Donnerstag, 22. Juni 2017

Sprache und Sprachlosigkeit

Seit etlichen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Sprache als Mittel der Kommunikation. Dabei achte ich sehr sorgsam darauf, wie ich mich ausdrücke, Dinge formuliere, damit das von mir gesagte oder geschriebene Wort bei meinem Gegenüber möglichst unverfälscht und vor allem frei von Missverständnissen ankommt.

Es ist mir außerordentlich wichtig, mit der Sprache sehr achtsam umzugehen; also genau zu überlegen, wie ich ein Gefühl, einen Eindruck oder eine Begebenheit schildere, damit andere Menschen einen authentischen Eindruck von dem bekommen, was sich mitteilen möchte.

In "Grenzgänger" habe ich berichtet, dass ich sehr früh meiner Sprachmächtigkeit beraubt wurde durch eine psychosomatische Sprachstörung, die es mir für viele Jahre unmöglich gemacht hat mich frei und ungehindert mitteilen zu können. Das war furchtbar für mich - nicht nur, weil ich mich kaum noch getraut habe frei zu sprechen, sondern auch, weil ich wegen meiner Behinderung sehr viel Spott zu ertragen hatte. Diese Erlebnisse haben mich sehr geprägt und mich zur damaligen Zeit bewogen, sehr viel zu lesen. Auf diese Weise wurde mein Sprachgefühl sehr ausgeprägt und mit den Jahren konnte ich immer feinere Nuancen erkennen. Je mehr ich allerdings las und meine verkümmerten Fähigkeiten mit dem Gelesenen verglich, umso verzweifelter wurde ich. Mein Bild von mir selber war durch mein Unvermögen, meine Unsicherheit sehr verzerrt und entsprach nicht dem, was andere an mir wahrnahmen - nämlich eine Sprachbegabung.

Meine Mutter hat Sprache, beziehungsweise die Verweigerung jeglicher Kommunikation, als Strafe gegen mich eingesetzt. Über mehrere Tage hinweg wurde mir jegliches Gespräch, über das Allernotwendigste hinaus, verweigert, bis ich meine Vergehen eingestand. Ich habe das immer als ungeheuer quälend empfunden und es hat mir große Angst bereitet. So bereitet mir bis zum heutigen Tag längeres Schweigen noch immer großes Unbehagen und ganz unwillkürlich empfinde ich es als schwere Strafe für irgendein Fehlverhalten meinerseits - allerdings ohne zu wissen, wofür genau. Umso wichtiger ist es mir mit der Zeit geworden, diese Sprachlosigkeit zu überwinden und um fast jeden Preis das Gespräch zu suchen.

Fehlende Sprache und fehlende Kommunikation haben so meine gesamte Kindheit und Jugend geprägt - bis hinein ins Erwachsenenalter. Und nur ganz allmählich und unter großen Mühen habe ich mir meine Sprachmächtigkeit zurückerobert und hüte sie seitdem wie meinen Augapfel.

Frei sprechen zu können, mich damit zu zeigen, und das geschriebene Wort zu pflegen, haben sich für mich zu Grundbedürfnissen entwickelt. Sie bilden ein starkes Gegengewicht zu meiner früheren, mich vollkommen beherrschenden Sprachlosigkeit und dem damals vorherrschenden Gefühl, nicht wahrgenommen, geschweige denn respektiert zu werden. Für mich ist Sprache - alles!


Mittwoch, 21. Juni 2017

Neue Erfahrungen und ganz viel Mut

Die letzten Monate waren nicht nur äußerst bewegt und bisweilen emotional sehr belastend; sie waren für mich auch äußerst lehrreich. Und sie haben mich ungeachtet der seelischen Belastung darin bestärkt, dass ich eigentlich auf einem guten Weg bin, meinem Leben neue Nuancen hinzuzfügen.

Mich derart intensiv mit meinen Gefühlsausbrüchen und mit anderen Menschen im engen Miteinander zu beschäftigen, war und ist sehr ungewohnt.  Meine bisherigen Freundschaften und auch die familiären Beziehungen laufen allesamt in relativ ruhigen Gewässern. Ich fühle mich dort sicher - mit klaren Strukturen und einem über die Jahre und Jahrzehnte eingespielten Miteinander. 

Verlässlichkeit und Kontinuität sind die Begriffe, mit denen sich diese Beziehungen am Besten kennzeichnen lassen und beides ist für mich und mein großes Bedürfnis nach klaren Strukturen, Durchschaubarkeit und Sicherheit absolut unabdingbar. Sowohl bei meinen beiden Geschwistern, als auch bei den langjährigen Freunden finde ich genau das und es tut mir unendlich gut.

Bei der bereits des Öfteren erwähnten Frau ist das alles komplett anders: Es ist eine große emotionale Nähe zwischen uns, wie ich sie nur aus langjährigen Freundschaften und Beziehungen kenne und die hier innerhalb kürzester Zeit entstanden ist. Und dieses Miteinander berührt und bewegt mich auf eine Weise, wie ich sie in dieser einmaligen und mich sehr fordernden Intensität bisher noch nie erlebt habe. Es ist so, als ob wir uns schon ein Leben lang kennen und unendlich viel Zeit miteinander verbracht hätten. Das alle hat mich immer wieder vollkommen verwirrt, aufgewühlt und an meine Grenzen gebracht. 

Das Fatale daran ist, dass diese Nähe und scheinbare Vertrautheit auch Erinnerungen an die sehr unschönen und traumatischen Zeiten meiner Kindheit und Jugend wieder zum Erwachen gebracht hat - mit ebenso fatalen und verheerenden Folgen für uns beide. Inzwischen ist es aber (hoffentlich) überstanden und wir beide sind um wichtige Erfahrungen in unserer sehr speziellen Beziehung zueinander reicher, die es uns in Zunkunft leichter machen können, noch mehr Verständnis und Toleranz für einander zu entwickeln.

Und dann ist da das Schreiben und Veröffentlichen: Als ich im vergangenen Jahr die erste Version von "Grenzgänger" verfasst habe, war das eine unglaublich intensive und wunderschöne Zeit für mich. Zu entdecken, dass ich eine Begabung habe, das was mich bewegt in Sprache zu gießen, auszuformulieren und anderen Menschen mitzuteilen, hat etwas sehr Befreiendes und unglaublich Schöpferisches für mich. Ich habe die Erfahrung machen dürfen, dass dieser kreative Prozess Kräfte in mir freigesetzt hat, die ich bei mir nie vermutet hätte. Und die mich seitdem anspornen, damit weiterzumachen.

Seit ein paar Monaten bin ich nun damit befasst gewesen, "Grenzgänger" zu überarbeiten und einen Gedichtband ("Zwischen den Zeilen") zusammenzustellen - beides inzwischen veröffentlicht und mit einigen Exemplaren sogar bereits verkauft. Das sind für mich echte und nachhaltige Erfolgserlebnisse und Balsam für jemanden wie mich, für den Neuanfänge, neue Dinge auszuprobieren immer mit großer, lähmender Angst und leider auch mit Scheitern verbunden war - bis jetzt.

Ich habe neuen Mut gefasst und dieser Mut trägt mich auch in den anderen Bereichen meines Lebens. Er treibt mich an, die Dinge anzugehen und mich auszuprobieren - ohne Scheu und mit ganz viel Neugier, auch unbekanntes Terrain zu betreten, wie zum Beispiel Buchcover selber zu gestalten und Lesungen zu veranstalten. Oder mich in die Feinheiten der Blogsoftware einzuarbeiten, anstatt wie bisher nur die grundlegenden Funktionen zu nutzen. Das alles macht unglaublich viel Spaß und ganz nebenbei habe ich durch diese Tätigkeiten auch neue und spannende Kontakte geknüpft.

Ach ja: Und morgen bin ich mit einem Beitrag im Blog von Nora Fieling zu Gast! Vielleicht schaut ihr ja mal rein!

Soweit für heute...








Dienstag, 20. Juni 2017

Vorerst letztes Update zu meinen Büchern

Endlich ist es geschafft! Nach mehrtägigem Feintuning an den Buchcovern (alles in Handarbeit!) sind meine Bücher nun endgültig fertig und warten auf neugierige Kunden...

Für einen ersten Eindruck hier die Bilder:

Grenzgänger:


Zwischen den Zeilen:

Solltet ihr neugierig geworden sein: Man kann sie beide käuflich erwerben!

Montag, 19. Juni 2017

Unbewältigte Traumata, Verständnis und Unerklärliches

Die vergangenen zwei Wochen haben mich (mal wieder) an meine psychische Belastungsgrenze und zeitweise auch darüber hinaus gebracht. Und ich konnte (musste) in dieser Zeit einiges über mich und meine Gefühlseruptionen lernen und leider auch darüber, was sie bei anderen Menschen anrichten können.

Dass ich ein sehr emotionaler Mensch bin, dem bisweilen die Pferde durchgehen, und der sich in für mich schwer durchschaubaren und damit sehr belastenden Situationen kaum noch durch seinen Verstand leiten zu lassen imstande ist - ist für mich nichts Neues. Aber diese Erkenntnis hilft mir nicht dabei, meine seelische Erschütterung darüber klein zu halten, zu welch großen Ungerechtigkeiten ich dann imstande bin. Denn ich bringe nicht nur mich an meine Belastungsgrenzen, sondern zu meinem allergrößten Bedauern auch die Menschen, die es am wenigsten verdient haben, und die davon völlig unvorbereitet und aufs Heftigste getroffen werden. Sie wissen nicht, wie ihnen geschieht, während ich ein Gefangener meiner altbekannten Ängste, unbewältigter Wut und nur unzureichend aufgearbeiteter Kindheitstraumata bin.

Diese allzu heftigen Gefühlsausbrüche kosten mich nicht nur meine ganze Kraft, sie bereiten mir auch große Angst und Schuldgefühle gegenüber meinen Vertrauten, die es nicht verdient haben, so von mir behandelt zu werden - bar jeder Logik und Vernunft. Umso mehr berührt es mich dann, wenn mir nicht nur vergeben wird, sondern mir gleichzeitig auch so viel Verständnis und Mitgefühl entgegengebracht wird, dass es mir die Sprache verschlägt.

Gerade im Zwischenmenschlichen stehe ich immer wieder vor noch ungelösten Rätseln. Die Art und Weise, wie richtige Freundschaften, Beziehungen "funktionieren" und welch ein schier unerschöpfliches Reservoir an Geduld, Toleranz und Mitgefühl mir entgegen meiner Logik so häufig zur Verfügung gestellt wird - ich vermag es nicht zu begreifen. Aber umso dankbarer und glücklicher bin ich darüber, dass ich solche Menschen meine Freunde nennen darf. DANKE!

Sonntag, 18. Juni 2017

Umzugsstress

Gestern endlich hielt ich die Belegexemplare meiner beiden Bücher in den Händen... und war entsetzt! Noch nie habe ich dermaßen billig- und schlecht gemachte Bücher gesehen!

Was also tun? Diese Bücher kann ich niemandem anbieten, geschweige denn, sie ernsthaft in den Verkauf geben. Das würde meinen Ruf als Autor ernsthaft und nachhaltig schädigen.

In einer Nachtschicht bin ich also erneut mit meinen Büchern umgezogen, und zwar zu epubli, einer Selfpublisher - Plattform. Dort habe ich "Grenzgänger" als Taschenbuch und eBook, "Zwischen den Zeilen" lediglich als Taschenbuch hochgeladen und eingerichtet.

In circa zwei Wochen werden sie im gesamten Buchhandel gelistet - und online bei Amazon und Google -Books bestellbar sein. Die eBook- Version ist dann bei allen großen Online-Distibutoren erhältlich.

Und ich bin geschafft, ziemlich genervt, aber dennoch voller Hoffnung, dass nun endlich Ruhe einkehrt, sodass  ich mich neuen Projekten widmen kann - und möglichst vielen Lesungen.

Und hier noch ein erster Eindruck vom Aussehen: