20. November 2019

Über das Ende einer großen Liebe

Ist es angemessen, über das Ende einer wahrhaft großen und einzigartigen Liebe öffentlich zu schreiben, über die Ursachen und Hintergründe, die mich - trotz oder womöglich wegen meiner Liebe - dazu veranlasst haben, diesen Trennungsschritt unter großen seelischen Schmerzen zu vollziehen? Ich kann diese Frage nicht abschließend beantworten. Aber vielleicht ist es auch nur folgerichtig, hier darüber zu schreiben, nachdem ich auch immer wieder über Teile des gemeinsamen Entwicklungsprozesses an dieser Stelle berichtet habe. Einige Texte zu diesem Thema habe ich hier kürzlich entfernt, weil es mich zu sehr geschmerzt hat, mich immer wieder mit ihnen und den damit verbundenen, sehr ambivalenten Erinnerungen zu konfrontieren; auch wenn ich zu ihrem Inhalt, ihrem Duktus, ihrem Wahrheitsgehalt, unvermindert und zu 100 Prozent stehe. Denn es war, ohne den geringsten Zweifel, ohne jede Einschränkung, und trotz des abrupten Endes, die Liebe meines Lebens.  

Petra ist ein wahrhaft und im Kern liebevoller, warmherziger und mitfühlender, großartiger Mensch; unglaublich facettenreich, emotional, klug und bisweilen sogar weise, reflektiert und vielschichtig. So wie ich auch. Was uns verbunden hat, waren zum Einen diese Übereinstimmungen und zum Anderen unsere gemeinsame und mich immer wieder inspirierende und in meiner Arbeit beflügelnde Suche nach Wahrheit, Authentizität und einer von Liebe, Freiheit und Achtsamkeit geleiteten Lebensführung. 

Aber so wie ich, hat sie ihren eigenen Kopf und starke, nicht verhandelbare Überzeugungen, insbesondere in Bezug auf Liebe und Freiheit, die ich um meiner seelischen Unversehrtheit Willen nicht länger mittragen konnte. Denn was für Petra gelebte und konsequente Freiheit ist, hat sich für mich immer mehr, und damit letztlich unabweisbar, als ungezügelter und bisweilen rücksichtsloser Egoismus entpuppt. Für mein Empfinden und zu meinem tiefsten Bedauern das Gegenteil von Liebe. Und dieser viel zu breite und zu tiefe Graben zwischen uns lässt sich für mich nicht länger überwinden, weil es mich zuviel Kraft gekostet hat, diese immense Diskrepanz immer wieder auszugleichen und auszuhalten.

Allein um Petras Willen, aus wohl fehlgeleiteter Rücksichtnahme auf ihre Besonderheiten, und aus zu viel Liebe, habe ich über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren meinen Wunsch, meine Sehnsucht nach einer vollständigen und ausschließlichen Liebe mit Leib und Seeleunterdrückt und vor ihr und mir verleugnet. Denn bis zum bitteren Ende hatte ich die starke, mich scheinbar durch restlos alles hindurch tragende Hoffnung in mir, dass meine grenzen- und bedingungslose, bisweilen sogar selbstlose Liebe zu ihr, irgendwann dazu imstande sein würde, Petras Überzeugungen und Grenzen zu überwinden. Die Erkenntnis, mich in diesem so entscheidenden Punkt derart geirrt, oder besser gesagt, verirrt zu haben, hat mich in meinen Grundfesten zutiefst erschüttert, der ich doch von meiner Wahrheit so sehr überzeugt war. 

Meine Trauer, mein Schmerz über diesen großen Verlust an Hoffnung, an Illusion, und über den so tiefgreifenden, elementaren Verlust eines von mir zutiefst und aufrichtig geliebten Menschen, sind sehr groß und gehen sehr tief. Trotzdem bin ich nicht wütend auf sie. Auch sehe ich mich keinesfalls als Opfer einer Intrige oder eines perfiden Spiels mit meinen Gefühlen. Denn ich habe meinen Part in dieser Beziehung freiwillig übernommen und bin von meiner Intuition, meiner inneren Stimme, oft genug davor gewarnt worden. Denn zu oft hat es weh getan. Verdammt weh. Und ich habe das bewusst und ebenso freiwillig unterdrückt und mir mit Macht schön geredet. 

Was ich zum jetzigen Zeitpunkt für mich daraus gelernt habe, ist: Die Liebe zwischen zwei Menschen kann und will ich nur dann leben, wenn sie exclusiv ist, sämtliche Aspekte und Facetten, und damit auch die körperliche Liebe, beinhaltet und nichts ausklammert und ausschließt. Dass ich diese Art der vollkommenen Liebe nicht mit Petra leben kann, stimmt mich nach wie vor sehr traurig. Denn für mich war sie (und ist sie nach wie vor) sehr nah an meinem Idealbild. Ich wünsche Dir eine gute Reise, Petra!















11. November 2019

Gehen mit dem was ist und dankbar sein

Immer mal wieder kommt mir der Satz der Gewahrseins-Expertin Andrea Löffler: "Gehen mit dem was ist" in den Sinn, mit dem ich mich schon zu verschiedenen Anlässen näher beschäftigt habe. Auf mich hat dieser Satz -gerade in Momenten der inneren Unruhe oder Unzufriedenheit- eine beruhigende und tröstende Wirkung. Denn er gemahnt mich daran, mich nicht in meinem Miss-Empfinden zu verlieren oder mich ihm hinzugeben. Sondern stattdessen die momentane Situation als gegeben hinzunehmen, verbunden mit der Gewissheit, dass sämtliche Situationen ihren Sinn und ihre Berechtigung haben und auch wieder vorübergehen; so, wie auch meine Gedanken und Gefühle, die ja ebenfalls nicht in Stein gehauen und unveränderlich sind.

Heute ist so ein Tag, an dem ich mich innerlich etwas "grummelig", auf unbestimmte Weise unzufrieden und in Bezug auf mich und meine Intentionen und Ziele irgendwie unsicher und blockiert fühle. Das passiert einfach von Zeit zu Zeit. Und ich weiß, ich habe die Wahl, mich dieser Gefühlslage entweder hinzugeben, oder meine Sichtweise, und damit auch meine dazugehörigen Gefühle und Gedanken, willentlich und gezielt in eine andere Richtung zu lenken, einen anderen Weg einzuschlagen. Aber wie funktioniert das?

An solchen Tagen bin ich auch zu Beginn meiner Morgenmeditation unsicher in Bezug auf ihre Ausrichtung, und tue mich schwer damit, überhaupt hineinzufinden, weil meine Gedanken unwillkürlich immer wieder zu meiner Unzufriedenheit, meiner "Grummeligkeit" zurückkehren. Anstatt mich wie sonst meistens krampfhaft um eine gewollt positive Affirmation zu bemühen, die ich in solchen Momenten ohnehin nicht zu glauben vermag, und die mich dann noch unzufriedener stimmt, weil sie sich unwahr und nicht stimmig anfühlt, bin ich heute darauf "gestoßen", einfach "nur" Dankbarkeit zu praktizieren. 

So kam ich auf : "Ich bin dankbar für das, was ist!" als mein Mantram für heute Morgen und als eine Art Erweiterung des Satzes von Andrea. Und siehe da: Während ich mir diesen Satz wiederholend innerlich vorsagte und meine Gedanken bewusst immer wieder neu darauf ausrichtete, dass ich dankbar bin, spürte ich immer deutlicher, dass ich mich in die gegenwärtige Situation zusehens tatsächlich hinein entspannte und gelassener wurde. Ich bemerkte, dass eine Situation nicht zwangsläufig "schön" sein muss, um dankbar für sie zu sein. 

Diese tiefe Einsicht während der Meditation verhalf mir dazu, meine bisherige und gewohnte Perspektive auf diesen vermeintlichen "Scheiß-Tag" deutlich spürbar zu verändern. Denn gerade einen solchen Tag kann ich wunderbar dafür nutzen, es mir einfach gut gehen zu lassen, frei von irgendwelchen Erwartungen und Zwängen, unbedingt etwas betont "Sinnvolles" zu machen. Ich kann ihn einfach als Ruhetag genießen, still sein, in mich gekehrt sein. Ohnehin bemerke ich in letzter Zeit, wie erholsam es für mich ist, einfach Ruhe zu haben, vor mich "hinpröddeln" zu können und dabei "Fünfe gerade sein" zu lassen. Das entspannt mich. Und dafür dankbar zu sein, ist eine leichte Übung.

7. November 2019

Neuauflage von "So wie Du bist"

Es ist soweit: Mein Gedichtband "So wie Du bist" mit Liebesgedichten (BoD- Books on Demand, ISBN: 978-3-7494-5362-7, Taschenbuch, 6,50 €) ist ab heute erhältlich!





Klappentext:
"Sind Liebesgedichte nicht schon längst aus der Zeit gefallen und ein Überbleibsel verklärender, wirklichkeitsferner Romantik?
Mit „So wie Du bist“ tritt der Dichter und Schriftsteller Eckhard Neuhoff eindrucksvoll und sehr berührend den Gegenbeweis an. Denn Neuhoffs Poesie ist aus dem Leben gegriffen und basiert auf ganz realen Erfahrungen und Erlebnissen mit der Liebe seines Lebens.
In den vorliegenden Gedichten setzt er sich intensiv und absolut aufrichtig mit seinen überaus tiefen und starken Gefühlen und Gedanken zum Kosmos „Liebe“ auseinander.
Auf diese Weise offenbart er seinen Lesern die Einzigartigkeit des wunderbaren und einzigartigen „liebevollen und freien Miteinanders“, das ihm zusammen mit seiner Seelenpartnerin geschenkt wurde.
Neuhoffs Gedichte sind allesamt sehr persönlich und spiegeln doch gleichzeitig eine große innere Entwicklung durch sein immer vollständigeres Einlassen auf die Liebe wider.
So kann seine wahrhaftige Poesie zu einer Ermutigung und Aufforderung für alle Liebenden werden, sich ihrem Gegenüber genauso unverfälscht und ehrlich zu offenbaren, wie der Autor es hier mit diesem Gedichtband tut."

Erhältlich ist das Buch im BoD Buchshop und demnächst in allen großen Onlineshops, sowie im stationären Buchhandel.

5. November 2019

Selbstreflektion: Gedanken und Gefühle

Ich allein bin für meine Gefühle, für mein individuelles Erleben verantwortlich. Und: Ich bin nicht meine Gefühle oder meine Gedanken. Doch gerade in emotional belastenden Situationen erlebe ich mich, trotz dieses Wissens, der scheinbaren Macht meines Fühlens und Denkens ausgeliefert und von ihnen bestimmt. Was sehr traurig und kräftezehrend ist. Dass ich es bin, der ihnen diese Macht immer wieder zugesteht, macht die Situation auch nicht gerade leichter.

Zweifelsohne sind meine individuellen Gefühle, meine Art zu denken, ein Teil dessen, was mich als individueller Mensch ausmacht, mich definiert und auch nach Außen, auf andere Menschen wirkt; was in der jeweiligen Wirkungsweise wiederum allein in ihrer Verantwortung liegt.

Über die Jahre habe ich gelernt, dass jedes Gefühl seine Berechtigung hat und, dass es keine falschen Gefühle gibt. Trotzdem fühlen sich beispielsweise Wut, Missgunst, Hilflosigkeit oder Eifersucht irgendwie falsch an. Denn sie trennen mich durch ihr intensives Durchleben und Durchleiden von dem, was mir wichtig ist: Lebensfreude, Inspiration, Gemeinschaft, Erfolg und Liebe. Kann das richtig, oder gar berechtigt sein? Und was bewegt mich dazu, mich jedes Mal, in letzter Konsequenz ja freiwillig, vom Strom des Lebens und der Fülle abzutrennen? Bin ich am Ende gar in meinem Innersten der (gut verborgenen) Überzeugung, dass mir das unbeschwert Schöne, Wahre und Gute -das einfach Sein -  im Grunde nicht zusteht und ich mich stattdessen mit seelischer Not und Mangel im Leben zu begnügen habe?

Das Dumme daran ist, dass die Auswirkungen dieses Mangels ja nicht allein auf mich begrenzt sind, sondern auch bei den mir lieben und wichtigen Menschen etwas auslösen: nämlich Betroffenheit, Sorge, Traurigkeit; und gelegentlich auch Trotz, Ablehnung und Unverständnis. Auch wenn ich für ihre Empfindungen an sich nicht verantwortlich bin, so bin ich dennoch der Auslöser und zumindest mit verantwortlich für ihr durch mich verursachtes Miss-Empfinden. 

Meine wichtigsten Werkzeuge oder Instrumente bei meiner Arbeit, und für mein eigentliches Selbstverständnis sind Klarheit, Authentizität und bedingungslose Wahrheitsliebe. Sie offenbaren sich mir im Durchdringen und Verstehen-Wollen von oftmals komplexen Zusammenhängen und durch die ihnen innewohnende Inspiration, das Erleben von Harmonie, von Gleichgewicht und innerem Frieden beim Schreiben, sowie im liebevollen Gespräch, also im Kontakt und Austausch mit anderen Menschen. Und das gänzlich frei von jeder Erwartung, von Vorurteilen und übermäßig starken Gefühlen und dominierenden Gedanken. Alles fließt. 

Ein wesentlicher Bestandteil meiner inneren und äußeren Arbeit ist die Reflektion, das Ver-Arbeiten und dabei in die Tiefe zu gehen. Hierbei die Balance zwischen der mir so wichtigen Klarheit einerseits, und den dort vorhandenen Emotionen anderseits, zu finden und zu halten, ist nicht immer einfach. Denn allzu oft vernebeln mir dabei meine Gefühle den Blick auf das Wesentliche und ich neige dazu, mein Unwohlsein dabei auf andere Menschen zu projizieren und ihnen für diesen von mir selbst kreierten und ebenso selbst zu verantwortenden Zustand unwillkürlich eine (unausgesprochene) Mitverantwortung, beziehungsweise sogar eine Mit-Schuld aufzubürden. 

Oftmals verursachen tiefgreifende Veränderungen in meinem Lebensgefüge diesen Zustand. Die damit einhergehenden Gefühle speisen sich zumeist aus weit zurückliegenden Erfahrungen von Zurückweisung, Enttäuschung, erlittenen Kränkungen und Verlusten. Hierbei den Überblick zu behalten und die aktuelle Erfahrung von der Vergangenheit und den mit ihr eng verknüpften Empfindungen sorgsam zu trennen: Das ist die hohe Kunst! 

Ein nächster Schritt ist, die eigene Perspektive auf das Geschehnis zu verändern und mit den Fragen zu verbinden: Was darf ich aus dieser Situation für mich lernen? Will mich diese Situation womöglich auf etwas hinweisen? Denn schließlich ziehe ich ja durch mein Verhalten und durch das, was ich dabei denke und fühle, die jeweilige Situation selbst in mein Leben und empfinde, erlebe sie nicht objektiv (als neutraler Beobachter), sondern subjektiv (beeinflusst und geprägt durch meine Empfindungen und die ihnen zugehörigen Gedanken).

Was mich dabei ungemein dankbar und hoffnungsvoll stimmt, ist die Tatsache, dass ich auch hier inzwischen meine Kreativität, meine Begabung zuhilfe nehmen kann, sie mir zur Verfügung steht, um solch komplexe Zusammenhänge "aufzudröseln" und sie mir selbst auf diese Weise begreiflich und handhabbar zu machen. Denn auf diese Weise gewinne ich meine Klarheit zurück und damit auch meine Lebensfreude, meine Zuversicht und den Blick für das Schöne und Kostbare im Leben.













4. November 2019

Urvertrauen, Vertrauen und Liebe. Ein Entwicklungsprozess

Selbstvertrauen und Vertrauen: Ohne einander sind sie undenkbar. Und ohne das, was "Urvertrauen" genannt wird, fehlt beiden das Fundament.

Durch die verschiedensten Erlebnisse, Erfahrungen und Ereignisse in meiner Kindheit habe ich schon sehr früh mein Urvertrauen verloren. Ich fühlte mich vollkommen schutzlos, der Willkür anderer Menschen ausgeliefert, missverstanden und nicht ernst genommen. Das alles verdichtete sich in mir immer mehr zu einem sehr dominanten Grundgefühl: nicht richtig zu sein, nicht zu genügen; weder mir selbst, noch meinen Eltern und den übrigen Menschen in meiner Umgebung.

Bis zum heutigen Tag macht mein fehlendes Urvertrauen sich - ungeachtet meiner fortschreitenden (spirituellen) Entwicklung - immer wieder schmerzhaft bemerkbar. Insbesondere in Situationen, deren Auswirkungen auf mich ich nicht abzuschätzen vermag, und die in engem Zusammenhang mit mir  äußerst wichtigen, und in besonderem Maß vertrauten Menschen stehen. Ich fühle mich dann meinen so starken und widerstreitenden Gefühlen nahezu hilflos ausgeliefert und mich von ihnen hin- und her gerissen, wie das sprichwörtliche Blatt im Wind. Und alle vermeintlichen inneren Gewissheiten und Erkenntnisse in Bezug auf mich, meine Stärken und auch meine Liebe, erscheinen in solchen Momenten als sehr trügerisch und als nur wenig substantiell. Was mich wiederum noch mehr verunsichert und mich traurig, verwirrt und wütend stimmt.

Als ich vor kurzem unter dem Eindruck einer existentiellen Krise über Selbstliebe schrieb, waren mir  in diesem Kontext zwei Begrifflichkeiten sehr präsent: "Nicht anhaften" und "mir selbst genügen". Beide Begrifflichkeiten sind für mich ein unverzichtbarer, aber unglaublich schwer zu verinnerlichender und äußerst ungebärdiger, sich zur Wehr setzender Bestandteil von Selbstliebe und von vollständiger Autonomie, also Unabhängigkeit. 

Ich habe erkannt, wie außerordentlich wichtig, ja nahezu lebensnotwendig es für mich ist, diese beiden Begriffe als integralen Bestandteil meines Selbst ganz zu verinnerlichen und mit Leben, mit Erfahrung, mit unverbrüchlicher Gewissheit zu füllen. Und nicht umsonst werde ich immer wieder mit Situationen konfrontiert, die mir ihre immense Wichtigkeit, gerade für mich, immer wieder vor Augen führen. 

Wahre Erkenntnisprozesse sind manchmal äußerst erschütternd und schmerzhaft. Denn sie berühren und durchdringen den innersten Kern, die Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz, des Selbst-Verständnisses. Gewohnheiten, Glaubenssätze werden massiv auf die Probe gestellt und hinterfragt. Immer und immer wieder. Der einfachste Weg wäre, davor die Augen zu verschließen und solche Situationen zu vermeiden, indem ich davor weglaufe, so wie früher. 

Ich bin aber nicht länger so wie früher! Denn ich bin innerlich gereift und gewachsen. Auch, wenn mir diese Tatsache manchmal aus dem Blick gerät. Das ist menschlich und ich habe gelernt, mir diese Schwäche zu vergeben. Ebenfalls immer und immer wieder. 



28. Oktober 2019

Wahrheit und Freiheit

"Die Wahrheit wird euch frei machen!" Dieser Bibelspruch begleitet mich schon mein halbes Leben, ohne dass ich seinen tieferen Sinn begreifen oder für mich erfassen konnte. Bis jetzt. Denn nachdem ich, ohne es zunächst benennen zu können, in den letzten Wochen sehr heftig mit mir um meine persönliche Freiheit und Unabhängigkeit von anderen Menschen gerungen habe und mir inmitten dieses Ringens etliche Versäumnisse und "blinde Flecken" eingestehen musste, ist genau das passiert: Ich habe meine persönliche Wahrheit erkannt, habe mich ihr demütig und unter Schmerzen gebeugt und sie mir vollständig ein- und zugestanden. Das war ein wahrhaft schwerer Schritt, der mich sehr viel Kraft und Mut gekostet hat. Denn wer gesteht sich schon gerne ein, dass er sich für einen längeren Zeitraum, aus Angst vor den nicht absehbaren Folgen, selbst belogen hat?

Gerade für mich, der ich mich der Wahrheit, dem Aufrichtig-Sein (gerade mir selbst gegenüber) so sehr verpflichtet fühle, war diese Erkenntnis im ersten Moment zutiefst erschreckend. War ich doch bislang der Überzeugung, dass ich sowohl anderen Menschen gegenüber, insbesondere aber für mich, die Unaufrichtigkeit, das Lügen, schon lange weit hinter mir gelassen zu haben. Inzwischen habe ich aber begriffen, dass wirklich aufrichtige Selbst-Reflektion mit das Schwerste überhaupt ist. Denn wir Menschen neigen ganz unwillkürlich dazu, Fehler und Schwächen eher beim Gegenüber, als bei uns selbst zu erkennen und auch zu benennen. 

So schwer dieser Schritt auch gewesen ist: Jetzt fühle ich mich wie neu geboren, unendlich erleichtert, froh und dankbar für diesen großen Entwicklungsschritt in Richtung wirklicher, innerer Freiheit. Ich bin auf völlig neue Weise ganz bei mir und nehme mich viel klarer, mit größerer innerer Gelassenheit und deutlich entspannter als zuvor, wahr. 

Diese neu gewonnene innere Haltung hat auch Auswirkungen auf das Miteinander mit Petra: Da ich mich nun mit größerer emotionaler Unabhängigkeit, Klarheit und Zielstrebigkeit um mein eigenes Leben, meine Herzenswünsche und Ziele zu kümmern vermag, ist das von mir zwischenzeitlich verloren geglaubte Gleichgewicht zwischen uns wieder hergestellt. Anders als in der Zeit davor, fühle ich mich ihr wieder "gleichgestellt" und ebenbürtig, und nicht länger unterlegen. Das schafft eine neue, im wahrsten Wortsinn "Augenhöhe" zwischen uns, was wohl für uns beide gleichermaßen wichtig und in der Liebe unabdingbar ist. 

Vor kurzem las ich einen Text, in dem es darum ging, dass wir manchmal anderen Menschen unabsichtlich Macht über unser Leben und unsere Gefühle geben, indem wir ihnen gestatten, uns über das gesunde Maß hinaus zu beeinflussen; beziehungsweise, dass wir uns von ihnen in unseren Entscheidungen, im Denken, Fühlen und unseren Handlungen beeinflussen lassen, weil wir emotional von ihnen abhängig sind. Das Mittel der Wahl lautet hier: Selbst-Ermächtigung. Denn je mehr ich dazu imstande bin, meine Freiheit, meine Autonomie tatsächlich zu leben, sie eigenständig mit Leben, mit Inhalt, mit Sinn zu füllen, umso unabhängiger werde ich auch vom Denken, Fühlen und Handeln anderer Menschen. Und: Ich entscheide immer bewusster und sorgfältiger darüber, ob, wann und in welchem Ausmaß ich es einem anderen Menschen gestatte, Einfluss auf mich zu nehmen, weil ich es in diesem Moment als sinnvoll und hilfreich, als inspiriert erachte.

Es ist unerhört spannend, meine neu gewonnene Freiheit nun Schritt für Schritt zu erkunden und sie immer mehr auszufüllen, in meinem Tempo, in meinem Rhythmus. Und ich bin unendlich dankbar dafür, auch hierbei Petra an meiner Seite zu wissen.