Freitag, 18. Januar 2013

Nachdenken über Freundschaft

Was ist eine Freundschaft wert, wenn nur einer sie pflegt und sich um ihre Bewahrung sorgt?
In den vergangenen Monaten habe ich mich nach langem Zögern dazu durchgerungen, mich von langjährigen "Freunden" zu trennen, denen ihr offensichtliches Verharren in der eigenen Bequemlichkeit und der eigenen Routine wohl wichtiger war, als die Pflege einer Beziehung, die die Möglichkeit einer wirklich guten Freundschaft in sich hatte. Abgesehen von Phrasen wie: "Ich melde mich nächste Woche bei dir!" oder "Wir müssen unbedingt mal wieder einen Kaffee zusammen trinken!" -letztlich absichtsleeren Erklärungen ohne Erfüllung- war da nichts mehr.
Sicherlich gibt es immer gute Gründe, sich nicht bei jemandem zu melden und dem Gegenüber den aktiven Part zu überlassen, aber was daran stört und verletzt ist das geheuchelte und vorgeschobene Interesse am Anderen, das mit der gelebten Wirklichkeit so garnichts zu tun hat.
Eigentlich ist es eine Binsenweisheit, dass Freundschaft aus der Balance von gegenseitigem Interesse und Anteilnahme heraus lebt und sich entwickelt, aber leider scheint diese Erkenntnis selbst bei denkenden Menschen noch nicht gänzlich durchgedrungen zu sein und das ist nicht nur schade, sondern auch jedes Mal  mehr Enttäuschung und ein wenig mehr Skepsis und Misstrauen gegenüber neuen Begegnungen.
Für einen Menschen, der sich biografisch bedingt ohnehin nur schwer auf neue Menschen einlassen kann und für den Freundschaft zu schließen ein langwieriger und von tiefen Zweifeln begleiteter Prozess ist, sind solche Erfahrungen immer eine tückische Bestätigung des eigenen Unvermögens und des Gefühls von Minderwertigkeit. Man sieht sich darin bestätigt, als Mensch "nicht richtig zu sein" und in seiner teils aufgezwungenen, teils freiwillig gewählten Aussenseiterposition bestärkt.
Selbst mit dem oft als quälend empfundenen Gefühl der Einsamkeit und dem starken Verlangen nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit fällt es schwer genug, die Barrieren zu durchbrechen und das Wagnis einer neuen Bekanntschaft einzugehen. Umso schlimmer ist es, wenn dann eine als Freundschaft empfundene Beziehung so kläglich an der Ignoranz und der Selbstbezogenheit anderer Menschen scheitert.
Für den Einsamen und Kranken ist Zynismus das Mittel der Wahl, um sich einen Rest von Aufbegehren und Selbstbewusstsein zu bewahren. Denn solange ich -wenn auch verbissen und gequält- noch lachen kann über das Unvermögen Anderer und meine eigene Beschränktheit, ist noch nicht alles verloren.

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