ich davon, lediglich Schönwetter-Literatur zu schreiben und damit meine ureigenen Gedanken und Empfindungen, so wie sie zur Zeit einfach sind, außen vor zu lassen? Es wäre vielleicht besser verdaulich und leichter zu lesen, aber eben auch unehrlich und meinem Streben nach Authentizität nicht angemessen. Und Unehrlichkeit, vielleicht sogar Verlogenheit, oder das Leugnen von tiefen Gefühlseinbrüchen, würden das Bild nur verzerren und dem, was ich hier tue, die Grundlagen entziehen.
Der Versuch, trotz aller widrigen Umstände ich selber und mir treu zu bleiben und die Dinge entgegen allen inneren Widerständen schonungslos beim Namen zu nennen, geben mir einen letzten Halt und hindern mich daran, endgültig in den Strudel der Depression zu geraten. Einmal ausgesprochen, verlieren selbst die dunkelsten und angstmachenden Gedanken, denen mich zu stellen größte Überwindung kostet, ihre Gewalt über mich und ich finde allmählich die Kraft, den Herausforderungen meines Lebens wieder entgegenzutreten.
Schönwetter-Literatur ohne Tiefen, ohne unbequeme Konfrontation mit den eigenen Abgründen und ohne den Stempel der eigenen Persönlichkeit, mag zu bestimmten Zeiten ihre Berechtigung haben, dient der Entspannung und der Erholung vom eigenen Alltag. Aber sie spiegelt nicht die ungeschminkte Wirklichkeit wider, hinterfragt nicht und hinterlässt auch keine tieferen Spuren.
Menschen mit einer seelischen Beeinträchtigung, oder auch Behinderung, empfinden und erleben ihren Alltag intensiver und schmerzhafter. Wir haben gelernt, dem äußeren Schein zu misstrauen und hinterfragen vieles, was für andere Menschen selbstverständlich und vielleicht nicht weiter wichtig ist. Umso mehr können wir aber auch die wirklich schönen und friedvollen Augenblicke in uns aufnehmen, sie genießen und nachklingen lassen. Sie sind wie ein wärmender Sonnenstrahl im oft grauen und eintönigen Einerlei unseres Lebens. Dabei sind es gerade die scheinbar kleinen, unverhofften Momente, wie der Besuch bei guten Freunden, die sich als glückliche und unbeschwerte "Feiertage" herausstellen, wenn man es am wenigsten erwartet. Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann geben sie auch wieder ein klein wenig Hoffnung auf bessere Zeiten.

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