30. März 2020

Dem Guten zugewandt

Was treibt bewusst lebende und nach eigenem Bekenntnis "spirituelle" Menschen zur Zeit an, wenn sie gezielt Verschwörungstheorien verbreiten und die ganz reale Bedrohung durch das Coronavirus herunterspielen? 

Heute Morgen stieß ich bei Facebook auf den Text eines selbsternannten "Spirituellen Lehrers", der hinter der Verbreitung des Virus eine Verschwörung der "Mächtigen" behauptete, probeweise unsere Freiheitsrechte einzuschränken. Im gleichen Atemzug leugnete er die Gefährlichkeit des Virus (und gleichzeitig auch seine Existenz?) und konstatierte, dass ein Großteil der Menschheit (wohl mit Ausnahme der "wahrhaft Erwachten") den Regierenden diesbezüglich schon auf den Leim gegangen sei. 

Wenn ich so etwas zu lesen bekomme, dann schüttelt es mich innerlich. Und ich weigere mich, solchen Gedanken überhaupt Raum zu gewähren. Mich stattdessen auf das Gute, auf die Chancen, die in dieser -mit gesundem und logischem Menschenverstand- nicht zu leugnenden Krise zu finden sind, ist kein "Pfeifen im Wald". Es ist vielmehr eine klare und ebenso bewusste Entscheidung, das anzunehmen, und das Gute darin wahrnehmend, was im Moment (ganz real) ist.

Soweit es mich, und auch die Menschen in meinem persönlichen Umfeld betrifft, so nehme ich zur Zeit eine große Welle der Zuwendung, des Mitgefühls und der Besinnung wahr; zusammen mit einer sehr innerlichen und wahrhaft friedlichen Stimmung. Stattfindende Begegnungen sind viel intensiver und achtsamer als zuvor. Und die Aufmerksamkeit liegt (zumindest bei mir) viel stärker und deutlicher auf Themen wie Dankbarkeit für das, was vorhanden ist, Besinnung auf das Wesentliche, und auf der eigenen, dem Wahrhaftigen dienlichen, inneren Entwicklung

Ohne anmaßend sein zu wollen, bin ich immer mehr davon überzeugt, dass wir spirituellen Menschen zur Zeit eine große Verantwortung haben: nämlich dahin gehend, Gutes und Bestärkendes in die Welt zu tragen, anstatt Angst und dunkle Gedanken zu verbreiten. Menschen, die sich in dieser Zeit bewusst dem Negativen zuwenden und es gezielt verbreiten, haben in meinem Leben, in meinem Wirken keinen Platz und werden von mir konsequent ferngehalten. Sie gehören nicht zu mir!

23. März 2020

Wahrnehmung und Wahrheit

Alles was wir aus der eigenen, subjektiven Perspektive heraus für wahr halten -seien es angebliche Absichten anderer Menschen, oder von uns in bestimmter Weise interpretierte Charaktereigenschaften - basieren letztlich auf Annahmen, Vermutungen und Behauptungen. Unsere gesamte Sicht auf Menschen und Geschehnisse speist sich aus unseren individuellen Erfahrungen und ihrer jeweiligen Interpretation und Einordnung.

Ausnahmslos jeder Mensch nimmt sein Gegenüber auf andere Weise wahr und verknüpft diese Erlebnisse mit ganz eigenen Gedanken und Empfindungen, die untrennbar mit dem jeweiligen Erfahrungsschatz verbunden sind. So kann es beispielsweise geschehen, dass ich einen Menschen als ausgesprochen sympathisch empfinde, mich im nah und verbunden fühle, während ein anderer den gleichen Menschen als unangenehm und unsympathisch erlebt. Oder ich erlebe eine bestimmte Situation als ganz selbstverständlich und vertraue ihrer Folgerichtigkeit und Angemessenheit, während mein Gegenüber die gleiche Situation als bedrohlich erlebt und voller Misstrauen ist und womöglich eine Verschwörung dahinter vermutet. 

Unsere Wahrnehmung ist also mitnichten objektiv, weil unser menschlicher Verstand und unsere gewöhnlichen Sinne nicht dazu imstande sind, die Vielschichtigkeit, die Komplexität eines Menschen oder einer Begebenheit vollständig und restlos zu erfassen. Wir sehen und erleben immer nur einen begrenzten Ausschnitt des Ganzen. Und ob uns etwas gefällt, oder missfällt, ob wir vertrauen oder misstrauisch sind, liegt allein in unseren Erfahrungen und unseren erlernten und von Anderen blindlings übernommenen Denkmustern, den Glaubenssätzen begründet.

Die meisten Menschen pflegen ihre Annahmen und Glaubenssätze ein Leben lang. Sie reagieren auf Menschen und Situationen reflexartig mit den gleichen Mustern und sehen keine Notwendigkeit, diese zu überprüfen und zu hinterfragen. Dementsprechend bekommen sie auch mit schöner Regelmäßigkeit identische Ergebnisse geliefert.

Ich habe in den letzten drei Jahren gelernt, dass meine Gedanken und Gefühle, die Perspektive die ich gegenüber anderen Menschen und gegenüber Geschehnissen einnehme, nicht in Stein gehauen sind. Sie sind willentlich und gezielt veränderbar. Es ist allein meine Entscheidung, ob ich eine Situation als bedrohlich und hoffnungslos erlebe, oder in ihr eine Chance auf Veränderung und Entwicklung wahrnehme. Das Gleiche gilt für die Menschen, denen ich begegne. Sehe ich in ihm einen Feind oder einen Gegner, oder nehme ich ihn als ein Geschenk und Bereicherung wahr, durch das ich wertvolle und schöne Erfahrungen für mein inneres Wachstum gewinnen kann. 

Ich habe gelernt, dass es nicht "die eine, allumfassende Wahrheit" gibt, sondern dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit hat. Weder seine noch meine ist besser oder schlechter, richtig oder falsch. So gilt für ausnahmslos jeden Menschen der Spruch: "Wie man sich bettet, so liegt man!"

Ich habe mich dazu entschieden, sowohl Menschen als auch Situationen möglichst unvoreingenommen zu begegnen und mich darum zu bemühen, in allem das Gute, Schöne und Hilfreiche zu sehen und zu erkennen. Damit ermögliche ich es mir, mich weiter zu entwickeln und meiner Entwicklung dienliche Erkenntnisse zu sammeln; immer in dem Bewusstsein: Es ist meine, ganz individuelle und subjektive Wahrheit, die mit der meines Gegenübers nicht übereinstimmen muss.

21. März 2020

Perspektivwechsel

Leider verbreiten sich in den sozialen Netzwerken und im Internet viele Falschinformationen und Verschwörungstheorien zum Thema "Corona-Virus". Gerade in den letzten Tagen haben sich viele vermeintliche und selbsternannte Experten zu Wort gemeldet, die die gegenwärtige Situation bewusst verharmlost und heruntergespielt haben. Manche von ihnen klingen zunächst sehr glaubwürdig, weil sie durchaus über medizinisches Fachwissen verfügen und sehr geschickt mit überprüfbaren Fakten hantieren.

Dagegen steht, dass die in der Krise Verantwortlichen ganz bestimmt nicht ohne Not und ohne sorgfältiges Abwägen der Risiken und Konsequenzen, die bisherigen Maßnahmen zu unser aller Schutz erlassen haben.


Natürlich kommt es unserem Empfinden und unseren Wünschen sehr entgegen, wenn Gefahren vermeintlich nicht so groß sind, wie sie zunächst erscheinen, oder wenn hinter all den uns auferlegten Einschränkungen finstere Absichten stecken würden, gegen die wir uns gemeinsam zur Wehr setzen können. "Wir gegen die da oben" verbindet. Aber ist das hilfreich? Ändert das etwas an der ganz konkreten Situation?


Dieses Virus bedeutet nicht, dass die Welt untergeht, oder, dass es unser Leben ausschließlich zum Negativen hin beeinflusst. Stattdessen bedeutet es Veränderung. Es birgt Chancen auf Umbruch hin zu mehr Miteinander und auf Besinnung auf die wesentlichen Qualitäten des Lebens.


Das Virus eröffnet uns die Möglichkeit, uns auf unsere Menschlichkeit und auf unsere Stärken zurück zu besinnen. Und seine Existenz kann bewirken, wieder Dankbarkeit zu entwickeln: Dankbarkeit und Achtsamkeit gegenüber dem, was wir haben, sowohl in materieller Hinsicht, als auch im Hinblick auf die wertvollen Menschen, die wir in unserem Leben haben.
Soweit es mich betrifft, bin ich viel lieber dankbar und in liebevoller Aufmerksamkeit mit "meinen" Menschen verbunden, als ängstlich, wütend, oder pessimistisch. Und ihr so?